September 2007

Herr Kaliban, heute

by Gunnar on 30. September 2007 · 38 comments

Gerade höre ich… I am Kloot: Gods and Monsters *
Gerade spiele ich… Civ: Revolution *
Gerade lese ich… Adam Soboczynski: Die schonende Abwehr verliebter Frauen *
Letzter guter Film im TV… Im Bann des Jadeskorpions *
Letzte Reise war nach… Berlin
Zu was ist es? Zu warm. Klar.

Kontaktfeindliche Norddeutsche

by Gunnar on 25. September 2007 · 20 comments

Der Norddeutsche an sich, ach, der ist ja ziemlich spröde, schroff auch zuweilen, es fehlt ihm an der Fähigkeit, sich gehen zu lassen. So oder ähnlich redet man hier in den katholischen Landstrichen, wo man sich für herzlicher, humorvoller und feierfreudiger hält. Keine Ahnung, wie die Niederbayern in dieses Bild passen wollen, aber egal, darum geht es hier nicht. Es ist durchaus so, dass ich, so sagt man mir, einigermaßen das Klischee vom steifen Protestanten erfülle. Ich habe nämlich dieses kleine Problem, dass ich Menschen, halbfremde zumal, nicht gerne anfasse. Und nicht gerne angefasst werde — es gibt da diese 80-Zentimeter-Hoheitszone um mich herum, in die bitte niemand einzudringen hat. Die Partnerin, langjährige Freunde, kleine Kinder, das geht schon. Aber einer Dame knapp nach dem “Du” vertraulich um die Hüfte zu langen, um ihr dann angedeutete Luftküsse um die Ohren zu busseln, das liegt mir nicht. Unter Männern eskaliert das ja nicht so schnell, der feste Händedruck geht immer, auch nach 20 Jahren enger Freundschaft. Es gibt allerdings da ein übervertrauliches Schulterklopfen, das häufig Vorgesetzte bei Untergebenen machen und mich ebenfalls immens stört. Aber das ist, glaube ich, ein allgemeineres Phänomen und keine nord-/süddeutsche Frage.
Frauen hingegen haben‘s zum einen nicht so mit dem Händedruck, das fühlt sich häufig falsch an, und sind zum anderen in Süddeutschland ab einem gewissen Intimitätsgrad auf das Bussi geeicht und akzeptieren die Hand nur mit einem gewissen Unwillen und kraus gezogener Stirn. Ich begreife da die Regeln auch nicht genau und bin dementsprechend zuweilen überrascht, wenn ich die Hand ergreifen wollte und die Dame in Vollkontakt geht. Schlimm. Komme mir immer vor wie ein Bauer.

Muss dringend zurück nach Norddeutschland.

Total viral

by Gunnar on 24. September 2007 · 14 comments

Hallo Gunnar,
ich bin David, selber Blogautor und melde mich heute mal in eigener Sache. Weil ich denke, die Info könnte interessant für Deine Leser sein. […blabla…]
[…blabla…]
Schönen Dank im Voraus auf jeden Fall, wenn Du einen kurzen Post schreibst. Solltest Du noch Fragen haben, meld Dich einfach.
Beste Grüße,
David

Mal abgesehen von der ungehörigen Duzerei, der hilflosen Ansprache und der Tatsache, dass der besagte David nicht im handelsüblichen Sinne Blogautor ist, sondern lediglich ein Firmenblog betreibt — zunehmend erreichen mich Mails*, die persönlich klingen sollen, aber natürlich mit gleichem Wortlauf ebenso an andere Blogger gehen. Mit dem Zweck, durch Postings über das vom Absender gewünschte (stets kommerzielle) Sujet Aufmerksamkeit und Google-relvante Links zu erzeugen. Absurd. Macht natürlich auch kein Blogger, der noch wenigstens über 50 Prozent Resthirn verfügt. Aber hey, so weit ist es gekommen mit den Blogs, jetzt sind wir ein Punkt auf der Rechnung einer Werbeagentur. Ziemlich weit unten:
Virale Aktionen (Blogszene) — 2.500 Euro.

