November 2007

Neues aus der Service-Wüste

by Gunnar on 27. November 2007 · 12 comments

Neulich, da fiel mir auf, dass ich das Fitnessstudio schon eine Weile nicht mehr besucht hatte. Hatte eine Fördermitgliedschaft, sozusagen. Naja, dachte ich mir, da kann ich ein paar Kröten sparen und schickte eine Kündigung per Fax. 14 Tage später kam ein Brief der Studio-Mutterfirma, die mir nur mitteilen wollte, dass man mein Schreiben bekommen habe, vielen Dank, es in Bearbeitung sei und man sich in Kürze melden werde. Äh. Hallo? In den fünf Minuten, die es gedauert hat, den Brief auszudrucken, zu unterschreiben und einzutüten, da hätte man auch gleich meine Kündigung zur Kenntnis nehmen können. Bizarre Workflows. Egal, eine Woche später kam die Bestätigung, mit der freundlichen Ansage, dass die Kündigung Ende Mai 08 wirksam werde. Traf mich ein bisschen unvorbereitet — gibt es heutzutage, wo man sogar Zeitschriftenabos mit sofortiger Wirkung abschalten kann, tatsächlich noch so Knebelverträge, aus denen man nur mit elender Verzögerung rauskommt? Offenbar. Und habe ich sowas überhaupt unterschrieben? Offenbar. Naja, egal. Dann gehe ich jetzt eben ein bisschen trainieren, habe ja dafür bezahlt.

Geschenke für Männer

by Gunnar on 24. November 2007 · 12 comments

Alle Jahre wieder das Problem: Was schenkt man den Kerlen? Freunde, Brüder, Ehemänner — Jungs sind ja ein bisschen schwierig zu beschenken, sagt man. Oder vielleicht sagen das auch nur Frauen, die beim Schenken oft nicht nach dem männlichen Prinzip Ich schenke, was ich selber gerne hätte vorgehen, sondern Geschenke an Männer als Gelegenheit zum Upgrade begreifen. Der Typ hat keinen Schal und kauft sich auch keinen, weil es das uncool findet — zack, Weihnachten liegt ein 3-Meter-Trumm in dezentem Gelborange unter dem Baum. Seine elektrische Zahnbürste ist kaputt, zack, hier ist die neue. Er interessiert sich nicht für Philosophie, obwohl sie gerne einen Gesprächspartner hätte, an dem sie ihr Volkshochschulwissen ausprobieren kann — zack, das nächste Präsent ist Heidegger für Dummies. Oder so. Es folgen ein paar wirklich brauchbare Geschenke. With love from Kaliban.

Tipp 1: 11Freunde (Zeitschriftenabo)
Geld schießt keine Tore, Geld kann aber einem dem Sport der Sporte wohlgesonnenen Herrn das vermutlich beste Fußballmagazin der Welt verschaffen. Die 11Freunde ist immer noch ein Geheimtipp, obwohl es sie schon ein paar Jahren gibt, ein rundum gelungenes Heft über Fußball aus der Sicht wahrer Fans. Ohne Ergebnislisten, Hoeneß-Interviews und Spielerporträts zum Ausschneiden. Dafür aber mit schönen Hintergrundberichten, netten Fotos und obskuren Rubriken. Kaufen: klick.

Tipp 2: Tender Bar (Buch)
Tender Bar ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern eine erzählende Autobiographie eines eher gewöhnlichen Lebens. Der Autor, JD Moehringer, hat das, was er in seinem Erstlingswerk schreibt, erlebt und nicht erfunden. Dementsprechend nah ist er an seinen Figuren dran. Das Buch hat traurige Stellen, lehrreiche Stellen, bezaubernde Stellen, spannende Stellen — alle vereint, alle brillant geschrieben. Pflichtbuch für Männer. Gefällt jedem, quer durch alle Altersstufen. Kaufen: klick. Oder gerne auch klick. Oder vielleicht click.

