kaliban.org Aug 8 2005

by Gunnar on 8. August 2005 · 0 comments

Irisches Tagebuch, Teil 6

Und nun zum Wetter
Was ich über das irische Wetter sagen kann, entspringt einem winzigen Erfahrungsausriss, kaum aussagekräftiger als es zwei Standbilder für einen Film sind. Hier, im Westen und jetzt, Anfang August, ist es mild. Weder wird es so kalt, dass man mehr als eine leichte Jacke bräuchte, noch so heiß, dass eine lange Hose unangemessen wäre. Die Sonne kämpft sich täglich mindestens einmal durch die mächtigen Wolkenlandschaften, die den Himmel beherrschen, für eine Viertelstunde oder einen ganzen Nachmittag. Der Regen aber siegt genauso oft, kommt leicht, mittel oder schwer, und endet so überraschend, wie er gekommen ist. Vorläufig. Manchmal bleibt er aber auch, als Drohung im Hintergrund den ganzen Tag, die ganz Woche. Man gewöhnt sich erstaunlich schnell an die Unbeständigkeit, vielleicht, weil sie so gut zu Landschaft passt. Allgegenwärtig ist nur der Wind, Baumkronen in Ruhe zu sehen bleibt ungewöhnlich, die Oberflächen der Seen kräuseln sich ständig. Wie der Regen will der Wind aber nicht übertreiben, er deutet nur ständig seine Macht an, versucht aber keine Tyrannei. Ein Wetter zum Fußballspielen, zum Wandern, zum Zuhausebleiben, zum auf der überdachten Veranda ein Buch lesen. Nicht jedermanns Sache im Sommer, aber mir gefällt es eigentlich.

Irisches Tagebuch, Teil 5

Der Tanz auf den Straßen II
Andererseits könnte der Zustand der Straßen perfekt sein: In entlegenen Gegenden ist dennoch kein Rasen möglich, weil die schwarzfüßigen Schafe bedenkenlos und ohne Rücksicht die Straßen überqueren. Keine Ahnung, mit welchem Ziel die unterwegs sind – und wie die Besitzer hinterher eigene und zugelaufene auseinander halten. Gerne grasen die Tiere auch vom grasbestandenen Straßenrand und drängen sich dabei aus Futterneid gegenseitig auf die Fahrbahn; wer da nicht acht gibt, riskiert Schaf- und Menschenleben.
Am konsequentesten aber ist ein schwarzbrauner Ziegenbock, der mitten kurz hinter Achill Sound in einer Kurve auf dem sonnenwarmen Asphalt ein Nickerchen halten will. Als unser Wagen knarrend vor ihm zum Stehen kommt, wirft er uns nur einen kurzen, wiederkäuenden Blick zu. Und bleibt so hartnäckig sitzen, dass wir mit zwei Rändern in den Graben müssen, um ihn zu umkurven. Erst als wir schon fast vorbei sind, springt er auf und rennt wie angestochen davon. Mit unbekanntem Ziel, querfeldein.

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