Sonntags in München

by Gunnar on 7. Oktober 2007 · 3 comments

Ach, es ist Sonntag. Und tatsächlich scheint die Sonne, wie sich das gehört, schließlich heißt der Tag ja nicht Wolkstag oder Nieseltag oder so. Und außerdem sind wir in München, wo es bekanntlich nie regnet, außer vielleicht an ungeraden Dienstagen zwischen vier und fünf Uhr morgens. Und zur Wiesn-Zeit schon gar nicht, da ist Sonne befohlen, damit die Umsätze auch schön weiter klettern. Aber was schert mich die Wiesn, ich war heuer zwei Mal beruflich da, habe somit mein Soll an Schädelweh erfüllt, und heute ist frei. Eigentlich. Eigentlich müsste ich trotzdem ein bisschen arbeiten, was der Grund ist, warum ich gerade jetzt mit dem Laptop am Küchentisch sitze und das eingangs erwähnte schöne Wetter überhaupt bemerke — das Küchenfenster zeigt nach Westen und fängt eine Menge Licht ein. Draußen im Innenhof lärmen die Nachbarskinder, auf der Bank neben mir schnurrt die Zorro-Katze, aus den Boxen der Stereoanlage schnurrt Annett Louisan und ich, ich surfe nur so rum, anstatt planvoll Aufgaben abzuarbeiten. Klicke die Blogs in meinen Linklisten durch, aber so richtig viel schreiben die Leute alle auch gerade nicht. Wobei ich, wenn ich mir mal die Mühe machen würde, alle entsprechenden RSS-Feeds zu abonnieren, mir gar nicht mehr die Mühe machen müsste, alle Blogs einzeln anzusurfen, was mir aber durchaus weniger Spaß machen würde und von so einer kühlen Effizienz wäre, die gar nicht zum Bloggen passt, und außerdem sollen die ja auch alle an den Klicks in den Referrern sehen, dass dieser spezielle Besucher über kaliban.de kam. Auch wenn’s nur ich selber war. Naja.

Ich habe übrigens eine frisch gefasste Zuneigung zu den Werken von Annett Louisan neuerdings, was irgendwie damit zu tun haben muss, dass ich kürzlich mal genauer hingehört habe und konstatieren musste, dass die Texte wirklich allerliebst sind. Gefällig formuliert, ein bisschen bissig, das passt alles. Die Musik reißt mich nicht vom Hocker, plätschert aber so fahrstuhlig dahin und tut nicht weh. Wobei ich eigentlich der Meinung bin, dass Musik prinzipiell erstmal weh tun muss, aber ich will jetzt hier nicht alte Dogmen runterreiten, ich habe offenbar noch von früher alte Meinungen im Repertoire, die ich mal wieder in einer Diskussion überprüfen müsste, vielleicht gelten sie ja gar nicht mehr. Schwer zu machen, heutzutage — engagierte Diskussionen über Grundsatzfragen wie Religion, Todesstrafe oder Staatsform sind seit dem Studium eher selten geworden und zuhause über große Themen nachdenken, das macht man ja auch nicht, wenn man nicht gerade beim Think Tank von, sagen wir, General Electric oder Google arbeitet und für’s Schlausein bezahlt wird, nicht für Resutate.

Ach, das wiegt schon alles viel zu schwer, ich gehe lieber noch rasch Kuchen holen, schließlich ist Sonntag, Sonntag soll ein leichter Tag sein. Und der Herr will doch gar nicht, dass wir an seinem Lieblingstag zu viel nachdenken. Obwohl ich wette, dass der Herr am Siebten Tage ganz schön nachgedacht hat, über die anstrengenden ersten sechs Tage beispielsweise, die Fehler, die er dabei in der Eile möglicherweise gemacht hat und was die Menschen mit der Schöpfung am Ende anfangen werden. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht hat er nur selbstgefällig auf einer Balkenspiralgalaxie herumgelegen und sich gefreut, dass er in den einzigen sechs Tagen Arbeit seines Lebens so viel erreicht hat.

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