Juni 2007

Pause

by Gunnar on 23. Juni 2007 · 12 comments

Bin fort. Im Urlaub. Ohne Internet vermutlich. Komme Anfang Juli zurück.

Jaja, alter Witz

by Gunnar on 19. Juni 2007 · 16 comments

Herr K.: Wie heißen nochmal diese Leute, die mit Bands rumreisen, beim Aufbauen helfen und sich selber für Musiker halten?
Herr T.: Bassisten.
Herr K.: Achja.

Der Junge, der seinen Film kommentiert

by Gunnar on 16. Juni 2007 · 10 comments

Er mag etwa zwölf sein und ist fremd hier. Ein kleiner blonder Junge mit harmlos-offenem Gesicht, vielleicht vom Land, vielleicht von weiter her. Er steht ein paar Schritte entfernt am Bahnsteig, hält eine Karte von München, mit U-Bahn-Plan, in beiden Händen und spricht fortwährend vor sich hin: U6… also Endstation… Aussteigen in Fahrtrichtung rechts…erste Station nach Marienplatz…U6… Richtung Großhadern…die U6 kommt…gleich…einsteigen… Und so weiter. Er murmelt nicht, sondern formuliert klar und deutlich, wie mit einem imaginären Gesprächspartner.

Ich bin so irritiert, dass ich drei Mal auf sein Ohr starre. Sein Ohr? Das ist der alte Flugreisenden-Reflex – auf Flughäfen rennen ständig Geschäftsleute umher, die konzentriert und mit ernsthaftem Gesicht Selbstgespräche führen. Ein Blick aufs Ohr enthüllt dann das Bluetooth-Headset, offenbar telefoniert der Typ also und hat möglicherweise gar keine schizo-affektive Störung. Falls das Headset in Betrieb und nicht nur ein Fake ist. Es ist sicher in Vergessenheit geraten, aber: Früher gab es mal regulär in großen Supermärkten Autotelefon-Attrappen zu kaufen, damit man an der Ampel auf CEO machen konnte, obwohl man nur Hilfsbräteranwärter bei McD ist. Wurde dann von der Handy-Welle überholt, das Produkt.

Aber ich schweife ab. Der blonde Junge hatte kein Headset, obwohl mich das bei der Handy-Hörigkeit der heutigen Jugend nicht einmal sehr gewundert hätte. Er sprach einfach mit sich selber, dem Stadtplan und/oder seinem unsichtbaren Kumpel. Vielleicht ist er auch nur der Vorbote eines neuen Trends: Vielleicht empfinden wir in Zukunft, umgepolt durch den ständigen Medienkonsum, unsere kleinen Leben wie Folgen von TV-Shows und sprechen unwillkürlich den Off-Kommentar dazu. Vielleicht ist die Ödnis und Sinnferne des Modernen Lebenstm überhaupt besser zu ertragen, wenn man sich als Darsteller in einer Doku-Soap begreift, anstatt sich als Herr seines Schicksals zu sehen, in eigener Verantwortung und mit allem, was dazu gehört.

Der Junge steigt dann mit mir in die U6, immer noch redend. Ich bin so fasziniert, dass ich mich absichtlich in seine Nähe stelle, um ihm zuzuhören. Beim Sendlinger Tor macht er Anstalten auszusteigen, guckt angestrengt durch die Fenster und ruft dann, in Richtung Wagenboden, in nochmals gesteigerter Lautstärke und in genervt-beleidigtem Ton: NA KLASSE. UND WO FÄHRT JETZT DIE U2 AB? Eine dicke Dame, die auf 30 Meter Entfernung nach Lehrerin aussieht, lächelt mild und sagt, beiläufig, in keine bestimmte Richtung: Geradeaus, auf die andere Seite, dann links und runter.. Der Junge gibt nicht zu erkennen, dass er das gehört hat, folgt aber dem Ratschlag und verschwindet in Richtung U2. Erstaunlich. Offenbar hat es doch seinen Nutzen, wenn man vor sich hin brabbelt. Das ist vermutlich wie beim Open Source-Phänomen – wenn sozusagen der Gedankenfluss-Quellcode offenliegt, weil man einfach alles ausspricht, was einem durch den Kopf geht, dann haben andere Leute einen Einhak-Punkt und können etwas aus dem eigenen Erfahrungs- oder Wissenschatz beitragen. Und das ist ja wohl ein menschliches Grundbedürfnis.
Sonst gäb’s auch keine Blogger, nehme ich an.

