Blut und Sperma im Alten Rom

by Gunnar on 15. August 2006 · 13 comments

Herr Kaliban hat’s gern blutig. Oder so.

Zunächst zu dem, was jeden interessiert: Wir hätten, nun, nackte Penisse schwarzer Sklaven, freiwilligen und unfreiwilligen Sex vor Publikum, obszöne Wandkritzeleien, Masturbation.
Ach, und Gewalt: durchgeschnittene Kehlen, verreckende Soldaten, unbehandelte Verletzungen, Schwertkämpfe, abgeschnittene Daumen, Blut, Blut, Blut überall.
Wenn man über das etwas arg offensichtliche Baden in Blut und Sperma hinweg sehen kann, ist die HBO-Serie Rome im Ben-Hur-Genre ein bisschen das, was die Serie Deadwood für den Western ist: ein einigermaßen ambitionierter Versuch, einige Geschichten in einem durch allerlei Medienerzeugnisse bereits schlimm trivialisierten Setting zu erzählen. Wo Deadwood aber den Fokus auf ein überschaubares Szenario legt, die Pionierstadt Deadwood eben, zieht Rome weiter auf und wählt sich direkt Caesar als eine der Hauptfiguren, was gleichzeitig Stärke und Schwäche ist. Einerseits bekommt man durch ihn Zugang zu einer spannenden historischen Figur und den Intrigen des Senats, andererseits ist bei ihm eine Portion Klischee kaum vermeidbar. Egal.

Wo war ich? Also, mal abseits von Gaius Julius sind die tragenden Charaktere zwei Soldaten, der lebenslustige Grobian Pullo und sein Stock-im-Arsch-Vorgesetzter Vorenus, die sich im Laufe der Handlung sehr hübsch von Abziehbildern zu nachvollziehbaren Menschen entwickeln. Mit den Problemen, die man eben so als Serienheld hat: Beziehungen, Ehre, Fremdbestimmung, Suche nach dem eigenen Lebensglück. Fängt alles ein bisschen mau an, man fragt sich, wohin die Serie will, aber so um Folge 4 oder 5 kommt dann alles auf Touren, die Ereignisse überschlagen sich, die Figuren erwachen zum Leben. Rome erreicht nicht das Niveau von Six Feet Under, Cracker oder Deadwood, macht aber viel Spaß für Freunde historischer Stoffe, auch und gerade wegen des tollen Sounds der englischen Tonspur und des hohen visuellen Niveaus. Dem offiziellen PR-Gewäsch nach ist Rome mit 100 Millionen Dollar Kosten die bislang teuerste Fernsehproduktion überhaupt. Was man nicht unbedingt in jeder Schlacht, wohl aber in den eher normalen Szenen sieht, wenn sich die Handlung in Straßen, Gassen, Häusern abspielt. Schauspielerischer Höhepunkt ist Ciarán Hinds, der einen angemessen arroganten Caesar gibt. Und Polly Walker als Atia.

Kann man übrigens, günstig gebraucht, bei Amazon kaufen. Die UK-Fassung enthält eine deutsche Tonspur.

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