Die Schweber

by Gunnar on 2. August 2006 · 10 comments

“Schreit ruhig”, murmelt der Replikant und geht weiter. Ihrem Versteck entgegen, roter Mord in seinen Gedanken, die Flechette-Pistole schwer und kalt in der Manteltasche. Doch sein Schritt ist erschüttert, seine Haltung weniger breitschultrig. Ihre dissonten Gesänge hallen in seinem Kopf. Da fällt sein Blick auf einen weiteren Schweber, direkt vor ihm. Das Ding schwirrt lautlos in Bauchhöhe, selbstbewusst, provozierend in seinem Weg. Er fährt zusammen, springt eine Stufe zurück. “Weg da! Geh weg!” zischt er. Der Schweber blinkt mit seiner roten LED, wie im stillen Spott. Der Replikant tritt, blind, mit einem halben Sprung in Richtung Schweber, der weicht nicht aus, der Tritt sitzt, die faustgroße Maschine wird zurückgeschleudert, schlägt auf dem Boden auf. Benommen zuckt das Ding im Kreis, der Replikant springt vor, zerstampft es, ein herbes Knacken unter dem Fuß.
Er schaudert, sein Nacken ein kaltes Feld. Da surrt es rechts von ihm, wieder ein Schweber. Und links. Er zieht die Flechtette.
Die Maschinen halten einen Moment inne.
Der Replikant geht in Anschlag, breitbeinig, mit beiden Händen an der Waffe, wie die Soldaten in den Trainings-Vids. Die Schweber, mittlerweile ein Schwarm, zwei davon groß wie Krähen, bewegen sich koordiniert seitwärts. Umkreisen ihn mit wenigen Metern Abstand. Der Replikant schaut sich um, sucht einen Ausweg. Der größte Schweber löst sich aus dem Tanz der Maschinen, rast auf ihn zu. Die Flechette erwacht mit einem Klicken, Bruchteile von Sekunden später folgen Feuer und das scharfe Zischen der Energiepfeile. Die Pfeile, tausende, treffen den Schweber, stanzen feurige Löcher in seine Oberfläche. Der Replikant wirbelt herum, schießt erneut, trifft den nächsten Schweber, der schreit vor Schmerzen, wie ein Kind, hoch und gellend. Eine halborganische Maschine, deren Synapsen sekundenlang unter Volllast feuern, bis sie die Funktion einstellen. Die restlichen Schweber ziehen sich zurück, erweitern den Kreis und singen wieder. Der Replikant hält sich die Ohren zu, doch die Gesänge kommen direkt in seinem Kopf an.

Jaja, ich weiß auch nicht, warum ich das geschrieben habe. Es war einfach da, ein Fragment aus meinem Kopf, halbgedacht, aus dem Nichts. Kein Baustein, nur ein Fetzen ohne Verbindung zu irgendetwas anderem.

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