Lost in the Vorhölle

by Gunnar on 8. April 2007 · 9 comments

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen sich vielerortens, beim Autofahren etwa oder beim Gespräch über Brustvergrößerungen, am fundamentalsten aber bei Besuchen in der blaugelben Vorhölle, Ikea genannt:

Der Mann hat eine kurze Liste im Kopf oder in der Tasche, sucht gezielt nach ein, zwei Dingen, schaut ein bisschen auf Schnäppchen und geht vielleicht noch durch die Wohnausstellungen, um sich inspirieren zu lassen. Abteilungen, die akut keinen Nutzwert versprechen, lässt er links liegen. Soweit die Theorie. Die meisten Männer interessieren sich allerdings nicht einmal für die Abteilungen, die Dinge feilbieten, die man demnächst braucht, sondern schleppen sich nur lustlos und mit Leidensmiene durch und sind in Gedanken schon im Restaurant (Köttbullar mit Pommes! Juhu!) oder auf dem Parkplatz, auf der Autobahn, im Flieger nach Rio.

Die Frau hat eine lange Liste in der Tasche, schert sich aber nicht darum, weil sie ja ohnehin vorhat, jedes Möbelstück im Laden anzufassen und auszumessen. Abteilungen, die sie nicht interessieren, gibt es per se nicht. Schließlich ist ein Ikea-Besuch für eine Frau nicht Einkaufen, sondern Tourismus. Mit der Konsequenz von Pauschalurlaubern (Der Besuch im Uhrenmuseum ist im Preis mit drin, also machen wir den auch) streift sie durch die Gänge, und nichts darf ihr entgehen. Ins Restaurant (wohin nach eine Weile der Kerl drängelt) will sie eigentlich gar nicht, weil man da pro Minute zu wenig Geld ausgibt, aber wenn sie gezwungen wird, isst sie den spottbilligen Lachs. Und macht sich nebenbei noch Notizen über die Möbel, die man beim ersten Rundgang übersehen haben könnte. Und beginnt die Prelude eines Platzierungsgesprächs — meinst Du, wir sollten den Schuhschrank an die rechte Wand vom Flur stellen? Oder lieber links?

Am Ende treffen sich beide Parteien in der mächtigen Ikea-Kassenschlange, die alle Menschen gleich macht — mit der gelben Umhängetasche sehen auch schöne Menschen aus, als seien sie von der Stadtreinigung. Wobei treffen das falsche Wort ist, denn man trennt sich nicht im Bauch von Ikea, allenfalls gehen die Männer mal voraus, werden dann aber zurückgepfiffen, weil irgendein Schuhschränkchen zu diskutieren ist. Und irgendwer ja den ganzen Krusch tragen muss, all die Kerzchen, die LED-Lämpchen, die Mini-Kakteen, die günstigen Fleece-Decken, die Deko-Plastiken.

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