Schnittstellen zum Seriellen Leben

by Gunnar on 8. Oktober 2006 · 8 comments

BSG

Wenn man sich, wie ich, unabsichtlich und unter peer pressure zum Serienjunkie entwickelt hat, dann, ach, ist das Leben nicht einfach. Serien gehen ständig zur Neige — man wartet zwischen Saisons, man trauert bei Einstellung. Von 24 und Deadwood könnten endlich mal die nächsten Staffeln auf DVD erscheinen, Firefly und Six Feet Under sind unwiderruflich und tragisch gestorben, Futurama ist irgendwie endlos in der Schwebe. Sogar Lost würde ich vielleicht noch eine Chance geben, wenn die zweite Staffel als Box kaufbar wäre. Am schlimmsten aber ist die Battlestar Galactica-Pause, die ich gerade erlebe. Saison 3 läuft in den USA gerade, aber ich muss natürlich auf die Box warten, die Ehre lässt es nicht zu, dass ich mir einzelne Folgen aus dem Netz sauge. Zerstört auch das heilige Gesamterlebnis.
Warum überhaupt Galactica? Wir sprechen hier übrigens vom Remake, nicht von der Frisuren-Scifi, die im Fernsehen lief, als wir alle Kinder waren. Also, schnell eine Kurzkritik: Erstmal ist BSG die nahezu das einzige Stück TV aus God’s Own Country, in dem offen geraucht wird. Sogar vom Schiffsarzt während der Behandlung. Gesoffen wird auch, gevögelt, Speed geschmissen, um Geld gespielt. Nichts von der sterilen Star Trek Wars-Zukunft also, aber die ist ja ohnehin aus der Mode gekommen. Kurz zur Handlung: Menschheit hat für niedere Arbeiten eine Art Roboterwesen-Truppe erfunden, die chromglänzenden Cylonen. Die, uh, lehnen sich gegen ihre Herren auf, Krieg folgt. Unentschieden, Cylonen verschwinden aus dem bewohnten Universum. Viele Jahre später glaubt die Menschheit sich sicher, aber, hey, die Cylonen kommen zurück. Vernichten die Planeten der Menschen. Nur knapp 50.000 können, an Bord der Galactica und ihrer Begleitschiffe, fliehen. So weit, so albern, so Siebziger Jahre.
Jetzt beginnen die hübschen Twists: Cylonen können jetzt auch Versionen von sich züchten/bauen, die wie Menschen aussehen und denken. Viel Potenzial für Infiltration, oder? Natürlich haben sich an der Bord der menschlichen Schiffe ein paar Cylonen eingeschlichen, die nach und nach aufgedeckt werden. Baltar, der Verräter aus der alten Serie, ist übrigens diesmal gar nicht wirklich böse, er verliebt sich nur unwissentlich in ein sexy Cylonen-Modell (die von Trica Helfer gespielte “Nr. 6″) und verdammt durch Weitergabe von Informationen die Menschheit. Starbuck und Boomer, zwei vor Testosteron strotzende Piloten aus dem Original, werden diesmal von Frauen gespielt. Alles ganz hübsch, aber ein paar Drehbuch-Gags machen die Serie nicht aus, ebenso wenig wie die Special Effects, die zudem nicht gerade die Wurst vom Teller ziehen. BSG lebt von den guten Dialogen, die ausgefeilten Figuren und vom Mut, im Rahmen einer Space Opera komplexe Themen anzugehen: Familienwerte, Religion und Politik — besonders der Konflikt zwischen dem militärischen Führer Adama und der zivilen Präsidentin Roslin belebt große Teile der ersten Staffel. Und als man am Ende von Staffel 2 miterlebt, dass auch die bis dahin monolithisch auftretenden Cylonen sich politisch untereinander nicht vollends grün sind, gewinnt die Serie eine weitere Ebene hinzu. Und spannend ist es natürlich außerdem. Und die eine oder andere Raumschlacht passiert natürlich auch, nur Gespräche wären doch ein bisschen öd. Charmant übrigens die Ausstattung, die mit voller Absicht im Retro schwelgt, wie auch schon Firefly oder Babylon 5. Und gar nicht erst versucht, glaubhafte Zukunftsumgebungen zu schaffen. Ob das Stärke oder Schwäche ist, muss jeder für sich selber entscheiden.
So. Wir rekapitulieren: gute Dialoge, schöne Frauen, Alkohol-Sex-Drogen. Und Raumschlachten. Da fehlt nix. Kaufen.

Weiterführende Literatur: Wikipedia; direkt kaufen: Amazon.
Oder lieber erstmal gucken? Das ginge bei Youtube.

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