kaliban.org Aug 10 2005

by Gunnar on 10. August 2005 · 2 comments

Irisches Tagebuch, Teil 8

Freundlichkeit und Segelohren
Ein bekanntes Vorurteil über Iren lautet, dass sie bedingungslos (gast)freundlich sind. Von meiner ersten Irlandreise vor rund zwölf Jahren kann ich das nicht voll bestätigen, zu deutlich steht mir ein unangenehmer, dicker, rotgesichtiger Herbergsvater vor Augen, mit dem ich in irgendeine blöde Diskussion geraten war. Und ein Artikel in der Irish Times, der sich vehement über die unangenehme Zunahme von deutschen Gästen in den Pubs von Galway, Cork und Tralee beschwerte. Kam bei mir nicht gut an, zumal ich kurz vor der Lektüre noch ein möglicherweise typischer deutscher Gast in einem der zahllosen Galwayer Pubs war.
Diesmal kommen mir die Leute sehr nett vor, nicht aufdringlich, sondern einfach normal freundlich*. Wobei man ja aus Bayern weiß, dass es so was wie „normal freundlich“ nicht per se gibt. Vielleicht ist aber auch nur meine Haltung gelassener und mein Englisch besser als früher. Wer weiß das schon. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist, dass man in Irland wenig schöne Menschen sieht. Wie in England sind die Leute blass, irgendwie grobgesichtig, und erstaunlich häufig gibt es den prototypischen Iren mit heller Haut, Pickeln, Sommersprossen, schlechten Zähnen, rotem Haar und enormen Segelohren. Und dicke Mädchen. Die gerne beschworenen keltischen Schönheiten, mit kräftigem Kastanienhaar und grünen funkelnden Augen? Mir haben sie sich nicht gezeigt. Um ganz sicher zu sein, macht man den Franzosen-Test: Wenn man eine Gruppe schöner junger Menschen entdeckt, rasch hingehen und lauschen. Mit ziemlicher Sicherheit wird man Satzfetzen eines französischen Gesprächs aufschnappen…

* Als wir im Dubliner B&B beichten, dass wir im Bad den Handtuchhalter abgerissen haben, lächelt die Hauswirtin nur und sagt ah, it’s like Fawlty Towers here.

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