Männerbücher

by Gunnar on 12. Juni 2007 · 14 comments

Es gibt, im gigantischen Universum zeitgenössischer Literatur, einige Fixsterne für mich. Bücher, bei denen ich mich als Mann verstanden fühle. Klar, auch Frauen schreiben hübsche Bücher, und klar, die Probleme des Mannseins sind nicht das einzige Thema über das ich gerne lese. Dennoch haben sich mir einige Werke so besonders in Hirn und Herz eingebrannt, dass ich sie hier kurz mit meiner geneigten Leserschaft teilen mag. Also:

catcher in the rye

J.D. Salinger: Catcher in the Rye. Keine Überraschung soweit. Kennt vermutlich jeder. Kann mich, offenbar im Unterschied zu Millionen anderer, mit Holden Caulfield nicht wirklich identifizieren, und das ganze Geschehen ist aus der Sicht von 2007 doch schon relativ weit weg. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich es eben nicht mit 16 in der Schule gelesen habe, sondern erst als 25jähriger Student. Aber Salinger beobachtet brillant, sein Ekel über die Verlogenheit der Welt wirkt authentisch, die Konflikte sind zeitlos. Wer’s noch nicht kennt und mal auf Deutsch lesen mag, sollte die Übersetzung von Eike Schönfeld wählen, die ist einigermaßen gut getroffen. O-Ton (US-Ver.): Among other things, you’ll find that you’re not the first person who was ever confused and frightened and even sickened by human behavior. You’re by no means alone on that score, you’ll be excited and stimulated to know. Many, many men have been just as troubled morally and spiritually as you are right now. Happily, some of them kept records of their troubles.

high fidelity

Nick Hornby: High Fidelity* . Jaja, auch kein Geheimtipp. Bin kein ganz großer Hornby-Fan, weil ich — außer diesem Buch und Fever Pitch — eigentlich nichts von ihm so richtig mag. High Fidelity aber fließt leicht dahin, ist hübsch konstruiert, agiert mit nachvollziehbarem Personal. Klingt alles so, als wäre es nicht erfunden, sondern nach eigenen Erlebnissen einfach aufgeschrieben. Und das meiste, was er über Männer und Musik schreibt, ist so wahr, dass man Frauen verbieten sollte, dieses Buch zu lesen. Zu viele Geheimnisse. Ein Fall für den Index. O-Ton: What came first, the music or the misery? People worry about kids playing with guns, or watching violent videos, that some sort of culture of violence will take them over. Nobody worries about kids listening to thousands, literally thousands of songs about heartbreak, rejection, pain, misery and loss. Did I listen to pop music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to pop music?

tender bar

J.R. Moehringer: Tender Bar* . Hier gilt dasselbe, was ich eben bei Hornby geschrieben habe, nur noch stärker — Tender Bar ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern eine Autobiographie. Moehringer hat das, was er in seinem Erstlingswerk schreibt, erlebt und nicht erfunden. Dementsprechend nah ist er an seinen Figuren dran. Das Buch hat traurige Stellen, lehrreiche Stellen, bezaubernde Stellen, spannende Stellen — alle vereint, alle brillant geschrieben. Ich hab’s übrigens nicht geblättert, sondern gehört — das deutsche Hörbuch (Sprecher: Ulrich Noethen) ist angenehm unaufgeregt vorgelesen und moderat gekürzt. O-Ton (engl. Vers.): Think about fear, decide right now how you’re going to deal with fear, because fear is going to be the great issue of your life, I promise you. Fear will be the fuel for all your success and the root cause of all your failure, and the underlying dilemma in every story you tell yourself about yourself.

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