kaliban.org Aug 12 2005

by Gunnar on 12. August 2005 · 1 comment

Irisches Tagebuch, Teil 10

In the Middle of Nirgendwo II
Die Landschaft atmet kühle, torfgewürzte Luft, die unsere Lungen morgens immer wieder überrascht. Grün ist die rundumher dominante Farbe, alles saftig, kräftig, lebendig, a riot of growth*. Das Häuschen selber steht mit seinen dicken, kühlen Wänden trutzig mitten in der Landschaft, die nahe Straße ist eigentlich nur ein Feldweg, mit einer Frequenz von drei Autos, zwei Traktoren pro Tag. Links grenzt eine leere Weide an, rechts ein verwahrloster Friedhof, der Drumahillian Cemetary (in den keltischen Namen schwingt Altertum, Magie und Elfenglaube mit, selbst in den profansten Wörtern). Eine winzige Ruine duckt sich gegenüber in das Grün, eine Erinnerung und durch begonnene Arbeiten am Dach ein Versprechen. Alte Kastanien und Birken und Ahorne umstehen das Grundstück, auf dem Armeen von Disteln und Brennnesseln um die Vorherrschaft ringen. Nahe der winzigen Terrasse scheint der Kampf zugunsten der Disteln entschieden, im unwegsamen Hinterland nahe der Baumgrenze aber halten die Nesseltruppen gewaltige Reserven vor. Nur die Sense könnte dem Krieg Einhalt gebieten, aber die Sense ist alt, angeschlagen und vor allem stumpf. Und ein Schleifstein? Nicht in Sicht. Also bleibt alles so, wie es ist.

* Ein Zitat von David Gerrold. Der hat mit Irland übrigens nichts zu tun. Ich zitiere ihn nur gerne.

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