Juni 2006

Kunze

by Gunnar on 27. Juni 2006 · 8 comments

Ich vergesse es zuweilen, aber dann springt der iPod im Shuffle auf ein altes Lied und da ist es wieder: Heinz Rudolf Kunze ist ein brillanter Texter. Wenn nur die Musik nicht so… …und der Typ… ach egal. Muss jetzt, missionarstriebhaft, zwei, drei Textzeilen mit der geschätzten Leserschaft teilen. Sorry.

In nichts war ich gut. Außer in Angst. Das kann man nicht lernen, das hat man.

Ich hatte Sex mit Hitler
er hat gut bezahlt
vorher hat er mich von Kopf bis Fuß
schwarz angemalt
ich war sein Berlin
hat er sich vorgestellt
sein Großdeutschland sein Europa
seine ganze Welt

Wäre ich ein Tänzer,
dann wählte ich die Lähmung.
Wäre ich ein Sänger,
dann wählte ich den Schrei.
Bleiben von der Gegenwart
wird nichts als die Beschämung:
So ist es gewesen.
Ich war hemmungsvoll dabei.

Schläfst Du jetzt mir mir, bevor ich wegfahr,
damit ich nicht vergesse, wie das ist?
Damit sich jede andere Berührung
an Deiner Kenntnis meiner Haut bemisst?

Okay, okay. Bin ja schon fertig. Die, die betreten zu Boden geschaut haben, weil der Herr Kaliban einen schnauzbärtigen 80er-Jahre-Schlagersänger lobt, können jetzt weitermachen. So sie noch hier sind — im Internet ist man ja heutzutage so flüchtig. Ein falsches Wort, husch, schon klicken sie auf ihren Porno-Tab und sind weg. Schlimm.

Ich würde ja nicht so weit gehen…

by Gunnar on 26. Juni 2006 · 10 comments

…zu behaupten, dass die italienische Nationalmannschaft unfair spielt, aber — das war eine Schwalbe. Frechheit. Naja, man muss ja, folgt man dem gängigen Vorurteil, schon froh sein, wenn die nicht bereits bei der Nationalhymne umfallen und Freistoß fordern. Oder so. Ach. Ich bin nur vergrätzt, weil ich Karten für’s Viertelfinale habe und lieber Australien gesehen hätte. Pech. Was bleibt: Hopp Schwiiz!

empfehlung an die jugend

by Gunnar on 26. Juni 2006 · 7 comments

behaltet eure hobbys! nichts ist toller als jugendträume im alter.
plötzlich kann man JEDE neue konsole jederzeit kaufen. sogar ein gizmondo
wenn es sein muss. und mama muss nichts davon erfahren!

man kann sich alles leisten. carrera oder H0 oder videospiele oder
pferde oder lesen oder schwimmen. ALLES ist spätestens ab 30 total
einfach zu finanzieren. nur idioten wechseln nach der pubertät auf
frustrierende hobbies wie häuser, autos oder boote!

in diesem sinne und mit einem neuen ds lite grüßt: euer niklas!

ps: ärgerlicherweise behauptet dr. kawashima, mein hirn sei 38…

forza fußball, forza digitalkamera!

by Gunnar on 25. Juni 2006 · 3 comments

ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich kann mit fug und recht behaupten, dass ich zwei der fünf schlechtesten wm-spiel der vorrunde live gesehen habe!

wärend mich bei schweden vs. tobago noch die jungfräuliche begeisterung (“please stand for the national anthem of …”) und das jedesmal großartige westfalenstadion durch die partie trugen, hatte ich bei tschechabartige aufgeberien gegen itawenn sonst keiner will gewinnen halt wirlien genügend zeit, mir die übrigen stadionbesucher näher anzuschauen. es gibt ca. fünf gruppen:

gruppe eins und zwei sind die jeweiligen tatsächlichen fans und landsleute der combatanten. von weit her gereist. kein wort gegen die (außer gegen die tschechen, die sich genauso wenig aufbäumen wie ihre gurkentruppe).

gruppe drei bilden die preisausschreibengewinner, gruppe vier sind die vips, die mit fleischerei krause zur wm gehen und danach mehr wurst bestellen. kein wort über die.

gruppe fünf ist wie ich: ticket gekauft, egal wer spielt. einfach mal wm live schaun. und deutsch.

und da stehen (sitzen!) wir dann und wollen für tschechien sein (oder italien, wenn was in der sozialisierung schief gelaufen ist). leider verstehen wir nicht was die “richtigen” fans singen… “hopp hopp hopp” – aber was davor und was danach? man schreit ein wenig mit und nuschelt an den entscheidenen stellen. das alkoholfreie anheuser busch ist da auch wirklich keine hilfe.

