Ha-Ha-Ha-Ha-Es-Vau

by Gunnar on 18. Februar 2006 · 8 comments

Ich war ja früher HSV-Fan. Ging nicht anders. Es gab zu viele Bayern-Anhänger in der Klasse, meist Unsympathen. Und die Hamburger waren damals, in der Zeit als meine Prägung stattfand, bärenstark, hatten tolle Trikots. Und eine unglaubliche Mannschaft: Peter Nogly, Rudi Kargus, Kevin Keegan, Felix Magath, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Jimmy Hartwig, alles Helden, dazu Netzer als Manager und Zebec als Trainer. Und prompt wurden sie 1979 Meister, für mich als frisch gebackenen Fan mit 10 Jahren natürlich das Größte. Gottseidank wurden mir nicht alle Wünsche nach Fanartikeln erfüllt — sonst wäre ich komplett in Blau herumgelaufen, übersät von Rauten. Ach. Ich hab’ auch noch diesen albernen Song im Ohr: Wer wird deutscher Meister? Ha-Ha-Ha-Ha-Es-Vau. Uh. Ich hatte damals natürlich keine ästhetischen Bedenken, sondern sang aus voller Kehle mit. Ha-Ha-Ha-Ha-Es-Vau! Das mit dem HSV blieb mir, durch die goldenen Anfangsjahre der 80er hindurch: zwei Meisterschaften unter dem großartigen, großartigen Ernst Happel, Europapokalsieger der Landesmeister nach dem tollen Magath-Tor. Dann wurde es irgendwie mau beim HSV, der Glanz verblasste, und ich, ich gewann an Distanz.

Zu Beginn der 90er wurde mir der HSV zunehmend peinlich, plötzlich fiel mir auf, wie unendlich viel cooler es war, Fan des FC St. Pauli zu sein. Fragte mich, warum ich jahrelang einem Bonzenclub nachgerannt war. Meine Vorlieben begannen zu wechseln, von Saison zu Saison, Freiburg, Bremen, Gladbach, je nachdem, wer gerade den attraktivsten Fußball spielte. Fan in eigentlichen Sinne des Wortes war ich nicht mehr.
Nur der Abscheu gegen die Bayern ist bis heute geblieben. Und eine halbsympathische Gurkentruppe wie Hannover “unterstütze” ich auch nur deshalb moralisch, weil ich das als Abgrenzung brauche — schließlich lebe ich als Niedersachse in München, Bayern. Und bin damit geschlagen, dass einzige Kollege mit niedersächsischen Wurzeln ausgerechnet zu Wolfsburg hält — und mir somit in dieser Beziehung keine Hilfe ist.
Und die Faszination für die Prolls von 1860, wie sie viele Münchner hegen, hat sich mir bislang nicht erschlossen. Muss ich noch dran arbeiten, schließlich sollte ich, sollte ich mal einen Sohn bekommen, überzeugend in der Lage sein, zu verhindern, dass er Bayern-Fan wird. Das heißt vermutlich: viele Sonntagnachmittage in der halbleeren, leicht unterkühlten Arena, um die Löwen gegen LR Ahlen oder den FC Saarbrücken kicken zu sehen.

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