Sehr kurze Kurzrezensionen einiger Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Streng subjektiv und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Vielleicht fühlt sich ja dennoch jemand angeregt.
Oliver Uschmann: Hartmut und ich
Uschmann ist irgendwie einer von uns. Wer auch immer “uns” in diesem Zusammenhang ist. Wenn ich ihn lese, fühle ich mich, als würde ich ihn persönlich kennen und das schon lange. Dies ist sein erstes Buch, es liest sich ein bisschen sehr wie eine Reihe von Blog-Einträgen, ist aber so witzig, so schlau und so nachvollziehbar, dass man die leicht inkohärente Form easy verzeiht. Kann man blind kaufen.
Hey, worum geht’s eigentlich? Ach, ist doch egal: die absurden Erlebnisse der Männer-WG eines überaktiven Philosophiestudenten und eines UPS-Packers.
Orson Scott Card: Empire
Ich liebe die Bücher von OSC. Obwohl der Mann religiös ist und politisch weit rechts steht. Schließlich kann man Science Fiction auch schreiben, ohne sich auf rechts-links-Spielereien einzulassen — und was Card über Menschen, Freundschaften und Familien schreibt, funktioniert unabhängig von der politischen Einstellung. Dieses Buch hingegen ist offen politisch, auf eine Art, die nur schwer zu ertragen ist. Card bemüht sich, seine Angriffe auf die liberale Linke zu verschleiern, indem er auch die Rechten ein bisschen kritisiert, aber das ist allzu offensichtlich. Davon mal abgesehen, ist das Buch langweilig, miserabel konstruiert, und die Hauptfiguren sind Abziehbilder. Schlicht eine Katastrophe. Habe es nur bis zu Hälfte geschafft, dann musste ich entnervt abbrechen.
Hey, worum geht’s eigentlich? Will man nicht wissen. Anschlag auf den US-Präsidenten, Chaos, eine linke Splittergruppe übernimmt die Macht, die von Demokraten geführten Staaten (»blue states«) erkennen die neue Regierung an, ein Bürgerkrieg bricht aus. Die Helden sind zwei aufrechte, konservative, ehrliche, harte Jungs von den Special Ops. Uh.
Alastair Reynolds: Galactic North
Schwer, da was zu zu sagen. Ich mag, was Reynolds schreibt, habe aber vollstes Verständnis für Leute, die ihn zum Kotzen finden. Reynolds ist harte Science Fiction, im Groben wie Asimov. Personen interessieren ihn nicht so, die Technik wird seitenlang beschrieben. Mich fasziniert die (weitgehend Alien-freie) Welt, die er entwirft, vor allem die Nation der Conjoiners, Menschen, die sich Nanomaschinen ins Hirn pumpen, um als Gruppe eine Art Massenbewusstsein zu entwickeln.
Hey, worum geht’s eigentlich? Acht Kurzgeschichten, nicht gerade der ideale Einstieg in Reynolds’ Werk. Wer die restlichen Bücher kennt, freut sich über das Wiedersehen mit guten Bekannten. Allerdings lesen sich die Storys nicht wie richtige Geschichten, mehr wie Kapitel aus Büchern. Anspieltipp: Weather.
Rick Gekoski: Eine Nacht mit Lolita
Der Autor handelt mit seltenen Büchern, einzigartigen Ausgaben im Wert von Tausenden von Pfund. Und schreibt über seine Erlebnisse. Das ist alles ausgesprochen unterhaltsam, nett zu lesen, warmherzig und humorvoll. Leichte Kost für Literaturfans. Liest man in ein paar Stunden durch, hat aber trotzdem hinterher kein Fastfoodgefühl im Hirn.
Hey, worum geht’s eigentlich? Kein Roman, nur Geschichtchen: Gekoski geht mit Graham Greene trinken, wird von Salinger verklagt, plaudert mit Salman Rushdie. Und kauft Bücher von ihnen.
Christopher Coake: Bis an das Ende der Nacht
Auf dem Umschlag steht ein Blurp, ein Zitat von Nick Hornby: »Beim Lesen dieser Geschichten werden Sie vergessen zu atmen.« Das ist wahr. Und zugleich alles, was man über diese Kurzgeschichtensammlung wissen muss. Unglaublich intensiv, teils fies. Starke Gefühle, machtvolle Sprache. Beeindruckend.

