August 2003

kaliban.org Aug 31 2003

by Gunnar on 31. August 2003 · 13 comments

Onkels Tod

Ich bitte um eine Schweigesekunde für Onkel, mein schwarzes Ikea-Regal. Hat mich acht Lebensjahre und sieben Umzüge lang begleitet. War seinen Kaufpreis von seinerzeit DM 79,- mehr als wert, litt aber zuletzt sehr an Lackkratz, Schraubenausbruch und allgemeiner Wackeligkeit. Wurde heute dem Müll übergeben. Danke Onkel, ich hoffe, dass Billy dein Werk würdig fortführen wird.

Als der Lynchmob bei mir klingelte

by Gunnar on 30. August 2003 · 15 comments

Ich war bereits früh am Abend über der Lektüre einer Konkurrenzzeitschrift in sanften Halbschlaf gesunken. Da drangen schwach ungewohnte Geräusche an mein Ohr: Schreie, Trommeln, das Schlagen von Metall auf Metall. “Klingt erstaunlich nahe”, dachte ich noch bei mir, da schellte die Türglocke. Ich schlurfte zur Pforte, öffnete, und draußen stand ein Lynchmob. Teils maskierte Männer mit Mistgabeln, gespitzten Stöcken, Schrotflinten drängten sich im Flur; der Rauch ihrer rußenden Fackeln schwärzte die schon lang nicht mehr gestrichene Decke noch weiter. Ich ließ meinen Blick über die Gruppe schweifen und suchte nach dem Rädelsführer. In der Mitte stand ein langer Kerl mit schwarzen Bartstoppeln, schiefer Haltung und einem impertinenten Blick — ich fixierte ihn und räusperte mich überdeutlich. Das nahm er als Aufforderung: “Gib den Doktor heraus!” stieß er hervor. “Welchen Doktor?” fragte ich zurück. “Frankenstein!” schnarrte er. Aus dem Mob kamen aufmunternde Rufe: “Lass dich nicht abwimmeln!”; “Wir wollen den Doktor!” Ich lehnte mich an den Türrahmen und inspizierte eine halbe Minute lang einen schlecht ausgebesserten Kratzer im Holz. “Der wohnt hier nicht, ihr Idioten”, sagte ich schließlich. “Hier ist Daiserstraße 47, Frankenstein wohnt in der 147, das ist das Anwesen auf dem Hügel, in dem immer die Blitze einschlagen. Mit den Fallgruben im Vorgarten.” Es dämmerte auf dem stumpfen Gesicht des Rädelsführers. “Entschuldigung” presste er hervor; die andere Mobteilnehmer drängten bereits wieder auf die Straße zurück. Ich schlug die Tür zu und griff zum Telefon. “Herr Frankenstein? Bei mir war schon wieder ein Mob, der müsste in zehn Minuten bei ihnen sein. Nur zur Vorwarnung. Nein, nichts zu danken.” sagte ich und hängte wieder ein. Die sollte man verbieten, diese Lynchmobs.

Wie ich ein Samariter wurde

by Gunnar on 29. August 2003 · 7 comments

Neulich schluffte ich durch unterirdische Gänge zur U-Bahn, als plötzlich ein weiß gekleideter Mann wie ein Schachtelteufel auf mich zusprang. “Jetzt isses passiert, jetzt haben sie dich” schoß mir durch den Kopf. Doch der schnauzbärtige Herr wollte mich nicht internieren, nur anwerben: als Mitglied für den Arbeiter-Samariter-Bund. Ich, belastet durch meine sozialpädagogische Vergangenheit, bin ja caritativen Zwecken gegenüber aufgeschlossen und hörte mir die hastig schnarrend vorgetragenen Erklärungen an. Im Gespräch kamen wir dann auf meinen Beruf, es fiel das Wort GamePro, und erstaunlicherweise sagte der Samariter: “Ist das nicht das Heft mit den Titten auf dem Cover?” Ahem. Nunja. Schon, irgendwie. Da sieht man mal, wie Wahrnehmung funktioniert.

kaliban.org Aug 28 2003

by Gunnar on 28. August 2003 · 4 comments

Da’s mittlerweile ein bisschen einschläft, kann ich ja mal die URL meines Lieblings-Online-Sinnlos-Zwischendurch-Spielchens posten: Legend of the Neuter Space Bear – ein absurder Abklatsch des Fantasy-Monsterhau-Xp-Sammelspielchens Legend of the Green Dragon, bei dem ingeniöse Leute alle Namen durch Sachen aus der Spielebranche ersetzt haben. Sehr insiderig, aber lustig.