Tipp 3: Beer of the Month (Bier-Abo)
Die meisten Männer trinken gern Bier. Meist dann aber das Lieblingsbier oder das, was in der Lieblingskneipe eben so ausgeschenkt wird. Zum Ausprobieren neuer Biere kommt man eigentlich immer nur auf Reisen. Schön wäre es daher, eine Art Bierkasten-Abo zu haben, wo einem einmal monatlich eine Mischung ungewöhnlicher Biere ins Haus geschickt wird. Von Kennern ausgewählt, natürlich. Kaufen: klick.

Tipp 4: Offroad fahren (Erlebnis)
Das Fahren eines Geländewagens ist eine ganz eigene Erfahrung, die viele gerne mal machen würden (gäbe es sonst so viele Kerle, die mit, uh, SUVs durch die Stadt schaukeln?). Allerdings hat kaum jemand hat Gelegenheit oder den passenden Wagen dazu. Da es in einer Dienstleistungsgesellschaft jedoch nichts gibt, was es nicht gibt, kann man solcherlei Erlebnisse aber natürlich unter fachmännischer Anleitung bestreiten. Mit Quad, Hummer, Jeep oder noch exotischeren Vehikeln. Kaufen: klick

Tipp 5: Butterfingers (ungewöhnliche Laptoptasche)
Das österreichische Designbüro Working Class Heroes fertigt in kleinen Auflagen schicke Taschen aus Leder und Filz, fernab des Massengeschmacks. Gibt’s nur über Etsy. Ist teuer, sieht aber gut aus und hat nicht jeder. Kaufen: klick.
P.S. Die iPod-Tasche vom gleichen Hersteller ist auch ziemlich hübsch.

Lesetipp: Trigger Happy

by Gunnar on 23. November 2007 · 1 comment

Trigger Happy von Steven Poole ist ein nicht mehr ganz neues, aber sehr flott geschriebenes Buch über die kulturelle Bedeutung von Videospielen. Kommt mit wenig Insider-Anspielungen aus, ist also für jeden konsumierbar, der sich für Medien und ihre Wirkung interessiert. Lesbar für: Spieler, Intellektuelle ohne Vorurteile, Eltern, Professoren. Und die Neuigkeit: Man kann es beim Autor persönlich als E-Book kostenlos herunter laden.

Mysterien des Alltags

by Gunnar on 20. November 2007 · 11 comments

Interessant, wie es die Frisöse immer wieder schafft, die schwarzen Haare wegzuschneiden und die grauen stehen zu lassen. Nach jedem Friseurbesuch sehe ich zwei Jahre älter aus. Wo soll das hinführen?

Lesetipps

by Gunnar on 19. November 2007 · 2 comments

Germans can get pregnant from the sound of David Hasslehoff’s voice. // The Russian National Anthem is Actually Plagiarized Star Trek Fan Fiction. — Blogger Jezztek versorgt die staunende Welt mit zahllosen wohlfeilen Stereotypen und Vorurteilen. Kann man ja immer brauchen.

Ich bin voreingenommen in dem, was ich nun schreibe. Ich bin, wenn man denn so will, als Lobbyist unterwegs. Denn ich lese, seitdem ich mich erinnern kann, Science Fiction. — Björn verteidigt, belesen und eloquent wie immer, auf seinem agitpopblog die Science Fiction-Literatur. Sehr lesenswert, obwohl er dauernd von “Skiffy” spricht, wenn er Sci-Fi meint, was ich vage eklig finde.

Da wurde ich geholfen

by Gunnar on 18. November 2007 · 5 comments

Vielen Dank, dass Sie sich mit dem Kundendienst von Xxxxxx in Verbindung
gesetzt haben. Wir können Ihnen versichern, dass auf unserer Seite keine Probleme vorliegen. Der Fehler, welchen Sie uns beschreiben deutet auf einen lokalen Fehler hin,
meist verursacht durch eine fehlerhafte Konfiguration.
Da jedes System individuelle Konfigurationseinstellungen besitzt, möchten wir
Sie an dieser Stelle an die jeweilige Dokumentation bzw. den Support des
jeweiligen Herstellers wenden, in diesem Falle an den XBOX Live Support.

