Konsumverzicht II: Zigaretten in Berlin

by Gunnar on 25. März 2007 · 15 comments

Heute ist Sonntag, der 25.3, Tag 2 nach dem Launch. Und ich habe keine PS3. Ich übe gerade ein bisschen Konsumverzicht, bin zumindest temporär bekehrt durch dieses Buch, dieses verdammte. Ich habe daher überhaupt einiges nicht, was ich haben könnte – dabei waren meine Kreditkarte und ich in Berlin, im billigen Berlin, wo die hippen Klamottenläden sich quasi mit authentischen Comicläden abwechseln. Bücher, Jeans, Turnschuhe, Gadgets, alles da. Habe aber nichts gekauft, was auch am Wetter lag. Schnee macht kreativ, Sonne macht glücklich, Schneeregen macht depressiv. Falls man meine Kreditkarte überhaupt akzeptiert hätte, meiner subjektiven Einschätzung nach geht das Zahlen per Karte in München IMMER und in Berlin NIE.

Rückständige, renitente Stadt, das.

Mein Ziel in Berlin war eine Preisverleihung, jedenfalls ein rauschendes Fest mit lauter gut gekleideten Journalisten von Publikumspresse und TV, gesponsert und organisiert von der uns liebenden und umsorgenden Zigarettenindustrie. Am Eingang ein Trupp Bouncer, ein roter Teppich und ein Häuflein Demonstranten, etwa sechs oder sieben, mit selbstgemalten Schildern. Als ich eintreffe, ruft man mir die Frage zu, ob ich auch einer dieser von der Zigarettenindustrie gekauften Journalisten sei. Mir fällt als halbwegs schlagfertige Antwort nur Und sind Sie nicht einer dieser von der AOK gekauften Demonstranten?, aber was soll’s, ich halte lieber die Klappe. Zugegebenermaßen werde ich einige Minuten später ein Bier trinken, das aus dem Marketingetat einer Firma bezahlt wurde, die ein umstrittenes und bekanntermaßen gesundheitsschädliches Gut anbietet. Nun ja, mein Gewissen könnte schlimmer belastet sein. Drinnen sind die paar Schlachtenbummler dann auch kein Thema, die Großkopferten der deutschen Journaille berauschten sich am Wein und an sich selber. Den Preis, um den es geht, eine Auszeichnung für unabhängigen und mutigen Journalismus, bekommt übrigens Georg Blume für seine in der Tat großartigen China-Reportagen. Gottseidank. Und ich hatte schon gefürchtet, man würde Henryk M. Broder noch einen Award hinterherwerfen.

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