Texte über, uh, die Liebe?

by Gunnar on 13. Juni 2007 · 11 comments

Wollte bloggen. Habe zu schreiben begonnen. Bin abgedriftet. Habe allerlei sentimentale Texte über die Liebe geschrieben. Unveröffentlichbar. Brauche ein geheimes Zweitblog für Szenen aus nicht zuende gedachten Romanen. Eines, wo ich unter einem halbironischen Kunstnamen, sowas wie Epicure One oder Mr. Penumbra, leicht intellektuell gekühltes, aber doch irgendwie authentisches Material verfassen kann. Ohne Gefahr, mich dem persönlichen Spott von Netzgemeinde und Bekannten auszusetzen oder beim nächsten Vorstellungsgespräch drauf angesprochen zu werden. Mit ausgeschalteter Kommentarfunktion natürlich, aber stetem Blick auf die Logs. Immer in der Hoffnung, dass mal der Lektor eines Großverlages vorbeisurft, zufällig, in mir den nächsten Jonathan Frantzen entdeckt und mich unter Androhung von Ruhm und Reichtum zwingt, die Fragmente zu ordnen, zu bündeln, so dass sie dann wundersam den großen deutschen Roman ergeben. Oder wenigstens einen von der Kritik zu umjubelnden schmalen Kurzgeschichtenband.

Logischer und folgerichtiger wäre es allerdings, mal wieder was Zielführendes zu schreiben, irgendwas, was Leute gerne lesen. Aber Erlebtes aufzuschreiben und auszuschmücken ist ja bekanntlich viel leichter als sich was auszudenken, und ich habe heute außerhalb des Büros eigentlich nichts erlebt. Außer dem Schreiben von, wie gesagt, nicht Blog-fähigen Texten. Und darüber einen lustigen, strukturierten, anregenden Blogeintrag zu verfassen, das geht nicht. Sieht man ja.

Johnny Cash: Hurt

by Gunnar on 13. Juni 2007 · 0 comments

Hatte den Song eine Weile nicht gehört. Doofer Fehler. Jetzt höre ich ihn wieder täglich.

Männerbücher

by Gunnar on 12. Juni 2007 · 14 comments

Es gibt, im gigantischen Universum zeitgenössischer Literatur, einige Fixsterne für mich. Bücher, bei denen ich mich als Mann verstanden fühle. Klar, auch Frauen schreiben hübsche Bücher, und klar, die Probleme des Mannseins sind nicht das einzige Thema über das ich gerne lese. Dennoch haben sich mir einige Werke so besonders in Hirn und Herz eingebrannt, dass ich sie hier kurz mit meiner geneigten Leserschaft teilen mag. Also:

catcher in the rye

J.D. Salinger: Catcher in the Rye. Keine Überraschung soweit. Kennt vermutlich jeder. Kann mich, offenbar im Unterschied zu Millionen anderer, mit Holden Caulfield nicht wirklich identifizieren, und das ganze Geschehen ist aus der Sicht von 2007 doch schon relativ weit weg. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich es eben nicht mit 16 in der Schule gelesen habe, sondern erst als 25jähriger Student. Aber Salinger beobachtet brillant, sein Ekel über die Verlogenheit der Welt wirkt authentisch, die Konflikte sind zeitlos. Wer’s noch nicht kennt und mal auf Deutsch lesen mag, sollte die Übersetzung von Eike Schönfeld wählen, die ist einigermaßen gut getroffen. O-Ton (US-Ver.): Among other things, you’ll find that you’re not the first person who was ever confused and frightened and even sickened by human behavior. You’re by no means alone on that score, you’ll be excited and stimulated to know. Many, many men have been just as troubled morally and spiritually as you are right now. Happily, some of them kept records of their troubles.

