November 2005

Schuhe aus.

by Gunnar on 30. November 2005 · 14 comments

Neulich wurde ich doch tatsächlich bei einem Wohnungsbesichtigungstermin aufgefordert, die Schuhe auszuziehen.

In Strümpfen mit Fremden (Maklern!) umherzulaufen ist ekelhaft intim. Das ist ja schon bei guten Bekannten oder Freunden eine Zumutung.

Ich erinnere mich, dass man auch bei den Müllers (das sind die Eltern von
Thomas) am Eingang seine Schuhe ausziehen musste.

Rückblickend frage ich mich, ob das nur Kinder machen müssen (mein letztes Mal war mit ca. 26) oder ob Thomas’ Eltern auch 58jährige Zahnarztfreunde dazu auffordern, die Strümpfe zu präsentieren.

Grundsätzlich fühle ich mich von diesen Schuhhausziehern verfolgt. Bei jedem dritten Geschäftsessen in unserer Agentur schlägt mein Chef ein thailändisches Restaurant vor. Im hinteren Bereich sitzt man total gemütlich ohne Schuhe…

Ich bin überzeugt, dass es eine geheime Absprache all derer Menschen gibt, die keine stinkenden Füße haben. Sie wollen alle anderen bloßstellen, so oft sie eben können.

Und nein, meine Damen und Herren Ikeakatalog, es ist KEIN Zeichen von Gemütlichkeit, barfuss herumzulaufen. Auch dann nicht, wenn das tolle neue Laminat so schön fußwarm ist. Wenn ich gemeinsam unbekleidet sein möchte, geh ich zum FKK oder in den Swinger Club.

Höhere Gewalt.

by Gunnar on 29. November 2005 · 8 comments

NEIN, natürlich kann die arme RWE nichts dafür, dass ihre Strommasten umkippen. Schließlich hat es überraschenderweise geschneit. Und, seien wir ehrlich, daran ist doch eher Gott schuld.

Warum sollten überhaupt die Stromlieferanten für Stromausfallschäden aufkommen? Nur weil sie sich dank der im weltweiten Vergleich horrenden Energiepreise Rücklagen angefressen haben, mit denen sie die entstehenden Kosten von zwei bis drei Kernschmelzen in ihren Atomkraftwerken bar bezahlen könnten? Nur weil das Argument für besagte hohe Kosten die tolle und sichere Versorgung der Kunden war?
Nee, da wollen wir doch mal nichts überstürzen und die Ergebnisse aus den Untersuchungskommissionen abwarten. Die bekommen dann auch die besten Experten und Gutachten — dafür wird die RWE bestimmt gerne die Kosten übernehmen.

Wer ist Deutschland?

by Gunnar on 28. November 2005 · 30 comments

Hm. Die Aufregung über die leicht absurde Du bist Deutschland-Kampagne ist ja schon wieder verebbt, ich möchte dennoch rasch abschließend auf den Beitrag des geschätzten Herr E. zu diesem Thema verweisen. Klicke, wem Geklick gegeben.


Die Frau, ihr Gesicht, die Erinnerung

by Gunnar on 27. November 2005 · 11 comments

Herr Kaliban fragt sich: “Ist es das Alter, ist es die Komplexität der Welt, ist es Mangel an Konzentration?”

Mir verschwimmen Erinnerungen, wenn ich sie nicht sofort durch Aufschreiben stütze oder so lange im Kopf wälze, bis sie sich einigermaßen verfestigt haben. Ich behalte von Treffen nur Fetzen, Gesichter, Wörter, schwache Bilder. Vergesse, dass ich Menschen schon begegnet bin, Filme schon gesehen, Bücher schon gelesen habe. Der einzige Ausweg — ich nehme mir sofort vor, davon zu erzählen, dann entwickle ich Formulierungen, die mir dann bleiben, auch wenn der Erzählgegenstand schon fast verblasst ist. Absurd, wie das Hirn arbeitet. Menschen mit einem absoluten oder wenigstens fotografischen Gedächtnis müssen wie Götter sein, immer überlegen, nie unsicher, perfekt.

