Weil ich mich gerade an ein paar Stellen im Internet darüber gezankt habe, schreibe ich meine unmaßgebliche Meinung zu diesem Thema auch hier noch mal rasch auf.
Kurz zum Background: In Düsseldorf war ein Fußballspiel. Fans der Gästemannschaft reagierten auf den vorentscheidenden Gegentreffer mit dem Werfen von Knallkörpern und Bengalos in Richtung Eckfahne. Polizei zog auf, et cetera, das Spiel wurde unterbrochen. Spiel ging weiter, Gästemannschaft schoß ein Tor, Nachspielzeit, der Schiedsrichter pfiff irgendwas. Die euphorisierten Fans der Heimmannschaft dachten, es sei der Schlusspfiff und stürmetn den Platz. Mit ein bisschen Überzeugungskraft schickte man sie wieder runter, es wurden noch zwei Minuten gespielt. Abpfiff. Die Gästemannschaft legte Protest gegen die Spielwertung ein (“unsere Spieler hatten Todesangst”; “wir sind nur nochmal aufs Feld gegangen, um ein Blutbad zu verhindern”).
Jetzt liest und hört man’s wieder überall: “Chaosspiel”, “Mega-Skandal”, “Die Fußballschande von Düsseldorf” und so weiter. Alles ereifert sich über die blöden Fußballfans.
Aber hey, mal realistisch betrachtet: Die “Debatte” besteht mal wieder zu 90 Prozent aus Speichel und heißer Luft. Der Platzsturm war rabaukig und maßlos, aber doch nun nichts wirklich Schlimmes. Sowas kommt in den besten Familien vor. Nur halt eben nicht vor dem Schlusspfiff, aber das war natürlich eher ein Versehen, eine Missinterpretation eines Pfiffs. Was da auf dem Rasen stattfand, war natürlich Sachbeschädigung (irgendwer wollte gar den Elfmeterpunkt klauen), aber am Ende waren es einfach feiernde Menschen, Männer, Frauen und Kinder.
Und, Punkt 2, auch wenn manche, die Fußballspiele nur von Sky HD oder aus der VIP-Loge kennen, das anders sehen mögen: Bengalos an sich sind auch noch kein Grund für den Einsatz von Blauhelmen. Ich persönlich fühle mich, auch wenn die Medien zunehmend von Hooligans und Fangewalt hyperventilieren, im Fanblock sicherer als an Silvester auf der Hauptstraße einer deutschen Kleinstadt.
Das Werfen von bengalischen Fackeln, aufs Spielfeld oder sonstwohin, hingegen ist natürlich etwas, was bestraft gehört. Wenn man also dem Spielabbruch das Wort reden möchte, hätte man in der 60. abbrechen müssen, als die Hertha-Fans erstmals Wettwerfen auf die Eckfahne veranstaltet haben.
P.S.
Als Ergänzung differenziertere Meinung, abseits der Mainstream-Medien: Spielverlagerung.de verurteilt die Vorfälle auch, vermeidet aber stereotypes Gebashe. Geht doch auch.
Der Tagesschau-Redaktion ist es auch aufgefallen: “Eine hochgeschriebene Horrornacht”.





Ach, seien wir ehrlich, der moderne Fußball der Bundesliga ist ein Wunder: die eklatante Cleverness des flexiblen Dortmunder Systems, das aufregende Vertikalspiel von Gladbach, die taktische Disziplin Augsburgs, alles brennend interessant. Über Fußball reden geschweige denn Fußball verstehen zu wollen, erfordert viel mehr als “Hannover sucht aber schnell über Konter den Abschluss” oder “Der Müller hatte mal wieder einen schlechten Tag”. Okay, nicht erst seit heute, aber doch (gefühlt) zunehmend mehr.