high fidelity

Nick Hornby: High Fidelity* . Jaja, auch kein Geheimtipp. Bin kein ganz großer Hornby-Fan, weil ich — außer diesem Buch und Fever Pitch — eigentlich nichts von ihm so richtig mag. High Fidelity aber fließt leicht dahin, ist hübsch konstruiert, agiert mit nachvollziehbarem Personal. Klingt alles so, als wäre es nicht erfunden, sondern nach eigenen Erlebnissen einfach aufgeschrieben. Und das meiste, was er über Männer und Musik schreibt, ist so wahr, dass man Frauen verbieten sollte, dieses Buch zu lesen. Zu viele Geheimnisse. Ein Fall für den Index. O-Ton: What came first, the music or the misery? People worry about kids playing with guns, or watching violent videos, that some sort of culture of violence will take them over. Nobody worries about kids listening to thousands, literally thousands of songs about heartbreak, rejection, pain, misery and loss. Did I listen to pop music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to pop music?

tender bar

J.R. Moehringer: Tender Bar* . Hier gilt dasselbe, was ich eben bei Hornby geschrieben habe, nur noch stärker — Tender Bar ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern eine Autobiographie. Moehringer hat das, was er in seinem Erstlingswerk schreibt, erlebt und nicht erfunden. Dementsprechend nah ist er an seinen Figuren dran. Das Buch hat traurige Stellen, lehrreiche Stellen, bezaubernde Stellen, spannende Stellen — alle vereint, alle brillant geschrieben. Ich hab’s übrigens nicht geblättert, sondern gehört — das deutsche Hörbuch (Sprecher: Ulrich Noethen) ist angenehm unaufgeregt vorgelesen und moderat gekürzt. O-Ton (engl. Vers.): Think about fear, decide right now how you’re going to deal with fear, because fear is going to be the great issue of your life, I promise you. Fear will be the fuel for all your success and the root cause of all your failure, and the underlying dilemma in every story you tell yourself about yourself.

Die E-Mail im Spiegel des Fortschritts

by Gunnar on 11. Juni 2007 · 17 comments

1997 hat man eine Mail geschickt und eine Stunde später angerufen, um zu fragen, ob der Adressat sie bekommen hat. Weil man der neuen Technik noch nicht traute.

2007 schickte man eine Mail und ruft eine Stunde später an, um zu fragen, ob der Adressat sie bekommen hat. Weil man dem Spam-Filter nicht vertraut.

2012 schickt man eine Mail und wird eine Stunde später angerufen, dass die Mail alle Sicherheitsbarrieren, Spam-Filter, Firewalls und persönliche Kontrollen passiert hat und jetzt auf dem Weg zum Sicherheitssystem des Adressaten ist.

2017 schickt man eine Mail und wird eine Stunde später von einem Systemroboter angerufen, der anhand der Stimmerkennung feststellen will, ob man wirklich der genannte Absender ist. Ursprung ist das Weltgestetz 2013-17-22AGE, in dem bestimmt wurde, dass es keine anonymen Postfächer mehr geben darf.

2022 schickt man eine Mail und wird eine Stunde später korrekt darüber informiert, in welchen Datenbanken man eingetragen wurde. Dieser Schritt wird als Maßnahme der Transparenz verstanden. Und als Schritt zur Beruhigung der wegen des Datensammelwahns der Telekommunikationsunternehmen verstimmten Bevölkerung. Durch staatliche Intervention sind allerdings die Datenbanken von BKA, BND und allen LKAs nicht mehr in der Liste vertreten.

2027 schickt man eine Mail und wird eine Stunde später festgenommen wegen Benutzung terroristischer Infrastruktur.

Update: Mashup meines eigenen Beitrags mit dem Kommentar von Christopher.

Wahlcomputer lernt Schach

by Gunnar on 10. Juni 2007 · 14 comments

Kurzer Hinweis: Bei Heise gibt es, unter Bezug auf den Spiegel von morgen, ein paar neue Infos zum Thema Manipulierbarkeit von Wahlcomputern. Klingt unspektakulär, ist aber sehr spannend zu lesen, vor allem im Gutachten des umtriebigen Chaos Computer Clubs, der sich die Mühe gemacht hat, bei dem Quasi-Monopolhersteller Nedap mal unter die Hauben der Maschinen zu gucken. Zitat (in der typisch trockenen Ingenieurssprache der CCC-Aktivisten):Die Erstellung einer das Stimmergebnis manipulierenden Software für die NEDAPWahlcomputer
war ohne jegliche Kenntnis des Quellcodes mit geringem Aufwand möglich.
Die Software kann so gestaltet werden, daß eine Erkennung der Manipulation von
außen nicht möglich ist. Das Einsetzen der manipulierten Software in den Wahlcomputer kann auch von technisch wenig versierten Personen in wenigen Minuten vorgenommen werden.

