Wahlcomputer lernt Schach

by Gunnar on 10. Juni 2007 · 14 comments

Kurzer Hinweis: Bei Heise gibt es, unter Bezug auf den Spiegel von morgen, ein paar neue Infos zum Thema Manipulierbarkeit von Wahlcomputern. Klingt unspektakulär, ist aber sehr spannend zu lesen, vor allem im Gutachten des umtriebigen Chaos Computer Clubs, der sich die Mühe gemacht hat, bei dem Quasi-Monopolhersteller Nedap mal unter die Hauben der Maschinen zu gucken. Zitat (in der typisch trockenen Ingenieurssprache der CCC-Aktivisten):Die Erstellung einer das Stimmergebnis manipulierenden Software für die NEDAPWahlcomputer
war ohne jegliche Kenntnis des Quellcodes mit geringem Aufwand möglich.
Die Software kann so gestaltet werden, daß eine Erkennung der Manipulation von
außen nicht möglich ist. Das Einsetzen der manipulierten Software in den Wahlcomputer kann auch von technisch wenig versierten Personen in wenigen Minuten vorgenommen werden.

Beweis hier. Die CCC-Jungs haben auch mal eben ein Schachprogramm auf der Wahlmaschine laufen lassen, obwohl die ja angeblich nur eine Art von Software abspielen kann. Naja. Wobei das Manipulieren derzeit eigentlich eine Nebensache ist — sicherlich lassen sich, mit ausreichend krimineller Energie, auch normale Stift-Zettel-Kreuzchen-Wahlen irgendwie fälschen, zumindest teilweise.
Das offensichtlichere Problem ist die Überprüfbarkeit der Wahlen: Was tun die Wahlbehörden, wenn ich, etwa als Kandidat der Freie Spiele für alle-Partei, nicht mit meinen 0,017 Prozent zufrieden bin und eine Neuauszählung verlange? Das Ding einen Checksum-Test durchlaufen lassen? Mir die Ergebnisse nochmal in einem anderen Font ausdrucken? Fälschungen oder Fehler sind im Nachhinein kaum mehr zu überprüfen, die notwendige öffentliche Kontrolle (siehe BWahlG §§ 10) ist quasi ausgehebelt. Das ist schlicht verfassungswidrig. Zudem: Risiko und Chancen halten sich hier keineswegs die Waage — auf der Risiko-Seite liegt sozusagen ein LKW-Motorblock in der Schale, auf der Nutzen-Seite ein Büschel Pfauenfedern.

Weitere Infos: CCC-Wiki | Wikipedia | Petition | BVG-Beschwerde

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