kaliban.org Aug 26 2003

by Gunnar on 26. August 2003 · 20 comments

Die Idiotie der Städte

Wenn der HSV sich nicht entblödet, sein Stadion AOL-Arena zu nennen, so ist das seine Sache — ein kommerzielles Unternehmen kann schließlich tun, was es will. Ähnliches gilt, wenn der Clan MTW sich plötzlich mTw.alternate schimpft, um des Sponsorings wegen. Und auch, dass ich Osama Bin Laden angeboten habe, diese Webseite gegen Zahlung von 25.000 US-Dollar für eine Woche in taliban.org umzuwidmen, liegt durchaus im Rahmen des Normalen, denke ich. Dass nun aber die Stadt Wolfsburg hingeht und sechs Wochen lang Golfsburg heißen will, geht zu weit. Zumal da angeblich nicht mal horrende Euro-Summen geflossen sind, sondern die Stadt es freiwillig macht, als »Dankeschön an VW, dass der neue Golf in Wolfsburg vorgestellt wird«. Arrrgh.

kaliban.org Aug 25 2003

by Gunnar on 25. August 2003 · 18 comments

Abenteuer in Neufünfland

Bin ja nicht so oft im Osten Deutschlands unterwegs. Ist aber immer ein Augenöffner. Spontan sind mir folgende Unterschiede von Leipzig und Umgebung zur Region München aufgefallen:
Bei McDonald’s arbeiten nur Deutsche; es fährt nicht *jeder* Depp einen BMW; man wird auch mit norddeutscher Sprechweise nicht gefragt, was man da zu suchen hat und ob man nicht bitte da bleiben könne, wo man herkommt (ist mir letztens wieder in München passiert); niemand raucht die roten Gauloises, die in München alle rauchen; man kann mit Leuten das Thema Miete ansprechen, ohne dass alle gleich das Kotzen anfangen. Und überhaupt. Hat mir gut gefallen in Leipzig. Schmucke Stadt.

kaliban.org Aug 19 2003

by Gunnar on 19. August 2003 · 39 comments

Inspired by jetzt

10 Gründe, warum es sich diese Woche zu leben lohnt

1. Kühlere Luft strömt von der Nordsee her nach Deutschland
2. Der Westpark an sich
3. Ein neues potenzielles Stammlokal ganz in der Nähe finden
4. Six Feet under auf DVD schauen
5. Erstaunlicherweise: das Literaturprogramm von Bayern 2 im Auto hören
6. Ausnahmsweise mal früher heim gehen
7. Fremde Katzen hüten und schauen, wie sie sich von den eigenen unterscheiden
8. Die Wohnung umräumen und sich fühlen, als sei alles neu
9. Der Wind, der an den Fenstern rüttelt
10. Unerwartet von Erinnerungen an schöne vergangene Momente überfallen werden

kaliban.org Aug 18 2003

by Gunnar on 18. August 2003 · 6 comments

Mir fällt nix ein. Damit der Tag nicht leer bleibt, hier ein Lemmings-Link.

kaliban.org Aug 17 2003

by Gunnar on 17. August 2003 · 28 comments

Logo-Mania

Habe gerade mal ein bisschen gebastelt, weil diese Seite beim in ein paar Wochen erfolgenden Mini-Relaunch auch ein richtiges Logo bekommen soll. Gefällt mir aber alles noch nicht. Hat jemand eine Idee? Oder ist ein begabter Photoshopper?

Lustige Figur, leider ohne Zusammenhang zum Rest der Seite.

Mit sinnlosen Kugeln, aber okayem Slogan

Zu langweilig, denke ich

Ganz nett, aber noch nicht ausgereift.

Hm. Bisschen lahm.

Sehr hübsch. Wird aber beim verkleinern rasch unlesbar.

Update: Noch ein Versuch. Ist jetzt auch der letzte.

Jaja. Ich bleibe beim schlichten bisherigen Logo. Schon recht.

kaliban.org Aug 16 2003

by Gunnar on 16. August 2003 · 7 comments

Aus dem echten Leben

Ich liebe Dich. Aber ich kann nicht sagen, ob ich Dich in 14 Tagen auch noch liebe. Bei euch Frauen muss man sich ja immer so festlegen” habe ihr Freund neulich zu ihr gesagt, erzählte vorgestern eine Frau am Nachbartisch im Frühstücksrestaurant meiner Wahl. Hat sicher ein eher schwieriges Exemplar von Mann erwischt, die Arme.

Wie sich Sauron bei mir beworben hat

August 13, 2003

So ist das natürlich nie passiert. Als ich morgens ins Büro kam, war er schon da. Dein Bewerber sitzt schon drin, flüsterte meine Assistentin und zuckte mit den Achseln, eine Geste, die sagen soll, dass sie auch nichts dafür könne. Ich trat ein, und da saß er: Die mächtigen Hände auf dem Besuchertisch, flammende Augen, […]

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kaliban.org Aug 12 2003

August 12, 2003

Videospiele machen gewalttätig. Kinder besonders. Hier ein Versuch zum Thema von einer konservativen US-Publikation: Und hier der Konter von den Genies von Penny Arcade: Videospiele machen gewalttätig. Kinder besonders. Hier ein Versuch zum Thema von einer konservativen US-Publikation: Und hier der Konter von den Genies von Penny Arcade:

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