August 2005

kaliban.org Aug 29 2005

by Gunnar on 29. August 2005 · 9 comments

Handy-Lomos

Keine Ahnung, ob die Lomo-Szene noch aktiv ist, aber die hat uns ja massenweise Fotos von hippen jungen Medienmenschen in Fahrstühlen und Hotellobbys beschert. Hatte ja ein bisschen das Gefühl, die Fotos mit Handy-Kameras würden diese Stelle einnehmen: absichtlich unscharfe, aber stylish inszenierte Schnappschüsse. Da die Handys aber mittlerweile ja einigermaßen scharfe Bilder machen, ist das wohl vorbei. Ich dokumentiere hier mal für die Nachwelt ein paar Schnappschüsse mit einer Auflösung von weniger als ein Megapixel, damit man mal sieht, womit sich die Pioniere der Handyfotografie herumschlagen mussten… ;-)

1.2.3.4.

kaliban.org Aug 28 2005

by Gunnar on 28. August 2005 · 7 comments

Ein Vergleich

Wenn man in lässiger Runde bei Bier sitzt, kommt das Gespräch ja schon mal auf die jeweiligen Chefs und Chefeschefs. Eine spontane Umfrage ergibt: Es sind auffallend viele Bergsteiger und Hardcore-Radfahrer und Marathonläufer darunter. Man ist ja als Mann geneigt, derlei Engagement mit einer Mischung aus Distanz, Neid und Bewunderung zu sehen, aber eigentlich…
…hat doch die am Tisch sitzende Frau T. recht, die schlicht sagt: “Extremsport ist nur das männliche Gegenstück zu Bulimie.”

kaliban.org Aug 27 2005

by Gunnar on 27. August 2005 · 6 comments

Vielen Dank,

…liebe Grüne Partei, für die Zusendung dieser praktischen Kärtchen mit Argumentationshilfen. Wenn ich also mal zufällig in einer Diskussion nicht mehr weiter weiß, schaue ich einfach auf die entsprechende Karte und kann dann Profundes wie “die Linkspartei hat keine Ideen für die Zukunft” sagen. Oder “eine große Koalition bedeutet Stillstand”. Oder “die SPD hängt in der Wirtschaftspolitik zu sehr Vergangenem an”. Aha. Sehr schön. Hoffentlich vergesse ich meine Karten nicht.

kaliban.org Aug 25 2005

by Gunnar on 25. August 2005 · 6 comments

Vielen Dank,

…liebes NH-Hotel in Leipzig, dass ihr die Übernachtungskosten unter dem mysteriösen Punkt »Arrangement« führt — meine Assistentin dachte schon, ich hätte mir ein Mädchen aufs Zimmer bestellt. Konnte gerade noch aufgeklärt werden. Derlei Dinge übernimmt das Reisebudget der Firma nicht, fürchte ich.

kaliban.org Aug 14 2005

by Gunnar on 14. August 2005 · 3 comments

Auch die Herren und Damen

…von SpOn machen Fehler. Gut, wenn sie jemand bemerkt.

kaliban.org Aug 13 2005

by Gunnar on 13. August 2005 · 7 comments

Irland und so.

So. Ich erkläre die Irland-Wochen für beendet. Ist generell auch schön, wieder in der Zivilisation zu sein. Wer Lust hat, sich das gesamte Tagebuch bequem am Stück durchzulesen: Unter krams.txt gibt es eine geordnete, nochmals korrigierte und sogar leicht erweiterte Version: Irisches Tagebuch (Director’s Cut)
.
Zur Stimmungsunterstützung habe ich drei Galerien mit Fotos unter bilder.jpg geparkt: Irische Reisebilder I, Irische Reisebilder II und eine Serie vom Drumahilian Cemetary, einem hübsch verwahrlosten Friedhof nahe Curry. Sind eher ungeordnet, aber ganz hübsch ausgewählt, wie ich hoffe.

