kaliban.org Nov 26 2002

by Gunnar on 26. November 2002 · 22 comments

Der Montag morgen findet mich früh.
Auf dem Rückweg vom Bäcker (»Zwoa Brez’ns’mmln, w’immer?«) gehe ich bei rot über die Straße, weil kein Auto kommt. Eine Mutter motzt mich an, ich solle ihren Kindern kein schlechtes Beispiel geben. Ich drehe mich um und gehe in die Offensive. »Mein Bruder ist mit acht auf einem Zebrastreifen überfahren worden. Weil er auf die blöde Ampel vertraut hat. Weil ihm meine Mutter Vertrauen in die Straßenverkehrsordnung eingebläut hat. Ich habs mit angesehen und träume heute noch davon. Denken sie nicht, man sollte Kinder so erziehen, dass sie selber kucken, anstatt ihnen das bescheuerte Rotgrüngelb-System anzutun?«
Das stopft ihr das Maul. Warum tue ich so was? War doch gelogen und unnötig fies. Beim Frühstück plagt mich eine halbe Stunde lang ein schlechtes Gewissen, und der Kaffee schmeckt sandig.

Trotz dieser und anderer ganz lustiger Passagen hat meine Kurzgeschichte namens Ebbe, Flut und wieder Ebbe beim diesjährigen Allegra-Wettbewerb keinen Blumentopf gewonnen. Abgeräumt haben nur Frauen. Das ist doch alles abgekartet.

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