Herr Tamm nimmt die Bahn. Das ist viel gefährlicher als Auto fahren, weil man nichts tun muss außer sitzen und deshalb Zeit zum Denken hat. Wer sich da nicht konsequent betäubt, mit Musik, Literatur oder Alkohol, der ist sich ausgeliefert. Tamm hat eine Abneigung gegen das Betäuben, versucht es aber probehalber mit Musik. Das geht eine halbe Stunde lang gut, dann springt der Shuffle auf ein altes Lied, ein trauriges Lied. Und Tamm denkt an Irina. Irina ist fort, zwei Jahre schon. Aber er trägt ihre Bilder im Kopf, einen unerschöpflichen Fundus — Geschichten, Situationen, Szenen. Er denkt täglich, manchmal stündlich an sie, und noch immer fallen ihm neue Bilder ein. Bilder von ihr, an die er in den zwei vergangenen Jahren nicht gedacht hat. Das letzte, aufgetaucht aus dem Nichts, ohne Verbindung anderen Gedanken, trifft ihn jetzt: Ihr Blick über die Schulter, im Rennen zum Bus, der schon die Türen schließt. Sie schaut zurück, ob er nachkommt und lacht auf ihre “Wir schaffen das”-Art. Dunkle Haarsträhnen wirbeln ihr durchs Gesicht, ihre Wangen sind vom Laufen leicht gerötet. Dieses Bild hält er fest und zieht Zeitlinien ein. Kurz danach: Ihr Kopf lehnt schwer an seiner Schulter, sie sitzen hinten im Bus, sie hat ihre Hand auf seinem linken Bein. Kurz davor: ihre kraus gezogene Stirn, als sie ihre Tasche die Treppe zum Busbahnhof hinauf wuchtet, seine ausgestreckte Hand ignorierend.

Tamm schilt sich einen nachlässigen Narren, weil er das Lied auf der Festplatte gelassen hat, anstatt es zu löschen, dieses gefährliche Lied, dieses tödliche Lied. Musik sollte nicht genossen, sondern verwendet werden, benutzt wie ein Werkzeug, denkt er. Um Stimmungen zu unterstützen, Bewegung im Takt zu halten, Revolutionen anzuheizen. Keinesfalls dürfen Lieder einfach gehört werden. Traurige Lieder, sentimentale Lieder sind Zielscheiben für Gedanken über die Liebe. Ach, die Liebe. Oft denken wir an sie, in all ihren Verkleidungen, all ihren missgestalteten Formen. Selten reicht einer unserer Gedanken über das alltägliche Begehren, das banale Aushandeln, das tausendmal Erlebte hinaus. Wenn doch, wenn er einmal die Zielscheibe trifft, anstatt harmlos von der Wand abzuprallen, dann bleibt er stecken und bildet mit dem Lied eine neue Form. Wie ein seltenes Kleinod oder auch wie eine misslungene Skulptur, wir lieben beides, das Perfekte und das Fehlerhafte. Und doch ist beides eine Gefahr für alle jene, die wenigstens noch versuchen, die Kontrolle über das eigene Ich aufrechtzuerhalten.

Tamm bricht den Song ab, springt auf etwas Schnelleres, Trivialeres. Und Irina verblasst nach einer Weile wieder. Eine schmerzfreie Stunde vergeht. Irgendwann erreicht Herr Tamm sein Ziel, am Bahnsteig wird er erwartet.

Minesweeper: The Movie

by Gunnar on 22. September 2007 · 0 comments

You are here to SWEEP MINES!!!

Das Geheimnis der 3

by wir on 21. September 2007 · 7 comments

3

Als die PS 3 vor einiger Zeit auf den Markt kam, fiel mir etwas Seltsames auf, das manchem vielleicht entgangen ist. Man betrachte die abgebildete Drei (rechts). Aus einer Playstation-Werbung, oder?
Nee, eben nicht. Das Numeral gehört zum zur ungefähr gleichen Zeit anlaufenden dritten Spiderman.
Wirklich. Die Schriften sind eindeutig identisch. Ein Zufall? Das wäre in der Tat ein eher merkwürdiger. Zwei dritte Teile von High-Profile-Produkten der gleichen Firma, die zudem zur gleichen Zeit in den Medien sind, verwenden zufällig die gleiche Schrift? Also halten wir fest: kein Zufall.
Aber was ging in diesen Marketingabteilungen vor? Kam irgendein zugedröhnter Werbetyp auf die Idee, um “Synergien” im Werbeschrift-Department zu nutzen? Skaleneffekte im Posterdesign? Verbundeffekte in der Desktop-Wallpaper-Herstellung? Hm…
Bei der Nachforschung stellt sich heraus, dass niemand geringerer als Ken Kutaragi an dieser Absurdität Schuld hat und die Schrift tatsächlich Sony gehört.

Nun, vielleicht ist das eh schon jedem vor mir aufgefallen und das ist alles ein alter Hut hier. Kann schon sein. Allerdings habe ich noch quasi Kaliban-exklusiv eine andere, ähnliche Kampagne zu enthüllen. Und zwar wird in nächster Zeit ein weiterer Konsolenhersteller es Sony gleich tun und sein Produkt in Zusammenarbeit mit einer Filmproduktion bewerben. Es handelt sich um den zweiten Teil eines internationalen Blockbusters. Hier eine noch geheime
Preview.