kaliban.org Aug 13 2005

by Gunnar on 13. August 2005 · 2 comments

Irisches Tagebuch, Teil 11

Sheep Nation
Schafe, Schafe, Schafe, wie aus dem Samenbeutel eines gigantischen Sähmannes mit ausholendem Armschwung über das Feld geworfen So zufällig und doch gleichmäßig ordnen sie sich auf der Wiese, dass es nachgerade verwunderlich ist, dass sich kein Muster ergibt. Perfekt, wie durch osmotische Bewegung verteilt, belegen sie den verfügbaren Platz. Hat vermutlich was mit Abgraseffizienz zu tun, die Tiere sind ja bekannt für ihre Rasenmäherqualitäten. Wenn man an den Weidezaun geht und ein bisschen laut ist, drehen sich absurderweise alle um, die in Hörweite sind. Und gaffen stumm, während ihre Unterkiefer wiederkäuende Seitwärtsbewegungen machen.
Keine Ahnung, wie viele Schafe in Irland auf einen menschlichen Einwohner kommen, hätte ich gerade Internetzugang als ich das notiere, würde ich nachschauen. Vermutlich fällt die Volks-/Viehzählung aber zugunsten der Schafe aus, so sehr bestimmen sie mancherorts das Bild. Hübsch sind sie übrigens, mit ihren schwarzen Gesichtern und schwarzen Beinen. Für Schafe, jedenfalls.
Wir sehen auf unseren Spaziergängen schockweise Nutzvieh, von Schafen über Kühe, Ziegen, Esel, Pferde bis hin zu Pfauen, Hühnern, Enten, Gänsen. Und Hunde, massenhaft. Und, immerhin, eine einzelne magere Katze. Ist wohl kein Katzenland, das Irland. Wildtiere begegnen uns selten, das spektakulärste ist eine Bande Hasen, die unserem ungeschulten Blick erst nach und nach auffallen: einer, nein zwei, nein drei, huch fünf, schließlich sechs. Ist ja, zugegeben, irgendwie auch der Witz bei Wildtieren, dass sie nicht jeder doofe Tourist mit bloßem Auge sofort entdeckt. Weiß schon. Ich erwähne die Hasen überhaupt nur, weil ich mir die sich bei ihrem Anblick aufdrängende Frage nicht selber beantworten kann: Warum haben die Biester, die sich doch mit einer ganzen Latte an Fressfeinden herumschlagen müssen, diesen auffälligen weißen Puschel? Ist der nicht arg signalhaft, wenn man gerade hakenschlagend auf der Flucht ist? Hilft der nicht gerade dem Jäger, einen trotz aller Haken nicht aus den Augen zu verlieren? Hey, das hier ist ein interaktives Medium. Irgendwer weiß das sicher und kann mich erleuchten. Bitte um Kommentare.

kaliban.org Aug 12 2005

by Gunnar on 12. August 2005 · 1 comment

Irisches Tagebuch, Teil 10

In the Middle of Nirgendwo II
Die Landschaft atmet kühle, torfgewürzte Luft, die unsere Lungen morgens immer wieder überrascht. Grün ist die rundumher dominante Farbe, alles saftig, kräftig, lebendig, a riot of growth*. Das Häuschen selber steht mit seinen dicken, kühlen Wänden trutzig mitten in der Landschaft, die nahe Straße ist eigentlich nur ein Feldweg, mit einer Frequenz von drei Autos, zwei Traktoren pro Tag. Links grenzt eine leere Weide an, rechts ein verwahrloster Friedhof, der Drumahillian Cemetary (in den keltischen Namen schwingt Altertum, Magie und Elfenglaube mit, selbst in den profansten Wörtern). Eine winzige Ruine duckt sich gegenüber in das Grün, eine Erinnerung und durch begonnene Arbeiten am Dach ein Versprechen. Alte Kastanien und Birken und Ahorne umstehen das Grundstück, auf dem Armeen von Disteln und Brennnesseln um die Vorherrschaft ringen. Nahe der winzigen Terrasse scheint der Kampf zugunsten der Disteln entschieden, im unwegsamen Hinterland nahe der Baumgrenze aber halten die Nesseltruppen gewaltige Reserven vor. Nur die Sense könnte dem Krieg Einhalt gebieten, aber die Sense ist alt, angeschlagen und vor allem stumpf. Und ein Schleifstein? Nicht in Sicht. Also bleibt alles so, wie es ist.

* Ein Zitat von David Gerrold. Der hat mit Irland übrigens nichts zu tun. Ich zitiere ihn nur gerne.