Beweis hier. Die CCC-Jungs haben auch mal eben ein Schachprogramm auf der Wahlmaschine laufen lassen, obwohl die ja angeblich nur eine Art von Software abspielen kann. Naja. Wobei das Manipulieren derzeit eigentlich eine Nebensache ist — sicherlich lassen sich, mit ausreichend krimineller Energie, auch normale Stift-Zettel-Kreuzchen-Wahlen irgendwie fälschen, zumindest teilweise.
Das offensichtlichere Problem ist die Überprüfbarkeit der Wahlen: Was tun die Wahlbehörden, wenn ich, etwa als Kandidat der Freie Spiele für alle-Partei, nicht mit meinen 0,017 Prozent zufrieden bin und eine Neuauszählung verlange? Das Ding einen Checksum-Test durchlaufen lassen? Mir die Ergebnisse nochmal in einem anderen Font ausdrucken? Fälschungen oder Fehler sind im Nachhinein kaum mehr zu überprüfen, die notwendige öffentliche Kontrolle (siehe BWahlG §§ 10) ist quasi ausgehebelt. Das ist schlicht verfassungswidrig. Zudem: Risiko und Chancen halten sich hier keineswegs die Waage — auf der Risiko-Seite liegt sozusagen ein LKW-Motorblock in der Schale, auf der Nutzen-Seite ein Büschel Pfauenfedern.

Weitere Infos: CCC-Wiki | Wikipedia | Petition | BVG-Beschwerde

Die Redaktion

by Gunnar on 9. Juni 2007 · 19 comments

gamestar die redaktion

Um mal rasch Schleichwerbung offene Eigenwerbung zu betreiben: GameStars hübsches DVD-Set Die Redaktion: Collector’s Edition, mit allen bisher erschienenen Folgen der beliebten gleichnamigen Comedy-Serie, ist seit einiger Zeit erhältlich. Wir sprechen hier von einer mit sehr viel Liebe und gehörigem Nerdtum produzierten Box, die drei (!) randvolle DVDs enthält, die gemeinsam eine Gesamtspielzeit von nicht weniger als 348 Minuten auf die Waage bringen. In 16:9 und Dolby Digital 2.0; mit Extras, Kommentarspur, Making ofs und all dem Schnickschnack, den man bei DVD-Kollektionen heutzutage so macht.
Kann das Ding aus vollem Herzen empfehlen. Wirklich. Kostet 12,99.

Geld übrig? Zu kaufen gibt es die Box im GameStar-Shop oder bei Amazon.

Reingucken? Der Vorschau-Trailer findet sich hier und natürlich auch
hier.

die redaktion

Cooles Video, cooler Song. Wir hören die weißrussische Band Lyapis Trubetskoj. Der Refrain lautet auf Deutsch übrigens:

In der Linken ein Snickers,
In der rechten Hand – Mars
Mein PR-Manager ist
Karl Marx

Die Herren in Schwarz

Juni 8, 2007

Nun, die freundliche Polizei hat den Einsatz von Zivilpolizisten bei den Krawallen rund um den G8-Gipfel bestätigt, nachdem es da einigen Ärger gegeben hatte. Und wenn wir ehrlich sind, so überraschend ist das alles nicht. Derlei Beobachter setzt die Polizei schon lange ein, ich erinnere mich noch gut an die kurzgeschorenen Herren in Göttingen, die […]

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Tutti Frutti

Juni 7, 2007

Bin ich eigentlich überhaupt noch ein vollwertiges Mitglied der bundesdeutschen Mediengesellschaft, wenn ich niemals nie Auswanderershows gucke? Oder Erziehungsshows? Oder Doku-Soaps? Oder Renovierungssendungen? Oder Kochshows mit oder ohne Prominente? Oder sonstwie was von dem, was heute im TV um die Werbeblöcke gestrahlt wird und von Niveau her nie das erreicht, was man früher “unterer Durchschnitt” […]

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