April 2006

Alle Erfolgsserien müssen mal enden. Nachdem die Herren von Nin Ten Do in letzter Zeit nahezu beispiellos oft hintereinander nachvollziehbar richtige Entscheidungen getroffen haben (zuletzt DS Lite und Gehirn-Jogging), konnte nun endlich mal wieder die in jeder Firma vorhandene Fraktion der Marketingschwätzer die Oberhand gewinnen. Das Resultat: Die kommende Konsole heißt jetzt Wii statt Revolution. Argh. Das alberne Kunstwort (bei dem ich sofort an Intels Viiv denken muss, das auch kein Mensch freiwillig sagt) soll an das englische We erinnern. Aha. Und warme Wii-Gefühle auslösen. Und von allen Menschen auf der Welt gleichermaßen verstanden werden. Uh. Letzteres mag klappen — Wii ist in jeder Sprache abstrakt und bedeutungsfrei, also werden alle potenziellen Käufer weltweit gleichermaßen auf eine lokale Variante von Das neue Ding von Nintendo, bitte. Das, das früher Revolution geheißen hat. ausweichen. TCFKAR, sozusagen. Und die offizielle Webseite legt denn auch gleich nahe, dass man jetzt nicht mehr abkürzen müsse — vermutlich hat den Marketiers schwer im Magen gelegen, dass die so genannten Coregamer immer von GC oder NGC sprachen, anstatt hübsch GameCube zu sagen, was auch Otto N. Ormalverb-Raucher verstanden hätte. Was dann sicher für immens höhere Verkäufe gesorgt hätte. Bestimmt.
Naja, egal. Revolution ist noch nicht so verankert, dass die fette Werbekampagne zum Start des Wii das nicht aufholen könnte. Schade isses trotzdem, denn ich fand den alten Namen sehr passend. Und bin ohnehin gegen Kunstwörter, die funktionieren meist nicht.

wii

Post Moderne

by Gunnar on 24. April 2006 · 17 comments

Nicht genug der Unsitte, auf T-Shirts bezuglose Wörter wie University Athletics oder Raw Denim zu schreiben. Nicht genug der Verschlammung der öffentlichen Räume durch sinnfreie Botschaften auf Tafeln, Plakaten, Schildern, die die magische Macht von Wörtern zerstören, sie zu beliebigem Allerweltsgut machen, verdorben und missbraucht. Ein Rhinophym ins Gesicht denen, die uns Fallen stellen, aus verbogenen Wörtern, geschändeten Sätzen. Achwas, Rhinophym, fast zu harmlos, ein veritables Rhinosklerom ist solchen Menschen zu wünschen.
Naja, ich nehme an gegen die größeren Sünden des Wörtermissbrauchs ist schon fast charmant, dass auf meinem Fahrrad ohne Angabe von Gründen die Wörter Life Fun, cozy, S.T.B. Project stehen. Dazu, quasi als Höhepunkt, auf der Stange des Sattels Post Moderne. Einfach so. Ach, diese Welt.

Willy 2017

by Gunnar on 17. April 2006 · 19 comments

Die SPD offenbart, bei der Besetzung ihrer Führungspositionen und auch sonst, ein strukturelles Defizit — eine Partei mit einer solche Tradition braucht Emotionen. Links ist eben da, wo das Herz sitzt. Wer aber soll die großen Gefühle transportieren? Sigmar Gabriel, der nichts mehr ähnelt als einem bunten Luftballon? Kurt Beck, der Kohl der SPD — bärtig, bärig, funktionärig? Peer Steinbrück, der Prototyp des arroganten Beamten? Ach, das Elend.

