Nicht für die Schule

by Gunnar on 7. Februar 2007 · 25 comments

Lehrer, ja, die haben es nicht leicht. Mal abgesehen davon, dass die Kids offenbar flächendeckend pornoverseucht sind (wie der Stern neulich schrieb), ständig Hasch rauchen (wie uns der Spiegel kürzlich verriet) und natürlich allerlei Fiesheiten mit ihren Handys anstellen, mal abgesehen also von den ganzen Horrortaten, zu denen die heutige Jugend fähig ist, ist eigentlich ja auch das vermittelte Wissen obsolet. Wenn man überhaupt davon ausgehen kann, dass Wissen vermittelt wird, denn, so lehren die Medien, es sinkt die Aufmerksamkeitsspanne der Brut beständig, was natürlich an den Killerspielen* liegt oder an den Drogen oder an den Handys oder Schlimmerem. Wird nun aber, durch günstige personelle oder astrologische Konstellationen, tatsächlich Wissen vermittelt, dann ist es irgendwie nicht das richtige Wissen. Wer interessiert sich heute noch, in der, uh, vernetzten Welt, für artesische Brunnen, die Zünfte im Mittelalter oder den Plusquamperfekt? Wie regelmäßige Leser von kaliban.org, dem Pflichtblog für das deutsche Bildungswesen, schon lange wissen, ist es eine meiner oft wiederholten Forderungen, die Schulfächer zu überdenken. Praxisbezogene Fächer mit handfesten Inhalten wie Gesundheit (inklusive des ganzen Bereiches Sucht) oder Informationsbeschaffung werde ins Spiel zu bringen ich nicht müde. Aber ach, weder Pädagogen noch Politiker hören mir zu. In England hingegen, da gibt es entweder aufmersamere kaliban.org-Leser oder sonstwie helle Köpfe: Wie die SZ heute berichtet, will das Königreich jetzt die Schüler in Mandarin-Chinesisch (Zukunftsmärkte!), Persönliches Wirtschaften (Kreditkarten!) oder Kochen und gesunde Ernährung (Fettgefahr!) ausbilden. Aha. Das hilft sicher nicht bei Pisa, aber vielleicht, vielleicht, vielleicht bereitet es die Kinder ein bisschen aufs Leben vor. Was ja mal das Ziel war, wenn ich mich recht erinnere: Non scholae, sed vitae discimus, ihr wisst schon.

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