Was bleibt, Teil 1

by Gunnar on 6. September 2006 · 13 comments

Erinnerungspartikel, hochgespült als Gedankenübung. Persönlich einige, allgemeinverständlich andere. Teile sie hier, wie ich so vieles teile.

Der Duft von Nesquick-Pulver, wenn es in die kalte Milch gerührt wird.

Das beengende Gefühl von grellorangen Schwimmflügeln an den Oberarmen.

Der staubige Mottenkugelgeruch von Omas Kleiderschränken.

Das stolze Abtasten des Freischwimmerabzeichens, gerade eben von Mama
auf die Badehose genäht.

Das Plastik-Metall-Geräusch, wenn man mit der großen Gangschaltung eines Bonanza-Rades
schaltet.

Der Blick auf die eigenen Füße, wenn man aufeinander zugeht, Schritt für
Schritt sorgfältig voreinander, wobei derjenige, der als letzter den
kompletten Fuß setzt, mit der Spielerauswahl für das folgende Fußball-Match auf dem Schulhof beginnen darf.

Wie Holundersaft riecht, gepresst vom Holunderbusch im Garten und stark
gezuckert.

Das Auffasern des großen Stengels, wenn man mit einem Stock auf eine
Sonnenblume einschlägt

Das intensive Sich-Strecken im Kirschbaum, um eine knapp über Armeslänge entfernte Frucht zu bekommen, während man sich mit dem anderen Arm eingehakt hat.

Der Blick von oben auf sich drehende Ahorn-Kreisel, von uns Jungs zu Dutzenden in den Schlossgraben geworfen.

Das glatte Gefühl von frischen Erbsen im Mund, soeben aus der frisch
gepflückten Schale gekrüllt*.

* Erbsen krüllen war in meiner Gegend der angemessene plattdeutsche Ausdruck für den Prozess des Erbsen aus der Schale entfernens. So mich meine Erinnerung nicht trügt.

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