Déjà vu

by Gunnar on 5. August 2006 · 1 comment

Oh. Es gibt sie noch, diese Leute, die früher in Göttingen Mitte der Neunziger die Majorität stellten. Auch in München und zehn Jahre später. Diese Studententypen, die sich optisch so sehr übers Student sein definieren, dass man nicht glauben mag, sie könnten auch andere Rollen im Leben spielen. Gerade in der S-Bahn saß mir einer gegenüber: schwarzer Lockenkopf, unrasiert, schmale Brille, schmales Gesicht, schmale Schultern, blass, schlank, fast mager, dünne Arme, schwarzes, zu großes T-Shirt mit Thailand-Aufdruck, enge schwarze Hose, hellblaue Socken (!), schwarze Turnschuhe. Er sitzt breitbeinig und kerzengerade, hält mit einer Hand eine taz vor sich hin, in der er hochkonzentriert liest. So hochkonzentriert, dass er während der Lektüre hin und wieder dramatisch auf der Unterlippe kaut oder sogar Wörter lautlos mitspricht. So eine Wirkung hat die taz heute nicht mehr oft, die Redaktion wäre sicher erfreut gewesen, diesen jungen Mann lesen zu sehen.
Irgendwann stecke ich mal dauerhaft eine Kamera ein und fotografiere in U-Bahnen und Bussen eine Sammlung von Prototypen: der typische Arbeiter, der Beamte, der Student, die Tussi, der Extremsport-Manager, der Unterschicht-Hedonist. Et cetera. Wäre ein schönes Lebenswerk.

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