Der alte Mann und die Querstreifen

by Gunnar on 14. April 2007 · 10 comments

pullunder

Dass die Mode in Zyklen verläuft, ja, das ist mir auch klar. So rein kopfmäßig. Eigentlich. Aus der Nähe zu beobachten, wie Zyklen aus meiner Jugend wiederkehren, das ist allerdings nachgerade gruselig: die mild affigen Ballerinas an den Füßen hipper 16jähriger Mädchen, die zahllosen grellen Querstreifen überall, die leichten bunten Schals, die für Männer in München jetzt offenbar Pflicht sind. Erschwerend dazu kommt das Wiederkehren der Krokopopper-Marke Lacoste, diesem Modezombie der glücklich überwunden geglaubten 80er Jahre, von dem ich irgendwie angenommen hatte, er sei für immer in der Versenkung verschwunden. Aber naja, Modern Talking hatten ja auch ein Comeback, wer will es den Lacostes verwehren, mal zu schauen, ob das Krokodil noch wirkt.

Außerdem: Es irritiert mich das Erstarken der Pullunder (jetzt offenbar Sweater genannt), in lang- und kurzärmeligen Varianten. Normale junge Männer, die gestern noch T-Shirts von G-Star oder Trainingsjacken von Mishumo getragen haben, spazieren heute mit Hemdkragen und großflächigen Karos herum, Karos von dieser Sorte, wie sie auf Burlington-Socken zu finden sind. Sehen aus wie Golfer, die ihren Golfbag vergessen haben. Oder Internatsschüler auf dem Weg, Oma Henriette zu besuchen. Diese Hemd-Pullunder-Kombination war für uns früher Inbegriff der Spießigkeit, heute geht man so in den Club. Verkehrte Welt.

Wenn ich mal Kinder haben sollte, versuchen sie vermutlich, mit pastellfarbenen Sakkos, Poloshirts und Lederslippern ohne Socken aus dem Haus zu gehen — und ich muss sie in den Keller sperren, damit sie der Familie keine Schande machen.

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