Kontaktfeindliche Norddeutsche

by Gunnar on 25. September 2007 · 20 comments

Der Norddeutsche an sich, ach, der ist ja ziemlich spröde, schroff auch zuweilen, es fehlt ihm an der Fähigkeit, sich gehen zu lassen. So oder ähnlich redet man hier in den katholischen Landstrichen, wo man sich für herzlicher, humorvoller und feierfreudiger hält. Keine Ahnung, wie die Niederbayern in dieses Bild passen wollen, aber egal, darum geht es hier nicht. Es ist durchaus so, dass ich, so sagt man mir, einigermaßen das Klischee vom steifen Protestanten erfülle. Ich habe nämlich dieses kleine Problem, dass ich Menschen, halbfremde zumal, nicht gerne anfasse. Und nicht gerne angefasst werde — es gibt da diese 80-Zentimeter-Hoheitszone um mich herum, in die bitte niemand einzudringen hat. Die Partnerin, langjährige Freunde, kleine Kinder, das geht schon. Aber einer Dame knapp nach dem “Du” vertraulich um die Hüfte zu langen, um ihr dann angedeutete Luftküsse um die Ohren zu busseln, das liegt mir nicht. Unter Männern eskaliert das ja nicht so schnell, der feste Händedruck geht immer, auch nach 20 Jahren enger Freundschaft. Es gibt allerdings da ein übervertrauliches Schulterklopfen, das häufig Vorgesetzte bei Untergebenen machen und mich ebenfalls immens stört. Aber das ist, glaube ich, ein allgemeineres Phänomen und keine nord-/süddeutsche Frage.
Frauen hingegen haben‘s zum einen nicht so mit dem Händedruck, das fühlt sich häufig falsch an, und sind zum anderen in Süddeutschland ab einem gewissen Intimitätsgrad auf das Bussi geeicht und akzeptieren die Hand nur mit einem gewissen Unwillen und kraus gezogener Stirn. Ich begreife da die Regeln auch nicht genau und bin dementsprechend zuweilen überrascht, wenn ich die Hand ergreifen wollte und die Dame in Vollkontakt geht. Schlimm. Komme mir immer vor wie ein Bauer.

Muss dringend zurück nach Norddeutschland.

{ 19 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: