kaliban.org Jul 7 2004

by Gunnar on 7. Juli 2004 · 6 comments

Als ich fehl am Platz war

Oliver Kalkofe rempelt mich auf dem Weg zum Buffet an, Carsten Spengemann steht neben mir und trinkt betont lässig Bier aus der Flasche, um mich herum wuselt deutsche B- und C-Prominenz. Wenn ich nur mehr Fernsehen schauen würde, wüsste ich vielleicht, wer das alles ist.
Aber von Anfang an: Ich bin auf der Europa-Premiere von Spider-Man 2, eher zufällig, weil’s dazu ein Spiel erscheint und Activision Karten zu vergeben hat. Wie bei den Oscar-Events gibt es einen roten Teppich, gesäumt mit wichtiger (RTL) und unwichtiger (Bubblegum TV) Presse sowie Hunderten von Autogrammjägern. Ich gehe den Teppich entlang, versuche möglichst prominent auszusehen, werde aber natürlich von niemandem angesprochen. Olli Pocher hampelt herum und wartet auf bekannte Gesichter, die er vor der Kamera veralbern kann. In meiner Gruppe sind Activision-Leute und andere Redakteure, zusammen sehen wir im Vergleich zu den anderen Gästen eher wie die ostdeutsche Verwandtschaft aus. Liegt nicht an mir, ich habe mich in meinen zweitbesten Anzug geworfen. Wir wühlen uns durch die Reichen, Schönen und Restlichen, betreten Kinosaal 3 und besetzen die besten Plätze, das ist einfach, weil die wichtigen Leute sich ja noch interviewen lassen und daher später eintreffen. Immerhin steigt irgendsoeine angeblich halbwegs bekannte Moderatorin über mich hinweg zu ihrem Platz. Naja. Die Helden des Abends, Kirsten Dunst und Tobey Maguire, sind eh irgendwo anders, in einem wichtigeren der drei Kinos. Nach dem Film, der übrigens ganz gut ist, geht’s auf eine Party im historischen Museum, die exakt so ist wie alle Partys dieser Art: Menschentrauben um’s eher schmale Buffet, irgendwelche Sponsoren verteilen bunte, aber lasche Fitnessgetränke, alles macht Smalltalk und schaut sich die Augen nach bekannten Gesichtern aus dem Kopf. Wenn keine Kollegen da wären, käme ich mir arg deplatziert vor, so habe ich aber immerhin Gesprächspartner. Mein einziger Kontakt mit jemandem, den ich nicht schon vorher kannte, ist eine mir gänzlich unbekannte hübsche junge Dame, der ich Feuer gebe. Sie sieht irgendwie zu solide für Fernsehen oder Plattenindustrie aus, wahrscheinlich ist sie nur die Assistentin des Caterers oder so. Immerhin scheint es anderen ähnlich zu gehen: Herr Spengemann (DSDS) steht auch nur doof ‘rum, trinkt in kurzen Abständen und wird von niemandem angesprochen. Haben sicher alle Angst, dass er ihnen die Brieftasche klaut… okay, schlechter Witz, aber hätte Harald Schmidt ihn gebracht, hätten sicher wieder alle gelacht.

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kaliban.org Jul 7 2004

by Gunnar on 7. Juli 2004 · 2 comments

Wählt…

…mich. Falls ihr Lust habt. Oder nix Besseres zu tun.

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