[Achtung Gastautor: Jan, dem Herrn Kaliban sein geschätzter Bruder, nutzt von Zeit zu Zeit dieses Forum, um Grundsatzfragen zu klären. Der Herr Kaliban ist oft, aber nicht immer Jans Meinung.]

Gäbe es das, ich kaufte es

by Gunnar on 20. September 2007 · 10 comments

ring ring ring

Eine Designstudie eines sehr coolen Weckers — gemeinsam schlafende Partner stellen an der Basis ihre jeweilige Weckzeit ein, stecken sich ihren jeweiligen Ring an den Finger und werden dann zur hoffentlich korrekten Zeit durch Vibration geweckt ohne den Partner, die Nachbarn oder den Haushund aus dem Schlaf zu reißen.

(Via
letzthin)

Eine Geschichte über Herrn Tamm

by Gunnar on 19. September 2007 · 16 comments

Ich sehe ihn sitzen, an einem dieser spillerigen Holztische, wie man sie im Frühling in Gärten von Lokalen aufstellt. Vor ihm liegt ein Handy, ein schwarzes Sony Ericsson, das er aber nicht beachtet. Er schaut sich um, ungezielt, ohne Fokus, er langweilt sich. Er wartet auf jemanden, schaut aber nicht auf die Uhr. Er wird wissen, dass er zu früh ist. Eine überirdisch schlanke Kellnerin, ganz in schwarz, mit hochgesteckten blonden Haaren, materialisiert sich von irgendwoher. Sie sagt nichts, lächelt nur auffordernd, mit ihrem Block in der Hand, das scheint ihre Masche zu sein mit männlichen Kunden. Er schaut ihr auf die fast nicht erkennbare Rundung der Brust unter dem T-Shirt und ordert Alkohol. Das Geschöpf nickt und entschwebt.

Eine Minute verstreicht. Er sieht sich um, am Nebentisch flüstern zwei junge Frauen miteinander. Er legt den Kopf schief, um sie zu belauschen, aber es gelingt nicht. Offenbar sprechen sie mit Absicht leise, möglicherweise geht es um Wichtiges, vielleicht um die Liebe. Die Jüngere der beiden, sie mag Mitte 20 sein, schaut traurig, die andere, ältere, wirkt ernst und anteilnehmend, neigt ihren Kopf, streckt die Hand aus. Liebeskummer, denke ich. Sie flüstern weiter. Einmal entsteht eine Pause im Gespräch, und die Jüngere schaut verloren geradeaus, ins Leere und lächelt traurig. Er, ich nenne ihn mal Tamm, ich wollte schon immer mal eine Figur in einer Geschichte Tamm nennen, er also schaut sie an, ungeniert und frontal und macht ein Gesicht, als habe ihm das Lächeln ein Loch in die Herzwand geschlagen.

Die Kellnerin kommt mit dem Bier, aber es ist diesmal nicht die Elfe. Es ist eines dieser bedauernswerten dicken Mädchen, die in der Schule immer ungerecht behandelt worden sind, weil Lehrer und Schüler und Schülerinnen gleichermaßen dazu neigen, sich für unsportliche Mädchen mit schlechter Haut nicht zu interessieren. Einzig auf die Solidarität einiger matronenhafter Lehrerinnen konnten sie zählen, aber auch das nicht immer, weil sich auch hässliche Lehrerinnen lieber mit hübschen Schülern umgeben. Tamm jedenfalls ist aus seinem Traum weiblicher Schönheit geworfen, reißt sich vom Liebeskummer am Nachbartisch los und widmet sich dem Alkohol.

Die Frauen stehen auf und gehen, abrupt. Die Traurige voran, die Freundin wirft achtlos ungezähltes Geld auf den Tisch und folgt. Tamm schaut ihnen nach. Ich bin sicher, eine Sekunde lang hat er die unglückliche Frau geliebt. Unglück zieht ihn an, er ist ein Tröster, ein Beruhiger, ein Fels in der Brandung, an dem sich Menschen aufrichten können. Wenn Tamm will, kann er bezaubernd sein. Meist will er nicht. Und auch die Frau wird er in wenigen Minuten vergessen haben.

LOAD “PARADROID”, 8,1

by Gunnar on 18. September 2007 · 23 comments

Wer heutzutage einen neuen PC kauft, der packt ihn aus, schmeißt vier Kilo an Broschüren weg, darunter versehentlich die Garantie und die Bedienungsanleitung, aber wer liest schon Bedienungsanleitungen, wir sind ja Profis, also aus dem Fenster damit, wir checken das schon. Man schaltet an, wundert sich über die erstaunliche Hochstartgeschwindigkeit eines frischen, noch unvermüllten Windows und denkt vielleicht schon mit mildem Schauder daran, dass sich in etwa zwei Wochen in den schlecht durchbluteten tieferen Schichten des Betriebssystems so viel Datenschlamm gebildet haben wird, dass man nach dem Anschalten auch getrost erst einmal die Katzen füttern, die Freundin anrufen und »Die Gebrüder Karamasow« lesen kann. Dann schiebt man derlei defätistische Gedanken beseite, schaut nach der vorinstallierten Software, klickt ein bisschen rum, versucht vielleicht mutig eine Internet-Verbindung herzustellen und so weiter. Schon schön, das alles.