Klar. Wenn alle anderen Spiele funktionieren, eures aber nicht, dann liegt’s an meiner fehlerhaft konfigurierten (huh?) Konsole. Vielen Dank, liebe Firma Xxxxxxx. Grrr. Ach, und anders als von euch in einer zweiten Mail vermutet, läuft auf meiner Xbox 360 auch keine nachträglich installierte Anti-Viren-Software.

This is an interesting question

by Gunnar on 17. November 2007 · 23 comments

Ich habe in meiner journalistischen Laufbahn nicht allzu oft wirkliche Interviews geführt. Viele Gespräche schon, aber meist ging es um Produkte und Produktdaten, Einzelinformationen, weniger um die Person an sich. Es folgt eine ganz persönliche Top 10 der Interviews, die aus meiner Sicht am besten, schlimmsten oder intensivsten waren. Ein Großteil davon wurde niemals gedruckt, weil das Leserinteresse an Interviews in einer Spielezeitschrift gering ist. Dennoch führt man ständig welche, weil die Pressesprecher das von einem erwarten. Außerdem sind Spieleentwickler oft geknickt, wenn sie nicht interviewt werden. Was erstaunlich ist, weil sie ja eh immer nur zum PR-Mann schielen und generell auf viele der interessanteren Fragen mit We’re not ready to reveal this yet. antworten. Egal. Also:

Der war ein ab-so-lu-ter Vollprofi: Terry Pratchett (Fantasy-Autor, Scheibenwelt)

Der brauchte ewig, bis er aufgetaut ist: Hideo Kojima (Spiele-Designer, Metal Gear Solid)

Die wollte ich spontan heiraten: Jade Raymond (Spiele-Producerin, Assassin’s Creed)

Der schafft es, dass man sich mit ihm wohl fühlt: Peter Molyneux (Spiele-Designer, Black & White)

Der hat nicht einen spontanen Satz gesagt: J Allard (Microsoft-VP)

Mit dem zu reden, das war wie mit einem älteren Bruder: Ken Levine (Spiele-Designer, Bioshock)

Mit dem wollte ich den Job tauschen: Andrew Stanton (Regisseur, Findet Nemo)

Der war ein arroganter Lackaffe: Bruce Campell (Schauspieler, Army of Darkness)

Der war einfach nett, aber kaum verständlich (Schotte!): Colin McRae (Rallyefahrer)

Die wollte ums Verrecken ach-so-locker sein: Anke Engelke (Entertainerin)

Denen war es wichtig, über-cool zu sein: Erkan & Stefan (Witzbolde)

Die Reihenfolge ist nur von begrenzter Aussagekraft.

Wir alle kennen das: Man findet eine kleine Band, noch ziemlich unbekannt, verliebt sich in die Musik und die eigene Kennerschaft, fährt zu Konzerten, ergötzt sich an der Exklusivität des Publikums. Schönes Gefühl. Dann begeht man den Fehler und erzählt anderen Leuten davon. Klar, das steigert das eigene Diplomexpertentum, man wird für seinen guten Geschmack gelobt, aber letztendlich führt das dazu, dass mehr Leute die Band hören. Langsam entgleitet einem die Sache und, uh, es beginnen auch eher uncoole Leute die Band zu hören. Die Gruppe unterstützt die eigene Verbreitung durch Marketing oder Wiederveröffentlichungen alter Schätze, was dem alten Fan dann als kalter Pragmatismus auffällt. Irgendwann ist einem das alles zu viel, das Funkeln verblasst. Dann geht man einher und erzählt von den kleinen Clubkonzerten als die Band noch cool war und der Seelenlosigkeit der aktuellen Werke und der Großkotzigkeit des Sängers in Interviews und beklagt generell die gierige Vielarmigkeit des Mainstreams.

