August 2007

Uh. Äh. Wie bitte?

by Gunnar on 28. August 2007 · 14 comments

ein kind? von mir?

Keine Ahnung, was hinter dieser Sache steckt — diese freundliche Dame tauchte am zweiten Tag der Leipziger Games Convention plötzlich am GameStar-Stand auf, presste ihren Zettel mit Händen und Brüsten an die Scheibe und verschwand wieder.

Verfehlte Familienplanung? Blöde Wette verloren? Ein Scherz eines Industriekollegen, der eine seiner Messehostessen zu diesem absurden Zwecke zu uns beordert hat? Fragen über Fragen. Ich hätte da ja den einen oder anderen Verdacht. Naja, die Zeugen des Vorfalls fanden es jedenfalls witzig, nach allem, was man hört.

Ich war zu dem Zeitpunkt gerade nicht vor Ort, konnte also nicht nachfragen. Was mir immerhin erspart hat, peinlich berührt inmitten johlender Kollegen zu stehen.

Schicksal. Und Ironie und so.

by Gunnar on 27. August 2007 · 7 comments

Es mag sich kaum noch jemand erinnern, aber die Firma Virgin Interactive war mal ein Mega-Spielepublisher. Hat Westwoods Command and Conquer und Lands of Lore vertrieben, die Rollenspiele von Bethesda, massenhaft coole Adventures (Baphomets Fluch, Kyrandia, Bladerunner), Earthworm Jim 2 und noch so vieles mehr. Es ging dann Ende der 90er abwärts, Bladerunner war ein Flop, EA übernahm Westwood, hohe Kosten, sinkende Einnahmen et cetera. Irgendwann kaufte der französische Publisher Titus das, was übrig war.

Soweit nix besonderes, derlei Geschichten gibt’s ja überall und in jeder Industrie. Die nette Fußnote ist, dass ich neulich in einem alten Heft eine Anzeige für die Webseite vid.de sah, seinerzeit die Webpräsenz von Virgin Interactive Deutschland. Schöne Domain eigentlich, dachte ich, wem gehört die wohl jetzt? Und? Ironie des Schicksals: dem Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands e. V. Absurd. Ich kann mir genau den Ablauf vorstellen:

Verband der Insolvenzverwalter (sieht aus wie Gollum im Anzug): Guten Tag, wir heißen so ähnlich wie Sie und wollen ihre kleine Domain kaufen. Wir dachten an 5000 Mark.

Virgin Interactive Deutschland (smarter junger BWLer mit T-Shirt und Turnschuhen): Quatsch. Hinfort, ihr Geier. Wir sind ein aufstrebendes Software-Unternehmen, wir brauchen unsere Domain selber.

Verband der Insolvenzverwalter: Hm. Ich werde meinem Herren ihre Antwort überbringen. We’ll be back.

(Zwei Jahre später)

Verband der Insolvenzverwalter: Guten Tag, wir haben gerade das Insolvenzverfahren über Sie eröffnet. Können Sie sich bitte ausziehen und vorbeugen? Ach, eine Kleinigkeit noch vorab: Wir würden 50 Mark für ihre schäbige kleine Domain bieten. Oder nein, 5 Mark sind auch genug.

Virgin Interactive Deutschland: Ja, Sir. Vielen Dank, Sir. Haben Sie’s gleich in bar da?

Stillstand

by Gunnar on 19. August 2007 · 17 comments

Ach, so gerne würde ich bloggen, schreiben, ein Feuerwerk an Weisheiten in die Luft ballern, so schmerzhaft hell, dass erblindet, wer es sieht. Aber die Welt, die böse Welt, sie lässt mich nicht — der Job verbrennt meine Zeit, das Leben schenkt mir keine Inspiration.
Und jetzt muss ich auch noch nach Leipzig, auch nicht eben der Ort, der mich normalerweise zu literarischen Höchstleistungen anspornt. Naja, mal sehen. Demnächst mehr an dieser Stelle.

Der ZDF-Intendant Markus Schächter, 57, warnt: “Wir müssen höllisch aufpassen, dass es nicht zu einem Generationenabriss kommt.” Dies sagte Schächter in einem Gespräch mit dem kressreport. Im Mai erreichte das ZDF bei der Zielgruppe der 14-49-Jährigen einen Marktanteil von 5,7 % – ein historischer Tiefstand. Im Juni lag der Marktanteil bei 5,9 %. Obwohl das ZDF “Fernsehen für alle” mache, gelte es, junge Zuschauer vor allem auf neuen digitalen Plattformen mit Angeboten anzusprechen. (kress.de)

Aha. Fernsehen für alle. Sicher. Ich mag mich ja täuschen, aber mein Gefühl sagt, wenn das ZDF mal was für Zuschauer außerhalb seiner vergreisenden Zielgruppe macht, dann verstecken sie’s im Nachtprogramm, wie am nächsten Dienstag die sich ganz spannend anhörende Doku Punk im Dschungel. Auf den guten Sendeplätzen dominieren Volksmusik, Berge, Königshäuser, Krimis, Schmonzetten und derlei mehr. Ich wüsste nicht, wann ich zuletzt das ZDF bewusst eingeschaltet hätte, zu Länderspielen vielleicht. Liebe Leute, klar laufen die Kiddies in Scharen zu den bösen digitalen Plattformen über (von denen ihr, ja sicher, gebührenfinanziert auch noch welche braucht), aber Content ist immer noch Content. Hättet ihr Inhalte, die Leute unter 65 interessieren würden, dann hättet ihr auch bessere Marktanteile in der werberelevanten Zielgruppe. Bestimmt.