Als ich damals meinen ersten PC auspackte, es war ein C-64 und somit eigentlich gar kein offizieller PC, sondern nur ein Heimcomputer, obwohl das eigentlich eine blödsinnige Unterscheidung ist, aber egal, damals also war das alles ganz, ganz anders. Da gab es keine intuitive Oberfläche, nur diesen kryptischen blauen Eingabebildschirm. Nichts war zu sehen von all den tollen Sachen, die das Ding können sollte. Dabei hatte ich doch meinen Vater erzählt, dass die neumodische Maschine »mir toll bei den Hausaufgaben helfen kann«. Diese bestechende Argumentationslinie war mir von einem Schulfreund nahegelegt worden. Naja. Sinn bekam das alles erst, als ich (per »Datasette«, einem cremefarbenen Kassettenrekorder!) die ersten Spiele laufen lassen konnte. Anekdote am Rande: Tatsächlich habe ich meinen besten Freund Marco am Vorführ-C64 des örtlichen Quelle-Ladens kennen gelernt, wo die Holzmindener Dorfjugend ihre ersten Gehversuche mit Raubkopien unternahm und zu Hunderten Spiele getauscht hat. Die Chose mit den Spielen hat dann logisch und mit nur wenigen Umwegen zu meinem heutigen Beruf geführt. Ahem. Was mich daran erinnert, dass ich vor Jahren in einem Vorstellungsgespräch einem hoffnungsvollen Jungredakteur in spe mal gesagt habe, ich würde »Spielekenntnis bis zurück zum C-64« erwarten. Worauf er mich anschaute, als sei ich ein besonders lernschwaches Kind und mich in ruhigem, aber bestimmten Tonfall darauf hinwies, dass es ja wohl »N64« heißen müsse.

Warum erzähle ich das alles eigentlich? Ach, um der ungewaschenen Jugend von heute mitzuteilen, wie beschwerlich das Leben früher in der Pionierzeit war. Wir hatten ja nichts, damals. Absurd, wie stolz ich war, wenn ich ein Simpel-»Programm« hinbekommen habe, das nichts weiter tat, als den Screen farbig aufblinken zu lassen und ununterbrochen ALLE SIND DOOF AUSSER ICH hinzuschreiben. Und heute? Heute machen fünfjährige Gören Power-Point-Präsentationen für die Projektwoche im Kindergarten, stellen Kurzfilme auf Youtube und hacken sich in den Pentagon-Zentralcomputer ein und so was. Schlimm.

1968 – 2007

by Gunnar on 17. September 2007 · 8 comments

Der Rallye-Fahrer Colin McRae ist tot. Hubschrauberabsturz, dramatischerweise waren noch sein Sohn und dessen Freund im Flieger. Ich kann natürlich nicht wirklich trauern um einen Menschen, den ich nicht kannte, aber ich habe Colin vor Jahren mal interviewt und möchte aus meiner bescheidenen Perspektive anmerken, dass er ein freundlicher Mann war — professionell, begeisterungsfähig und nicht arrogant. Und irgendwie war er durch die Videospiele, die seinen Namen trugen (und bei uns Spielern immer nur kurz “Colin” hießen), ein Teil meiner Welt. Wie Tony Hawk. Geht’s dem eigentlich noch gut?

Star Wars: Revenge of the Dalai

September 16, 2007

Mehr von derlei Promi/Star Wars-Mashups gibt’s bei Worth1000, die haben mal wieder einen Photoshop-Wettbewerb gemacht. Mehr von derlei Promi/Star Wars-Mashups gibt’s bei Worth1000, die haben mal wieder einen Photoshop-Wettbewerb gemacht.

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Spiel shoppen?

September 16, 2007

Ach, eine Kleinigkeit am Rande: Wer sich mit dem Gedanken trägt, das durchaus empfehlenswerte Strategiespiel Medieval 2 zu erwerben, aber vor der Investition von rund 45 Euro zurückscheut, kann auch einfach diesem Link folgen –> Amazon.de, den offiziellen Preis von 43,95 ignorieren und bei der eigentlichen Bestellung den Gutscheincode MED29EUR eintippen, dann rechnet Amazon nur […]

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