Selbstbräuner und Scarlett Johansson

by Gunnar on 11. April 2007 · 17 comments

Ich stehe an der Tanke, sehe im Zeitschriftenregal Scarlett Johansson, greife instinktiv hin, um zu schauen, ob im Magazin Nacktfotos sind, sind aber keine. Naja, ist ja auch die Park Avenue, hätte ich mir denken können. Die Park Avenue ist ja kein Männermagazin, sondern eines von diesen Heftchen für Metrosexuelle oder andere urbane Randgruppen, die es nur in den Charts der Marketingabteilungen gibt. Die aber ohnehin keine Zeitschriften erwerben, sondern vornehmlich Pflegeprodukte, ja, Pflegeprodukte, sehr zur Freude der Kosmetikindustrie, die Salbe um Salbe, Duft um Duft, Wässerchen um Wässerchen auf den Markt wirft, die dann alle gekauft werden, in nicht mehr haushaltsüblichen Mengen, von den Metrosexuellen oder anderen urbanen Randgruppen.

Man schaue sich nur einmal an, wie die Kosmetikabteilungen in den Supermärkten aussehen, Dutzende von Regalmeter alleine für Männerzeug. Als moderner Mann kann man sich halt heute nicht mehr drauf rausreden, dass Haare auf Weiber-, Kerls- oder Kindsköpfen sich nicht wesentlich unterscheiden und einfach das Shampoo der Freundin benutzen, nein, das geht nicht mehr. Heute braucht man ein For Men-Haarwaschmittel in blauer oder mattschwarzer Flasche. Ach, waren das Zeiten, als im Badezimmer eines Mannes nur sechs Dinge waren: Zahnbürste, Rasierer mit Rasierschaum und Rasierwasser, Seife und ein Handtuch vom Ibis Hotel. Im Badezimmer einer Frau findet man voller Erstaunen ungefähr 287 verschiedene Objekte, von denen mir die meisten in ihrer Funktion unklar sind.

Aber ich schweife ab. Vor allem irritierend ist der Siegeszug der Selbstbräuner in den männlichen Pflegeserien, die kann man ja nicht mehr vermeiden, seit die Industrie draufgekommen ist, dass man da einfach auch noch gesund für die Haut dranschreiben kann und schon muss jeder das benutzen, denn gesund wollen wir doch alle sein. Was dabei häufig unterschätzt wird, liebe mitlesende Geschlechtsgenossen, der Selbstbräuner hat einen ganz charakteristischen Eigengeruch, so einen undefinierbaren, vage chemischen, den Frauen mit ihren durch Jahrtausende der Parfümierung trainierten Nasen natürlich erkennen. Und wie viele Gelegenheiten zur Paarung oder zum Vorantreiben der Karriere wurden schon durch ein gezielt indiskretes *Sniff* — ist das Selbstbräuner? zerstört.

Ach, die Risiken heutzutage. War das nicht schön früher, als die Adeligen noch alles getan haben, um ihre Blässe zu erhalten? Schöne Zeiten, lange bevor dieser gebeizte Look ein Kennzeichen der High Society wurde. Aber man hört ja auch schon von Gegenbewegungen, Gegenbewegungen gibt es ja immer. In Australien beispielsweise, da darf man doch schon gar nicht mehr vor die Tür gehen wegen der Sonne. Da zeigt die Blässe doch sehr hübsch, dass man einen Pool im Keller und eine Hausangestellte hat und daher nicht auf Besuche am Strand oder im Supermarkt angewiesen ist. Überhaupt Australien, wäre es nicht eine sichere Existenz, da als Mützenhändler tätig zu sein? Lotts Mützen, Schirme und Dächer GmbH — ich könnte reich sein, wenn mir nicht der Antrieb fehlen würde. Aber ach, die Welt der Reichen ist so fern.

Lese ich lieber noch ein bisschen in der Park Avenue. Warum sind da eigentlich nie Nacktfotos von der Johansson drin?

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