[click to continue…]

Gespräche im Dunkeln

by Gunnar on 26. November 2005 · 8 comments

Das Vierte.

by Niklas on 25. November 2005 · 8 comments

GUNNAR: Um mal ausnahmsweise quasi-philosophisch zu werden: Das Leben ab 30 ist ein weiches Grab. Klar, das Geld, das Auto, die DVD-Sammlung. Klar, die akkumulierte Lässigkeit. Klar, das Sicherheit gebende Wissen um das, was geht. Klar, der angenehme Rückblick auf Geschafftes. Aber, ach, fort ist so viel von dem Elan, gekommen sind so viele kleine Kompromisse. Fort ist das schöne Gefühl uneingelösten Potenzials, fort die Sicherheit, die als Gratiszugabe mit einer gewissen ideologischen Verblendung kommt. Fort die subjektive Freiheit und Verantwortungslosigkeit des Studentenlebens, fort das Gefühl, so viel Zeit zu haben.

THOMAS: Ach was. Wenn ich wollte, könnte ich mir einen Schnäuzer wie Kevin Costner in Dances with wolves stehen lassen – und es sähe gut aus. Wenn ich auf ‘ner Party aus der Flasche Bier trinke, bin ich echt lässig. Wenn ich ab und zu Anzug trage, sieht es nicht aus, als wollte ich zum Examensball. Wenn ich Geschäftsreisen ins Ausland unternehme, geht das mit einem gewissen inneren Selbstverständnis einher – und nicht einem Herzschlag von 120. Wenn ich auf der Arbeit sage, dass ich mit irgendwas Erfahrung habe, meine ich damit nicht, es erst einmal gesehen und noch nie gemacht zu haben. Wenn ich mit Freunden zusammen sitze, kann ich die Seele baumeln lassen und die Welt nicht nur in schwarz-weiß sehen. Wenn mich 15jährige nach etwas fragen, werde ich gesietzt und kann zurückduzen – ohne dass das komisch ist. Und klar, der Elan, die Kompromisse, das Feuer, die nachlassenden Drüsen – aber ehrlich gesagt, manchmal ist auch das ganz angenehm…

NIKLAS: Während Gunnar ja inzwischen regelmäßig philosphisch wird (persönliche Assistenten übernehmen seine Arbeit, die Ehefrau kümmert sich ums heimische Personal, da sucht sich der Geist eben Beschäftigung…) und Thomas begeistert feststellt, wie erwachsen sein geht, fühle ich mich mit zunehmendem Alter unwohl.
Zwar ist die “Zahl vor dem Komma” (wie es ein bedeutender deutscher Wortschreiber einmal nannte) bedeutungslos, nichtsdestotrotz gibt es aber mit einem mal nur noch drei mögliche Zustände: “im Plan” oder “hinterm Plan zurück” oder “kein Plan”.
Und hier liegt die wahre Tücke des vierten Lebensjahrzehnts — “kein Plan” ist irgendwie keine Option mehr. Irgendwie Mist.

Kaliban 3.0

by Gunnar on 24. November 2005 · 17 comments

Oh. Alles neu. Und doch alles noch am Platz. Willkommen bei Kaliban 3.0 — neuer Look (Alternativ-Skin oben neben dem Logo, weitere folgen), ein paar neue Features*, viele kleine Verbesserungen** und…
…ab jetzt ein Grouplog. Wie aus der wirwir.wir-Subseite hervorgeht, posten hier jetzt drei Leute: Gunnar Lott wie bisher, dazu die Herren Niklas Franke und Thomas Müller. Da wir bei den meisten Themen tendenziell unterschiedlicher Meinung sind, sollte die ganze Angelegenheit einigermaßen spannend werden. Erster gemeinsamer Beitrag morgen.

* RSS-Feed ganz unten, am Ende der Seite
** An Mo: Das Archiv zeigt jetzt nicht mehr vorab gepostete Beiträge. Endlich.

