Kauderwelsch

by Gunnar on 3. Juni 2007 · 9 comments

Sie sitzt mir in der S-Bahn gegenüber, eine junge Frau, bisschen dick, bisschen einfach, das, was man in England früher plain Jane nannte. Ihr Freund steht, weil kein Platz mehr war, sie muss den Kopf drehen, wenn sie ihn ansprechen will. Das tut sie jetzt, sagt ein paar Worte, sehr kehlig und hart und abgehackt. Kroaten, denke ich, vielleicht auch Serben. Jedenfalls Touristen aus dem Osten, dazu passen ja auch der Rucksack und die markenfreien Klamotten, schlichte Jeans und T-Shirts. Ihr Freund antwortet in einem ähnlichen Duktus und, oh, da war doch ein deutsches Wort dabei, bis zur Unkenntlichkeit entstellt allerdings. Niederbayrisch. Dann redet sie wieder, ich höre genau hin, verstehe nicht, was sie sagt, aber offenbar spricht auch sie Bayrisch, kein Kroatisch. Ogott, neun Jahre in Bayern und noch immer erkenne ich gewisse finstere Spielarten des Bayrischen nicht einmal als der deutschen Sprachfamilie zugehörig. Ob diese Leute nur unter sich so reden? Ob sie in, sagen wir, Hannover ein Bier bestellen könnten, ohne mit dem Finger auf die Theke zu zeigen? Ob man in dieser Sprache wissenschaftliche Vorträge halten kann? Fremd, sehr fremd.

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