aber zum glück haben wir unsere kamera mit. TOR ITALIEN! BENGALISCHE FEUER (ok, eins) BRENNEN! und die ganze bande dreht sich zur tribüne, um die total tolle wm-stimmung festzuhalten. mit toternster miene. fremdfeiern. danach gehts zurück nach hause. aber die stimmung war schon geil.

ps: gruppe sechs sind übrigens die jungs, die die fifa auf die plätze setzt, die zwar von fleischerei krause gekauft wurden aber auf denen trotzdem niemand sitzt…

Anmerkung von Gunnar: Generell ist es, bei Zugehörigkeit zu Gruppe 5 (oder auch 4), schwierig, ein Team zu adoptieren. Bei England gegen Paraguay war es leicht, mitreißend die englischen Fans, leicht verständlich ihre Gesänge. Obwohl man natürlich drauf achten muss, bei nicht versehentlich bei antideutschen Zeilen (“5-1 – and even Heaskey scored”) mitzusingen. Bei Mexico gegen Iran, nun, für wen hätte ich da sein sollen? Iran, den atomaren Außenseiter, bei dem immerhin ein paar bekannte Bundesliganasen kicken? Oder Mexico, ein Team, zu dem ich überhaupt keinen Bezug habe? Knifflig. Und egal sein kann’s einem auch nicht — ohne Ergebniswunsch ist es kein Fußball. War dann irgendwie enttäuscht als Iran zusammengebrochen ist. Und auch wieder nicht. Naja.

Thought for the day

by Gunnar on 17. Juni 2006 · 7 comments

Sowieso gibt es die einfachen Wahrheiten nur im Wunsch und in der Wut.

…schrieb heute, hübsch auf den Punkt, Birk Meinhardt in der SZ.

Die hilflose Debatte

by Gunnar on 16. Juni 2006 · 9 comments

deutschland flagge

Huh. Schwarz-Rot-Gold überall. Fahnen an Autos, über Schultern, auf Gesichter gemalt. Deutschland berauscht sich an der WM und seiner Nationalmannschaft. Und? So what. Ist das schlimm? Unnormal? Ein Beginn eines neuen Nationalismus? Achwas. Die Deutschen sehnen sich nach einer gewissen Unverkrampfheit, wollen auch mal einfach grundlos stolz sein auf ihr altes müdes Land, das allenthalben schlecht geschrieben wird. Die Bedenkenträger in den Feuilletons sind da keine Hilfe mit ihrer hilflosen Debatte darüber, ob das nun schlimm oder normal ist. Idiotisch. Recht hat wie immer und jedes Mal Kurt Tucholsky (generell rechter Gesinnung unverdächtig), der bekanntlich warnte, dass man den Patriotismus nicht den Nationalisten überlassen dürfe. Und folgendes schrub:

“Es besteht kein Grund, vor jedem Fleck Deutschlands in die Knie zu sinken und zu lügen: wie schön! Aber es ist da etwas allen Gegenden Gemeinsames – und für jeden von uns ist es anders… nein, wer gar nichts andres spürt, als dass er zu Hause ist; dass das da sein Land ist, sein Berg, sein See – auch wenn er nicht einen Fuß des Bodens besitzt … es gibt ein Gefühl jenseits aller Politik, und aus diesem Gefühl heraus lieben wir dieses Land.”

Obwohl, wenn schon, dann richtig. Nicht so.

Ob’s was nutzt?

by Gunnar on 8. Juni 2006 · 19 comments

The US begin to hate Bush.

Augen auf beim Autokauf

by Gunnar on 6. Juni 2006 · 19 comments

Da die gierschlundige Autoindustrie unverantwortlicherweise jedem jedes Auto verkauft, ohne drauf zu achten, ob Wagen und Käufer zusammenpassen, muss ein Forderungskatalog her. Wir, die Militanten Ästheten, müssen energisch für eine Umwelt ohne Stilverbrechen einstehen, sonst sind wir mit 40 ergraut und abgestumpft.