Es sprach Lady Macbeth

by Gunnar on 23. November 2005 · 2 comments

The raven himself is hoarse
That croaks the final entrance of Duncan
Under my battlements. Come, you spirits
That tend on mortal thoughts, unsex me here,
And fill me from the crown to the toe top-full
of direst cruelty. Make thick my blood,
Stop th’ access and passage to remorse
That no compunctious visitings of nature
Shake my fell purpose, nor keep peace between
Th’ effect and it. Come to my woman’s breasts
And take my milk for gall,
you murd’ring ministers,
Whatever in your sightless substances
You wait on nature’s mischief. Come, thick night,
And pall thee in the dunnest smoke of hell,
That my keen knife see not the wound it makes,
Nor heaven peep through the blanket of the dark,
To cry “Hold”, “Hold”


[William Shakespeare, The tragedy of MacBeth]

Keine Ahnung, warum ich das gerade gepostet habe. Hatte einen Retro-Moment, einen Rückfall in meine Shakespeare-Junkie-Phase. Oder so. Eklatant schöner Text.

They don’t want me, selber schuld

by Gunnar on 22. November 2005 · 21 comments

Es ist getan. Ich habe dich verlassen. Das Licht erscheint heller, mein Kopf fühlt sich leichter an. Ich verweile auf meinem Weg an einer Hecke, ein Vogel lässt sich auf meiner Schulter nieder und singt ein Lied, das ich einst träumte. Das warme Gefühl in meinem Magen grenzt ans Postkoitale. Es ist vorbei.
Dabei war es am Anfang ganz vielversprechend. Lebe, ich kümmere mich um die Details, hattest du mich gelockt. Aber ach, es kam anders. Deine katastrophale Beratung, deine aufdringliche Art, zu werben — Du hast dich bei einem Gespräch sogar der Adresse meiner Frau bemächtigt und sie mit deinen Angeboten belästigt — deine an Stumpfheit grenzende Unflexibilität, deine miserablen Öffnungszeiten, dein offenbar von Irren zusammengestöpeltes Online-Angebot, dein mittelmäßig ausgebildetes Personal, alles kam zusammen.
Doch ich, ich bin nicht irgendein Kunde — ich bin der gefürchtete eigensinnige Kunde. Ich lasse mir nicht alles bieten, jedenfalls nicht jahrelang. Ich bin der, der erst lange nichts sagt und sich stumm ärgert, der dann tatsächlich irgendwann Radau macht, merkt, dass das nichts nutzt und schließlich die Marke wechselt. Und nie, nie mehr zurückkehrt. Und dann noch versucht, möglichst viele Leute zu überzeugen, dasselbe zu tun. So war es mit Arcor, so war es mit der Telekom, so war es mit Barclays, und so ist es auch mit dir, liebe HypoVereinsbank. Das war’s jetzt. Ich bin weg. Ich habe eine neue.

Bifi und die Vogelgrippe

by Gunnar on 21. November 2005 · 12 comments

Hm. Ist das Thema Vogelgrippe nicht noch einigermaßen präsent? Ist das wirklich der schlaueste Zeitpunkt für die Markenverantwortlichen von Bifi, die Geschmacksrichtung »Geflügel« einzuführen? Oder sind die Preise für Schweinrindschaf-Pressfleisch gestiegen und die für Putehuhnspatzgans-Pressfleisch gefallen, so dass sich die Sache auch bei mäßigen Abverkäufen lohnt?

Die Damenwelt in ihrem natürlichen Habitat

November 20, 2005

Ich stehe möglichst nonchalant an irgendwas gelehnt vor der Reihe Umkleidekabinen in der Frauenzone und warte, warte, warte bis die Liebe meines Lebens etwas vorführen, etwas enger Ausfallendes ordern oder etwas ganz anderes will. Bin bis zur Zuteilung einer Aufgabe (Guck mal, steht mir das?) quasi nichtexistent und in diesem Bereich ein vollkommener Fremdkörper. Damenschweiss, […]

Read the full article →

Männer. Und Frauen. Ach.

November 19, 2005

War einkaufen. War typisch. Mitgehörtes Gespräch Nr. 1: Mann 1: Hm. Die Jacke oder die? Frau 1: Das kann ich nicht für dich entscheiden. Ich sage nur, die da passt zu deinen restlichen Klamotten. Mann 1: Hm. Frau 1: Ich gehe jetzt in die Damenabteilung. Mann 1: Äh. Halt. Wegen der Jacke… Mitgehörtes Gespräch Nr. […]

Read the full article →