kaliban.org Jan 15 2004

by Gunnar on 15. Januar 2004 · 14 comments

Der Feminismus und ich

War neulich im Myra, einem sehr hübschen türkischen Restaurant im Schwulenviertel. Dort habe ich bei meinem vorletzten Besuch zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben einen männlichen Bauchtänzer gesehen, der dort für eine Gästin (Huh? Gibt’s keine weibliche From von Gast?) getanzt hat. War nett anzuschauen, auch wenn man nicht auf haarige Oberkörper steht. Folgender absurder Gedanke schoss mir dazu durch den Kopf: Irgendwie finde ich es besser, männliche Bauchtänzer anzuschauen als weibliche. Nachhaken im eigenen Hirn: Warum nur denke ich sowas? Ahhh, weil ich im Studium so auf »Achte die Würde der Frau« sozialisiert worden bin, dass ich erotische Darbietungen von weiblichen Wesen nur mit schlechtem Gewissen anschauen kann, sexuelle Ausbeutung und so. Schaue ich mir hingegen einen tanzenden Mann an, erotisiert mich das zwar nicht, gibt mir aber ein gutes, solides Gefühl von Political Correctness. Argh. Was die Femininstinnen mit meinem Gehirn angestellt haben. Wobei mir wiederum eine Szene aus dem Seminar Grundlagen des Feminismus einfällt: Bei einer Diskussion über die Rollen von Männer und Frauen prähistorischen Gesellschaften äußerte ich mit der Naivität des Jungen vom Dorfe die These, dass der weibliche Körper wegen des niedrigeren Schwerpunkts möglicherweise weniger zum Rennen geeignet sein könnte als der des Mannes, wodurch Letzterem die Rolle des Jägers vielleicht natürlich zugefallen sein könnte. Da stand eine der kräftigen kurzgeschorenen Damen auf und spuckte mir die Aufforderung »Willste’n Wettrennen?« hin. Huh. Das hat mich natürlich eingeschüchtert. Kein Wunder, dass ich der freundliche Frauenversteher geworden bin als den man mich heute kennt…

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