Also:

1. Wenn jemand ein Auto kaufen will, muss das Autohaus ein Foto vom potenziellen Käufer im Auto schießen. Und es dem Käufer zeigen. Das allein sollte schon die schlimmsten Sünden verhindern, wie Männer über 30 und 1,80 in Smarts.
2. Sollte der männliche Käufer so ignorant sein, nicht zu bemerken, dass er im Auto lächerlich aussieht, muss das Foto drei beliebigen Frauen in der Innenstadt gezeigt werden, die sich dazu zu äußern haben. Bei weiblichen Käufern ist es umgekehrt. Bei Singles kann noch der beste Freund bzw. die beste Freundin hinzugezogen werden, dem/der notfalls eine Wahrheitsdroge verabreicht werden muss.
3. Außerdem muss das Autohaus die Relative Coolnesstm von Käufer und Auto schätzen — und bei Abweichungen von mehr als 20 Prozent den Verkauf verweigern. Nur so ist es zu verhindern, dass 19jährige Milchbubis mit Papas Kohle 5er Coupés kaufen. Oder dass 1,60 große Frauen im Businesskleid hinter dem Steuer von Porsche Cayennes auftauchen. Andersrum geht es nicht an, dass sich eine bildhübsche, lässige Frau unter 30 ein grässliches Frauenauto Marke Ford Ka aufschwatzen lässt. Oder so.

Blau.

by Gunnar on 6. Juni 2006 · 13 comments

sandra. in blau.

File under: Die Liebe meines Lebens.

Das C in unserem Namen

by Gunnar on 5. Juni 2006 · 15 comments

CDU-Nachwuchspolitiker sehen aus, als hätten sie keinerlei Bartwuchs schrieb der brillante Kurt Kister sinngemäß neulich in der SZ-Wochenendbeilage. Das ist hübsch beobachtet, erstaunt mich aber immer wieder: Gerade der Nachwuchs von FDP und CDU, oft zu finden in Vereinigungen wie RCDS oder LHG, sieht aus wie gecastet: Alle unkantig, uncharismatisch, uncool. Wie Christian Wulff oder Guido Westerwelle, nur jünger. Erwartet man von einem potenziell erfolgreichen Politiker nicht was Männliches, Volkstribunhaftes? Wieso zieht man sich diese blassen Gestalten hoch?

…schrub ich letztes Jahr irgendwann. Jetzt hatte ich Gelegenheit, die Vorurteile mal am lebenden Objekt zu überprüfen, auf der CDU-Medianight. (Zur Sicherheit: Nein, ich habe auch keine Ahnung, warum man mich eingeladen hat.) Und jawohl, alles ist wahr. Große Disziplin, solange die Parteiprominenz vor Ort war; nach dem Verschwinden von Merkel, Pofalla, Neumann und Co. dann ausgelassener Tanz zu, argh, Hits der 80er. Wogende graue und blaue Anzüge, fliegende bunte Krawatten, trotz hektischer arhythmischer Bewegung wie Fiberglas sitzende Haare. Harmlose Gesichter, null erkennbarer Bartwuchs, alle jung und uninteressant. Nicht einmal die Frauen bringen Farbe, auch sie sehen aus wie geklont und gecastet. Wie früher die Juristen- oder BWLer-Partys.
Gottseidank habe ich unterdessen den Herrn L. kennen gelernt, der ebenso für vernünftige Gespräche wie für gepflegtes Saufen gut ist. Das hat dann bis spät in die Nacht vorgehalten. Außerdem hatten wir viel Freude damit, das Nachwuchspersonal der Union anzupöbeln. Der junge Mann aus Osnabrück-Land, der sehr treu hinter seiner Partei stand, obwohl man ihm nichtmal einen Posten gegeben hatte, möge uns unseren harschen Spott verzeihen — da sprachen der Teufel Alkohol und die Indoktrination der Linken. Bestimmt.

Absurditäten am Rande:
* Der Pressechef von Reemtsma stellte sich als GameStar-Fan heraus.
* Von der Veranstaltung gab es ein eher beflissenes Liveblog.
* 20 Firmen standen als Sponsoren auf der Einladung. Unbeeinflussbare Politik und so.
* Eine Jungjournalistin schätzte mich beiläufig auf 32. Ha!

Zehn Gründe, warum es sich diese Woche zu leben lohnt

Juni 4, 2006

1. Serienluxus: Noch 2 Folgen Six Feet Under übrig, 2. Staffel Deadwood wartet schon. 2. Langes Wochenende, zum 2. Mal hintereinander. 3. In kurzer Folge viele absurde Dinge erlebt. 4. An Dinge denken, an die man lange nicht gedacht hat. 5. Wiederentdecken alter CDs. 6. Unbegründete gute Laune. 7. Lust aufs Schreiben haben. 8. Anhängliche […]

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Jaja…

Juni 3, 2006

…bisschen lange Funkstille hier. Geht bald weiter. Sorry für die Pause, Stress und Inspirationsmangel sind schuld. Und die neuerdings nur selektiv funktionierende WLAN-Funktion meines Laptops, der weltweit einsetzbar ist, aber zuhause direkt neben dem Access Point versagt. Wobei es am Access Point nicht liegen kann, über den surft die Liebe meines Lebens weiterhin erfolgreich. Grnaaarg. […]

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