Hirntod, 15 Minuten

by Gunnar on 29. Januar 2007 · 18 comments

Manchmal wächst aus einem Nierenkrebs eine Art Tannenzapfen in die große Hohlvene. Das nennt man einen Tumorthrombus. Diese Zapfen werden in drei Stufen unterteilt, je nachdem, wie lang der Zapfen ist. Vor einigen Monat habe ich bei einer Operation assistiert mit der Mutter aller Zapfen — Level III, bis ins Herz . Bei dem 15-Stunden-Eingriff haben sechs Ärzte, mich selber mitgerechnet, Brustkorb und Bauch eröffnet und den Tumor entfernt.
Das Besondere an diesen extremen Eingriffen ist, dass es einen Moment gibt — 15 Minuten exakt — während derer der Patient gewollt in den Hirntod überführt wird. Dann fließt kein Tropfen Blut durch den gekühlten Körper, die Herz-Lungen-Maschine steht still, die Hirnströme erlöschen.
Der Mensch ist tot.
Nur ein blinkender Schirm am Kopf des Patienten misst die verstreichenden Minuten, die ein Arzt regelmässig laut aufsagt, um zu erinnern, dass die Zeit drängt. Etwas zu lange, und bleibender Hirnschaden stellt sich ein. Dann, getan ist was getan werden musste, wird die Herz-Lungen-Maschine wieder eingeschaltet — und Hirnaktivität und später auch Herzschlag kommen wieder zurück, als ob nichts gewesen sei. Zwei Tage danach spricht der Mensch wieder seine ersten Worte nach seiner Wiederbelebung, von all’ dem nichts wissend.

Geisterhaft.

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