kaliban.org Aug 11 2005

by Gunnar on 11. August 2005 · 0 comments

Irisches Tagebuch, Teil 9

In the Middle of Nirgendwo I
Je nach eigener Position ist unser Leben im irischen Cottage ein Traum oder ein Alptraum. Kein Fernsehen, kein Internet, kein Geschirrspüler, kein Kaffeevollautomat, auf so was meint man verzichten zu können, als moderner gehetzter Mensch. Kann man natürlich nicht wirklich lange, aber egal. Für die wenigen Tage kommt man sich sehr unabhängig vor. Im Cottage aber ist die Isolation verschärft: keine Nachbarn, kein zu Fuß erreichbares Dorf, keine Shopping-Meilen, keine Post*, keine ins Haus gebrachte Tageszeitung. Gäbe es nicht das aus Dublin mitgebrachte Auto, man wäre schlicht verloren. Das Auto wächst vom simplen Fortbewegungsmittel zum Rettungsring, zur einzigen Verbindung mit der Zivilisation. Auch wenn man die vier, fünf Kilometer nach Curry, einem Kaff mit zwei Pubs, einer Kirche und einem regelmäßigen Viehmarkt, auch laufen könnte. Man beginnt, das Auto zu idealisieren und sich um sein Wohlergehen zu sorgen: Hat es genügend Sprit? War das nicht ein komisches Geräusch? Sieht der Reifen nicht ein bisschen schlaff aus?
Die Stille aber ist erstaunlich vollkommen. So absolut, dass man sie nicht mit Musik stören mag. Die Bücher gewinnen eines tagesdefinierende Wirkung: Ich lese Frisch, Gerrold, Böll, McCourt, Kästner, Cadwell/Thomason, ohne stilistische Ordnung, alles hintereinander weg, im Rausch. Das einzige mitgebrachte Magazin ist am zweiten Tag ausgelesen, das Internet nicht verfügbar, keine Tageszeitung zur Hand – die ganze schwarzweiße Konkurrenz** des Buches schlicht nicht am Start, das Buch wächst dadurch, fesselt mehr als gewohnt. Wir ertappen uns dabei, Ausflüge um Stunden aufzuschieben, um Kapitel und Abschnitte zuende lesen zu können.

* Jawohl, keine Post, kein Briefkasten. Als gestern in unserer Abwesenheit die Gaslieferung kam, legte der Fahrer die Rechnung unter einen Stein in eine Kuhle in der Hauswand.
** Was natürlich schon noch da ist: der Laptop mit PC-Spielen. Ich widme mich ernsthaft Dawn of War, besuche erneut ein paar Sehenswürdigkeiten von Half-Life 2, beginne Black Mirror. Fire Emblem 2 bleibt unangetastet liegen.

kaliban.org Aug 10 2005

by Gunnar on 10. August 2005 · 2 comments

Irisches Tagebuch, Teil 8

Freundlichkeit und Segelohren
Ein bekanntes Vorurteil über Iren lautet, dass sie bedingungslos (gast)freundlich sind. Von meiner ersten Irlandreise vor rund zwölf Jahren kann ich das nicht voll bestätigen, zu deutlich steht mir ein unangenehmer, dicker, rotgesichtiger Herbergsvater vor Augen, mit dem ich in irgendeine blöde Diskussion geraten war. Und ein Artikel in der Irish Times, der sich vehement über die unangenehme Zunahme von deutschen Gästen in den Pubs von Galway, Cork und Tralee beschwerte. Kam bei mir nicht gut an, zumal ich kurz vor der Lektüre noch ein möglicherweise typischer deutscher Gast in einem der zahllosen Galwayer Pubs war.
Diesmal kommen mir die Leute sehr nett vor, nicht aufdringlich, sondern einfach normal freundlich*. Wobei man ja aus Bayern weiß, dass es so was wie „normal freundlich“ nicht per se gibt. Vielleicht ist aber auch nur meine Haltung gelassener und mein Englisch besser als früher. Wer weiß das schon. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist, dass man in Irland wenig schöne Menschen sieht. Wie in England sind die Leute blass, irgendwie grobgesichtig, und erstaunlich häufig gibt es den prototypischen Iren mit heller Haut, Pickeln, Sommersprossen, schlechten Zähnen, rotem Haar und enormen Segelohren. Und dicke Mädchen. Die gerne beschworenen keltischen Schönheiten, mit kräftigem Kastanienhaar und grünen funkelnden Augen? Mir haben sie sich nicht gezeigt. Um ganz sicher zu sein, macht man den Franzosen-Test: Wenn man eine Gruppe schöner junger Menschen entdeckt, rasch hingehen und lauschen. Mit ziemlicher Sicherheit wird man Satzfetzen eines französischen Gesprächs aufschnappen…

* Als wir im Dubliner B&B beichten, dass wir im Bad den Handtuchhalter abgerissen haben, lächelt die Hauswirtin nur und sagt ah, it’s like Fawlty Towers here.

kaliban.org Aug 9 2005

August 9, 2005

Irisches Tagebuch, Teil 7 Aran und Achill Ein Tipp: Wenn es einen schon, aus welchen Gründen auch immer, nach dem irischen Westen verschlagen hat, sollte man schönes Wetter abpassen und von Galway nach Inishmore übersetzen, der größten der Aran Islands. Dort zeigt sich, wenn man ein bisschen Mühe mit Radfahren oder Wandern auf sich nimmt, […]

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kaliban.org Aug 8 2005

August 8, 2005

Irisches Tagebuch, Teil 6 Und nun zum Wetter Was ich über das irische Wetter sagen kann, entspringt einem winzigen Erfahrungsausriss, kaum aussagekräftiger als es zwei Standbilder für einen Film sind. Hier, im Westen und jetzt, Anfang August, ist es mild. Weder wird es so kalt, dass man mehr als eine leichte Jacke bräuchte, noch so […]

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