Also muss ein Masterplan her. Die Partei braucht einen neuen Brandt. Und da der nicht in Sicht ist, muss er erschaffen werden. Ich stelle mir das so vor: Ein Gremium von hochrangigen Strippenziehern, darunter Kurt Beck, Michael Machnig und Franz-Walter Steinmeier, entwirft das Projekt Willy 2017. Dazu guckt man sich unter den Würdenträgern der Jusos einen aus, der schon ein kleines Amt hat, aber nicht zu kompromittiert durch die Macht ist. Dann, nun, Arbeiterbackground ist schon wichtig. Gute Ausbildung auch, aber nicht zu gut, das sieht nach Strebertum aus. Kann ruhig ein bisschen Außenseiter sein, sollte aber alle sozialdemokratischen Rituale drauf haben, Brüder, zur Sonne und so. Anfang 30 wäre gut, dann hat er schon einige Flausen aus dem Kopf. Soll ruhig ein bisschen verwackelt rumlaufen, wuschelige Frisur zum Beispiel, weiter Mantel, nicht zu perfekt, nicht zu jugendlich. Braucht irgendeine Eigenart, etwas Markenzeichenhaftes, einen leichten Akzent zum Beispiel. Norddeutsch vielleicht, das ist konsensfähig. Selbstverständlich darf und soll er sich spektakulär zu aktuellen Themen äußern, aber nicht einfach so — statt dessen füttert ihm die Parteispitze geheime Strategiepapiere und lässt ihn Dinge anstoßen, die man gerne angestoßen haben will. Erst er, dann springt Beck drauf, lobt den jungen Kollegen und führt die Sache aus. Natürlich kommt ein Life Coach zum Einsatz, Rhetoriktrainer, Typberatung et cetera. Ein eigener Stab direkt unter Beck sekundiert dem neuen Willy, bis jeder in der Partei und den Medien gecheckt hat, dass er das größte politische Talent der SPD seit Kurt Schumacher ist.
Strengste Geheimhaltung ist natürlich vonnöten, aber, hey, die Sache kann nicht schiefgehen, wenn man einen einigermaßen präsentablen Typen und hellen Kopf erwischt. Warum genau passiert sowas eigentlich nicht? Warum überlassen die Parteien die Sache mit dem Führungsnachwuchs weitestgehend dem Zufall und den Standardmechanismen? Das Resultat ist doch überall in seiner ganzen Kläglichkeit zu sehen: arrogante Egomanen, blasse Funktionäre, beleibte Schnauzbartträger. Ach, das Elend.

GTA Munich City

by Gunnar on 16. April 2006 · 35 comments

English version of one of GameStar’s better parody videos. Watch and share! Also playing on Google Video and YouTube.

Bella Italia

by Gunnar on 12. April 2006 · 11 comments

Ganz schön absurd, wenn eine Regierung, die die Wahl ausgerichtet hat, der Opposition Wahlbetrug vorwirft. Ganz schön absurd auch, wenn ein Premier, der die Wähler der Opposition öffentlich als Volldeppen bezeichnet hat, nun anregt, den »Hass im Land« zu überwinden. Früher hätte man solche Leute an der nächsten Laterne aufgehängt.

Endlich: Ich habe auch eine!

by Gunnar on 11. April 2006 · 18 comments

Halbwertszeit

by Gunnar on 10. April 2006 · 10 comments

Was ist denn eigentlich mit der SPD los? Früher ist man als SPD-Vorsitzender im Amt gestorben (Schumacher, Ollenhauer) oder hat wenigstens eine ganze Weile durchgehalten, ehe man abgesägt wurde oder aufgegeben hat. Heute haben wir schon den vierten Kandidaten in Folge, der das Amt von sich aus, ohne allzu große Not, nach kurzer Zeit niederlegt. Macht das denn keinen Spaß? Ist die Basis nicht nett? Riechen die Funktionäre schlecht? Merkwürdig, das alles.

Killdeadthestupid

by Gunnar on 9. April 2006 · 11 comments

Ich meine nicht, dass man alle doofen Leute erschießen sollte, aber, nun ja, vielleicht könnte man einfach die Warnhinweise von allen Waren entfernen und warten, bis sich das Problem von selbst löst. Ahem.

3:0

by Gunnar on 8. April 2006 · 11 comments

juhu!

Alle Vögel sind schon da

by Gunnar on 6. April 2006 · 9 comments

Das Streiflicht in der heutigen SZ streift, in seiner streiflichtigen Art, die Tatsache, dass deutsche Büroartikelfirmen relativ oft Vogelnamen haben. Klingt doof, ist aber so: Uhu (Klebstoff), Pelikan (Füller), Adler (Schreibmaschinen), Marabu (Farben). Warum das so ist, bleibt unbeantwortet. Hätte ich aber gerne gewusst — eine Mode der 20er Jahre? Ein subtiler Hinweis auf ein Kartell? Ach, die Rätsel des Alltags.

Truth / Not Truth

April 5, 2006

»Everyone seems so eloquently bored«, singen Boysetsfire auf ihrer vermutlich tollen neuen Platte, über die ich nach zehn Mal hören immer noch keine definitive Meinung habe. Was mich zur Medienkritik bringt. Worauf ich aber heute mal keine rechte Lust habe. Daher nur kurz der gedankengesprungene Hinweis, dass V for Vendetta ganz großartig ist, wenn man […]

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