Das Dauerveto

by Gunnar on 9. August 2007 · 16 comments

Einerseits ist es bekanntlich eine Schande, dass heutzutage nichts mehr für die Ewigkeit gebaut wird und alles immer schlechter und Anzüge kaputt nach drei Mal tragen und Schuhe, ach Schuhe und Autos, vollständig Plastik, mag man gar nicht von reden und Mahlwerke von Kaffeeautomaten, quasi mit Ablaufdatum, damit man bald einen neuen braucht und überhaupt. Alles geht den Bach runter.
Andererseits hätte ich gerne einen neuen Fernseher, mit flach und so. Aber das Drecksding in unserer guten Stube, noch zu DeMark-Zeiten als Übergangslösung billig, billig bei einem, uh, Supermarkt gekauft, das Ding will nicht kaputt gehen. Und die Liebe meines Lebens legt regelmäßig ein Veto ein, wenn’s um den Neukauf von Technik geht, die zwar scheiße ist, aber irgendwie noch funktioniert. Wie China im UN-Sicherheitsrat, wenn Sanktionen gegen moralisch verrottete, aber mit dem Getreidebudget immerhin ordentlich Waffen kaufende Diktaturen beschlossen werden sollen. Ach, der alte Sanyo-Fernseher ist quasi der Idi Amin meines Wohnzimmers.

666 Zeichen Mord

by Gunnar on 7. August 2007 · 17 comments

Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass es unmöglich ist, Menschen mit purer Geisteskraft zu töten. Ich habe es versucht, und ich hatte eigentlich alles: zen-artige Konzentration, puren Glauben, Koffein im Blut und absoluten Hass. Ich habe versucht, meine blutroten Gedanken in seinen Kopf zu bohren, ihm mit telepathischen Messern die Schädeldecke aufzubrechen, das Hirn zu zerfleischen. Lange Minuten. Es hätte ihm der Kopf explodieren müssen. Aber er bekam nicht einmal Nasenbluten. Einmal hat er kurz an die Schläfe gefasst, da dachte ich schon, dass sein Ende kurz bevor steht. Aber er wollte nur eine Mücke verscheuchen. Offensichtlich ist das mit der Telepathie ein Irrweg, ich verlege mich jetzt auf den Erwerb von Plutonium, die Russen haben damit ja gute Erfolge erzielt, hört man.

Herr Kaliban am 3. August

by Gunnar on 3. August 2007 · 14 comments

Spielen: The Darkness, Jack Keane.
Lesen: Den Harry Potter, den neuen. Muss man ja.
Hören: Neil Gaiman: Two Plays for Voices (Hörbuch). Grandios.
Sehen: Firefly. Nochmal. Ach. Und das hier.
Coole Seite, die jeder schon kennt, die ich aber eben erst entdeckt habe::
Threadless.com

Heute hier, morgen dort

by Gunnar on 2. August 2007 · 5 comments

Man hört ja immer, dass so hippe Web2Dings-Medienmenschen vielreisend ihre jeweiligen Standorte online dokumentieren und dann von überall aus noch Profundes bloggen oder twittern oder diktieren oder wasweißich. Ich bin dazu weder proaktiv noch hip genug, will aber wenigstens guten Willen zeigen und mal hier hinkleben, wo man mich demnächst überall so antreffen kann. Vielleicht sieht man sich ja.

Wo? Wann? Worum geht’s?
Making Games
, München
26.7., 14:00 Moderation des Konferenz-Tracks Online-Welten
Stragula, München 4.8., 20:00 Lesung im Rahmen von Westend ist Kiez
GCDC, Leipzig 20.8., 17:00 Moderation des Panels Storytelling mit Tim Schafer, Bob Bates, Ken Rolston
GC, Leipzig 23.8., 11:00 Fragestunde am GameStar-Stand (H2, E35)
GC, Leipzig 24.8., 10:00 Fragestunde am GameStar-Stand (H2, E35)
GC, Leipzig 24.8., 14:00 Teilnahme an der Podiumsdiskussion Kultur<->Games<->Bildung
GC, Leipzig 25.8., 11:00 Fragestunde am GameStar-Stand (H2, E35)
Medientage, München 7.11., 16:00 Moderation des Panels Mobile Gaming
VII. Medienethik-Symp., Stuttgart 5.12. Referent beim Panel Darstellungen in Computerspielen

Keine Garantie, natürlich. Wird übrigens nach hinten hin eher unvollständig. Vielleicht update ich es irgendwann noch mal, vermutlich aber nicht.

Panik in Zeiten der (Online-)Pest

by Gunnar on 1. August 2007 · 4 comments

Es wird schwierig bleiben für Verlage im Informationszeitalter, wenn Macht und Know-how weiterhin so diametral über die Hierarchie verteilt sind.

Phillip Steffan schreibt über seinen Rauswurf bei der Axel Springer AG.