Advent, fat chance

by Gunnar on 14. Oktober 2006 · 24 comments

Schon in der Schule neigte ich dazu, Lehrer und Mitschüler zu korrigieren, wenn sie englische Begriffe falsch benutzten oder falsch übertrugen. Ein hässlicher kleiner Wesenszug, okay, aber was soll man tun — ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg.
Heute hätte ich noch viel mehr Gelegenheit das auszuleben, denn was da bei der Übersetzung von Spielen oder Taschenbüchern verbrochen wird, das geht auf keine Kuhhaut. Wortspiele gehen verloren, Dialoge drehen ins Absurde. Das wäre in Shootern ja noch tragbar, niete ich eben ein paar Gegner um, dann passt das schon mit der Stimmung. Leider sind aber auch die erzählenden Genres wie Adventures oder Rollenspiele nicht davor gefeit. Obwohl doch das Übertragen englischer Texte heutzutage eine Dienstleistung ist, die man auch in guter Qualität auf dem Basar der Freiberufler für den Gegenwert einer lauwarmen Bohnensuppe nachgeworfen bekommt. Dennoch liest man immer wieder blühenden Blödsinn, der nicht Flüchtigkeitsfehlern sondern fundamentalen Kontextmissverständnissen entspringt. Ich muss mir mal alle Beispiele aufschreiben, damit ich hier eine Liste der Schande veröffentlichen kann.
Mein Liebling ist schon älter: »Advent« heißt ein Kapitel in einem Horror-Taschenbuch. Wie im englischen Original. Einfach stehen lassen. Ungeachtet der offensichtlichen Intention des Autors, hier die Ankunft (engl. »Advent«) zu beschreiben, nicht etwa das Fest im Dezember. Hätte man drauf kommen können, zumal das Kapitel im Frühjahr spielt. Und jemand ankommt. Naja.
Der Anlass dieses Postings ist, neben lange angestautem Zorn, übrigens eher nichtig: In dem Adventure, das ich gerade spiele, hat der Kollege Übersetzer den Ausdruck »fat chance« mit »fette Chance« übertragen. Was a) im Deutschen keinen Sinn ergibt und b) die Aussage ins Gegenteil verkehrt: »Sicher nicht« oder salopp »Vergiss es« wären korrekte Möglichkeiten gewesen.

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