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Rick Gekoski: Eine Nacht mit Lolita
hab ich Weihnachten von meiner Mutter bekommen,
komisches Buch man hat das Gefühl das Tagebuch von jemanden zu lesen aber ohne das schlechte Gewissen dabei, hat wirklich Spaß gemacht kanns auch nur weiterempfehlen.
Danke für die Lesetipps!
Ich mag OSC eigentlich auch, aber nach meinen Favoriten Ender’s Game und Ender’s Shadow kommt erstmal ‘ne ganze Weile nichts. Besonders die Shadow-Reihe wird irgendwie immer schwächer.
Tipp zurück: Die besten SF-Geschichten, die ich bis jetzt gelesen habe, stehen alle in einem einzigen Buch von Ted Chiang, Stories of Your Life and Others.
Außerdem: Unter http://www.fast-forward.tv/archive/archive.htm gibt es einen ganzen Sack voller 15min-Interviews mit allen möglichen SF-Schriftstellern, z.B. Orson Scott Card, Gene Wolfe, Kim Stanley Robinson, GRR Martin. Die Audioversionen machen sich gut als Podcast für unterwegs.
Gibt es eigentlich deutsche SF von diesem Kaliber?
danke für den tipp und den link.
deutsche sf? wüsste keine.
Schöne Zusammenstellung. Will ich auch immer machen, schreibe es dann aber nie rechtzeitig auf und kriege es nicht mehr gebacken.
Hartmut und ich fand ich selbst nicht so witzig. Da ließ sich der Witz nicht hinterm Ofen hervorlocken.
Ein richtig witziges Buch ist »Heinz Strunk -Fleisch ist mein Gemüse«. Hier eine Rezension von mir: http://lemming.name/000319.html
Ach gerade noch gesehen dass ihr es auch von SF habt.
Die beste SF Story ist meiner Meinung nach in einem Perry Rhodan Roman zu finden (btw. das ist deutsche SF). Band Nr. (vergessen) Terra in Trance.
Das Oliver Uschmann – Buch ist sehr zu empfehlen.
Der Schwanitz wäre in meinen Augen erheblich erträglicher, wenn der Untertitel “Alles, was man wissen muss, wenn man die Existenz der Welt außerhalb Europas zu ignorieren arrogant genug ist”. So wie es jetzt ist, richtet der Mann in meinen Augen eher Schaden an. Beziehungsweise richtete.
Den Schwanitz sollte man aber nur in Verbindung mit “Die andere Bildung” von E.P. Fischer lesen, sonst könnte man die schwanitzsche Arroganz bezüglich der Naturwissenschaften vielleicht als korrekt annehmen.
Sonst aber ein tolles Buch :)
Mein Satz kein Verb… “lautete” fehlt da noch.
Das Schawinski-Ding ist echt ganz lesenswert, wenn auch mich die Promi-Teile (Der böse Otti und seiner noch bösere Frau) teilweise ganz schön genervt haben.
Also “Fables” schaut ja äußerst interessant aus! Ich bin zwar kein ausgesprochener Comicfan oder etwas in der Richtung, aber ich denke diesen Comic werde ich mir probeweise mal antun.
Beim neuen “Uschmann” gebe ich dir vollkommen recht, Gunnar. Ich war hin- und weg bei den ersten beiden Büchern. Endlich mal wieder etwas Angenehmes und vor allem Witziges zum ablenken. Nur was das dritte Buch soll ist mir ein Rätsel. Ungefähr bei Seite 100 war es mir jedenfalls zuviel und ich hatte das Buch zur Seite gelegt und bis dato deutet sich leider nicht an, das ich ihm noch eine zweite Chance geben werde. Schade drum.
ich habe wenige seiten vor schluss aufgegeben. vielleicht hat’s ja ein grandioses ende…
Vom Schwanitz kann ich wohl nur den Musik-Teil beurteilen. War sehr vergnüglich zu lesen, aber manche Sachverhalte sind so weit runtergebrochen, dass sie nach bester Anhalter-Manier nicht nur wahnsinnig ungenau, sondern schlicht falsch sind.
Trotzdem, nen groben Überblick kriegt man damit wohl.
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