GUNNAR: Um mal ausnahmsweise quasi-philosophisch zu werden: Das Leben ab 30 ist ein weiches Grab. Klar, das Geld, das Auto, die DVD-Sammlung. Klar, die akkumulierte Lässigkeit. Klar, das Sicherheit gebende Wissen um das, was geht. Klar, der angenehme Rückblick auf Geschafftes. Aber, ach, fort ist so viel von dem Elan, gekommen sind so viele kleine Kompromisse. Fort ist das schöne Gefühl uneingelösten Potenzials, fort die Sicherheit, die als Gratiszugabe mit einer gewissen ideologischen Verblendung kommt. Fort die subjektive Freiheit und Verantwortungslosigkeit des Studentenlebens, fort das Gefühl, so viel Zeit zu haben.
THOMAS: Ach was. Wenn ich wollte, könnte ich mir einen Schnäuzer wie Kevin Costner in Dances with wolves stehen lassen – und es sähe gut aus. Wenn ich auf ‘ner Party aus der Flasche Bier trinke, bin ich echt lässig. Wenn ich ab und zu Anzug trage, sieht es nicht aus, als wollte ich zum Examensball. Wenn ich Geschäftsreisen ins Ausland unternehme, geht das mit einem gewissen inneren Selbstverständnis einher – und nicht einem Herzschlag von 120. Wenn ich auf der Arbeit sage, dass ich mit irgendwas Erfahrung habe, meine ich damit nicht, es erst einmal gesehen und noch nie gemacht zu haben. Wenn ich mit Freunden zusammen sitze, kann ich die Seele baumeln lassen und die Welt nicht nur in schwarz-weiß sehen. Wenn mich 15jährige nach etwas fragen, werde ich gesietzt und kann zurückduzen – ohne dass das komisch ist. Und klar, der Elan, die Kompromisse, das Feuer, die nachlassenden Drüsen – aber ehrlich gesagt, manchmal ist auch das ganz angenehm…
NIKLAS: Während Gunnar ja inzwischen regelmäßig philosphisch wird (persönliche Assistenten übernehmen seine Arbeit, die Ehefrau kümmert sich ums heimische Personal, da sucht sich der Geist eben Beschäftigung…) und Thomas begeistert feststellt, wie erwachsen sein geht, fühle ich mich mit zunehmendem Alter unwohl.
Zwar ist die “Zahl vor dem Komma” (wie es ein bedeutender deutscher Wortschreiber einmal nannte) bedeutungslos, nichtsdestotrotz gibt es aber mit einem mal nur noch drei mögliche Zustände: “im Plan” oder “hinterm Plan zurück” oder “kein Plan”.
Und hier liegt die wahre Tücke des vierten Lebensjahrzehnts — “kein Plan” ist irgendwie keine Option mehr. Irgendwie Mist.
GUNNAR: Um mal ausnahmsweise quasi-philosophisch zu werden: Das Leben ab 30 ist ein weiches Grab. Klar, das Geld, das Auto, die DVD-Sammlung. Klar, die akkumulierte Lässigkeit. Klar, das Sicherheit gebende Wissen um das, was geht. Klar, der angenehme Rückblick auf Geschafftes. Aber, ach, fort ist so viel von dem Elan, gekommen sind so viele ...