Mich erinnern

by Gunnar on 13. April 2007 · 6 comments

Gebranntes Kind scheut das Feuer, gelöschtes Kind liebt es stand auf dem Stiftmäppchen meiner Mitschülerin Carmen Irgendwie. In der 10. Klasse oder so. Keine Ahnung, warum ich mir diesen komischen Spruch gemerkt habe, nicht aber ihren Namen. Überhaupt funktioniert die Erinnerung merkwürdig: Von manchen, total belanglosen Ereignissen habe ich fotografisch klare Bilder im Kopf…

  • ein Streit mit dem dicken Matze in der 4., der meine Sandburg zerstören wollte
  • das hübsche Tor per Seitfallzieher in der Fußball-AG in der 6. Klasse
  • diese bekloppte Flaschendrehen-Party mit Knutschen, so in der 8.
  • eine der surrealen Englischstunden bei Mrs. Welsh in der 11.
  • mexikanisch abmunitionieren bei einer Übung in der Zeit beim Bund


andere, wichtigere Sachen sind komplett weg. Vermutlich kommen sie wieder, wenn ich 82 bin und nix mehr zu tun habe, als mich nach dem Mittagessen auf die Tasse Kaffee mit dem Stück Kirschkuchen zu freuen. Und darauf, dass sich die hübsche Pflegerin vorbeugt. Das erste Mal Sex steht mir beispielsweise nicht so recht vor Augen, der erste Tag im Studium auch nicht, ebensowenig die Fahrprüfung. Auch der erste Tag im Job ist schon fast im Nebel verschwunden, ich weiß nur noch, wie ich gegen 20:00 auf dem Gang sagte, ich würde jetzt heimgehen. Worauf ein Kollege ostentativ auf die Uhr schaute und hm, gewagt murmelte. Argh.

Aber was nutzt das, irgendwie, irgendwo in den Tiefen meines Hirns wird es liegen und sich mit dem richtigen Stimulus vielleicht reaktivieren lassen. Wie überhaupt immer erstaunlich viel wieder kommt, wenn ich versuche, es beim Schreiben mit Formulierungen zu fassen. Formulieren hilft, jedenfalls mir. Mein Hirn funktioniert über Worte und Gefühle. Gerüche behalte ich nicht, Bilder nur schwach.

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