Die Jungs von der Waffenlobby

by Gunnar on 11. Dezember 2006 · 38 comments

rome

Irgendwie hatte ich mich in letzter Zeit schon ein bisschen gewundert, dass der Impetus in der “Killerspiel”-Debatte aus Niedersachsen kommt. Klar, Bayern, die sind immer gut für ein “Holier than thou”, aber Niedersachsen? Hm. Was treibt den Innenminister Schünemann an? Sorge um die Jugend? Möglich. Egal: Immer wenn einen etwas wundert am Verhalten von gesellschaftlichen Akteuren, sollte man mal jegliche Emotion beiseite lassen und nachdenken, ob es nicht am Ende einen kalten, rationalen Grund gibt, warum derjenige so und nicht anders handelt. Und, naja, eigentlich liegt es auf der Hand. Welche Gruppe hat, ähnlich wie die Spieler, unter dem Fallout der “Amokläufe” zu leiden? Achja, die Sportschützen. Die Schützenvereine. Da gab es doch eine von der CDU/CSU bekämpfte Verschärfung des Waffengesetzes. Und allerlei Solidaritätsnoten von Unionspolitikern. Namentlich von Günther Beckstein (der auch forderte, man müsse schon mit zehn Jahren in einen Schützenverein eintreten können, nicht erst mit zwölf) und, achja, Uwe Schünemann. Ich zitiere:

Zur Reduzierung unnötiger Belastungen für den Waffenbesitzer […] ist es weiterhin notwendig, etwa auf die obligatorische periodische Überprüfung des Bedürfnisses 3 und 6 Jahre nach Erteilung waffenrechtlicher Erlaubnisse zu verzichten, das Mindestalter für den Umgang mit geprüften Reizstoffsprühgeräten von 18 auf etwa 14 Jahre zu senken sowie erleichterte Regelungen für Brauchtumsschützen zum Führen von Schusswaffen im Zusammenhang mit öffentlichen Veranstaltungen zu schaffen. (Günther Beckstein)

Bei allen Regelungen wurde jedoch auch darauf geachtet, die Interessen der legalen
Waffenbesitzer, insbesondere der Sportschützen […]zu berücksichtigen und sie nicht unnötigen oder schikanösen Erschwernissen auszusetzen. (Uwe Schünemann)

Die Vermittlung von Werten durch den Schießsport an unsere Kinder und Jugendlichen trägt zur Integration in die örtliche Gemeinschaft bei. (Uwe Schünemann)

Vor allem für den Missbrauch von Schusswaffen insbesondere durch
Jugendliche gibt es ein ganzes Bündel anderer Ursachen als den legalen
Waffenbesitz. Dazu zählt etwa der unkontrollierten Konsum von
gewaltverherrlichenden und schwer jugendgefährdenden Videofilmen und die
Beschäftigung mit sogenannten Killerspielen, die in menschenverachtender
Weise Todeshandlungen am Mitspieler simulieren.(Günther Beckstein)

Schon recht, Schützenvereine sind irgendwie hübsch volkstümlich, gut organisiert und wählen schwarz. Und der private Waffenbesitz ist ein hehres Gut. Da wirft man sich natürlich schützend davor, auch wenn das bedeutet, dass man die Debatte mit Gewalt drehen muss, indem man einen potenziellen anderen Sündenbock, die Spiele, difffamiert. Mit gezielten Lügen, mit einer Schmutzkampagne, mit dem ganzen Innenministerinstrumentarium. Und stellt damit die Spieler auf die Stufe von Kinderpornografen. Egal, Kollateralschäden halt. Hauptsache, die Schützen dürfen ihre Waffen weiterhin zuhause im Schrank haben. Die sind ja nur zum Sport da.

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