Viren, Kicks und das Ich-Ich-Ich

by Gunnar on 16. Februar 2007 · 1 comment

Neulich, in einem Bericht über den gerade omnipräsenten Herrn Seehofer, las ich den Satz Er ist ja vom Politvirus infiziert. Aha. Was ist denn das? Sind die Prozesse des Politik betreibens nicht eher mühsam, die Gespräche, die Arbeitsessen, die ewige Konsenssuche, die Intrigen, das Gemauschel? Sind nicht auch die erzielten Resultate zu abgeschliffen, zu sehr durch Zugeständnisse kompromittiert? Macht das an sich wirklich Spaß? Befriedigt das? Kickt das? Oder ist es nicht vielmehr diese unglaubliche Aufmerksamkeit, das Medieninteresse, die eigene Wichtigkeit, was beim Politik machen kickt? Ist ja durchaus nachvollziehbar, Blitzlichter machen dumm und süchtig, das ist ja schon länger bekannt. Aber wenn die Erhöhung des eigenen Ich-Gefühls bei Politiker der zentrale Kick wäre, müsste man dann nicht, will man im politischen Prozess wirklich Resultate erzielen, alle eitlen Leute aus der Politik fernhalten? Wie das Douglas Adams im Anhalter postuliert:
Anyone who is capable of getting themselves made President should on no account be allowed to do the job.
Ich meine, hey, wenn Lothar Matthäus, berauscht von der hingebungsvollen Liebe der Bild-Zeitung, seine eigene Bedeutung und Kommunikationsfähigkeit überschätzt — geschenkt. Wenn Konzernbosse Schlachten gegen Rivalen führen und dabei die Wirtschaftspresse instrumentalisieren — ihre Sache. Aber Politiker, steuerlich alimentierte Staatsdiener, die ihre Eitelkeiten auf die großen Bühnen heben? Wir sind viel zu gnädig mit diesen Leuten.

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