Das C in unserem Namen

by Gunnar on 5. Juni 2006 · 15 comments

CDU-Nachwuchspolitiker sehen aus, als hätten sie keinerlei Bartwuchs schrieb der brillante Kurt Kister sinngemäß neulich in der SZ-Wochenendbeilage. Das ist hübsch beobachtet, erstaunt mich aber immer wieder: Gerade der Nachwuchs von FDP und CDU, oft zu finden in Vereinigungen wie RCDS oder LHG, sieht aus wie gecastet: Alle unkantig, uncharismatisch, uncool. Wie Christian Wulff oder Guido Westerwelle, nur jünger. Erwartet man von einem potenziell erfolgreichen Politiker nicht was Männliches, Volkstribunhaftes? Wieso zieht man sich diese blassen Gestalten hoch?

…schrub ich letztes Jahr irgendwann. Jetzt hatte ich Gelegenheit, die Vorurteile mal am lebenden Objekt zu überprüfen, auf der CDU-Medianight. (Zur Sicherheit: Nein, ich habe auch keine Ahnung, warum man mich eingeladen hat.) Und jawohl, alles ist wahr. Große Disziplin, solange die Parteiprominenz vor Ort war; nach dem Verschwinden von Merkel, Pofalla, Neumann und Co. dann ausgelassener Tanz zu, argh, Hits der 80er. Wogende graue und blaue Anzüge, fliegende bunte Krawatten, trotz hektischer arhythmischer Bewegung wie Fiberglas sitzende Haare. Harmlose Gesichter, null erkennbarer Bartwuchs, alle jung und uninteressant. Nicht einmal die Frauen bringen Farbe, auch sie sehen aus wie geklont und gecastet. Wie früher die Juristen- oder BWLer-Partys.
Gottseidank habe ich unterdessen den Herrn L. kennen gelernt, der ebenso für vernünftige Gespräche wie für gepflegtes Saufen gut ist. Das hat dann bis spät in die Nacht vorgehalten. Außerdem hatten wir viel Freude damit, das Nachwuchspersonal der Union anzupöbeln. Der junge Mann aus Osnabrück-Land, der sehr treu hinter seiner Partei stand, obwohl man ihm nichtmal einen Posten gegeben hatte, möge uns unseren harschen Spott verzeihen — da sprachen der Teufel Alkohol und die Indoktrination der Linken. Bestimmt.

Absurditäten am Rande:
* Der Pressechef von Reemtsma stellte sich als GameStar-Fan heraus.
* Von der Veranstaltung gab es ein eher beflissenes Liveblog.
* 20 Firmen standen als Sponsoren auf der Einladung. Unbeeinflussbare Politik und so.
* Eine Jungjournalistin schätzte mich beiläufig auf 32. Ha!

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