Ähnlich funktioniert es in der häufig von der Nabelschau besessenen deutschen “Blogszene” mit Autoren und Blogs. Das Bildblog und sein Initiator Niggemeier, das waren damals Indie-Ikonen, das war pure Coolness und lässiges Infopiratentum. Am Kern des Produktes Bildblog hat sich über die letzten Jahre wenig geändert, es ist ein wenig Werbung dazu gekommen, klar, aber die eigentliche Brillanz ist geblieben. Mittlerweile braucht die Metablogger-Seele aber natürlich wieder neue
Helden, daher ist das jetzt keine Brillanz mehr, sondern nervötende Verbohrtheit. Und die präzisen Analysen auf Niggemeiers eigenem Blog sind jetzt kleinliche Tiraden. Das zeigt sehr exemplarisch, finde ich, dass es vielen Leuten nicht um den Inhalt geht, sondern um die Suche nach Identität und Helden.

Ach, die viele Säcke Reis, die in China umfallen, umgeworfen von dem Wind, der aus der heißen Luft entsteht, die die Blogszene ausstößt.

Die Miteilung

by Gunnar on 15. November 2007 · 5 comments

Andere Leute haben Spam-Filter, ich habe PR-Filter. Will sagen, ein ausgeklügeltes Regelsystem, das Pressemitteilungen an der Subject-Zeile oder am Absender erkennt und in einen dunklen Ordner im Keller meines E-Mailprogramms schickt, wo sie ohne Licht und Nahrung darauf warten, dass ich sie mit einem hellen Funken meiner Aufmerksamkeit errette. Oder bei der nächsten Generallöschung ihr schäbiges Dasein schmerzlos beende. Eben aber kam eine durch. Überraschend. Einfach so. Und warum? Die Mail kam von einem Firmenserver, nicht von einer Agentur, und die Schergen hatten das Wort Pressemitteilung, normalerweise ein sicheres Kainsmal, einfach mit einem “t” statt zweien geschrieben. Soweit ist es also mittlerweile gekommen. Die teuflischen Methoden der Spammer (“V1agra”, “se xy”, “s-e-x”), jetzt sind sie schon bei Deutschlands Pressesprechern in Anwendung. Oder so.

Vielleicht war’s auch einfach nur ein Tippfehler…

Wer hat uns verraten?

by Niklas on 14. November 2007 · 10 comments

Gunnar sagt: Der Herr Niggemeier findet die richtigen Worte über die Feigheit der von uns gewählten Volksvertreter einer Partei, die ehemals auf andere Dinge als schieren Machterhalt aus war.

Und der Herr Vetter auch.

Niklas ergänzt: Sozialdemokraten. Ich will, dass das jeder rafft, daher die Erläuterung.

Mann, ist das schlimm. Das ist eine der ganz seltenen Möglichkeiten, das von Herrn Kunze vor vielen Jahren so schön destillierte Credo “wir wählen selbstverständlich weiter SPD” überwinden zu können. Ich habe es hiermit.

PS: Mutti, wenn Du das hier liest – sorry :)

Ach, das Leben

November 13, 2007

Doof ist es, wenn man ein bisschen verschnupft ist, ein bisschen Husten hat, ein bisschen Zahnweh und ein klein wenig Kopfschmerz. Kumuliert nervt es kollossal, aber nichts davon ist heftig genug, um das aufrechten Gehen einzustellen oder sich wenigstens gehörig selber leid zu tun. Ach. Doof ist es, wenn man ein bisschen verschnupft ist, ein […]

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Vorsicht! Kunst!

November 11, 2007

Ich habe ein einigermaßen reaktionäres Kunstverständnis, stehe auf Leinwand und Handwerkskunst. Diese moderne Industriekunst, wo man einfach nur eine Idee hat und dann von Profis für viel Geld eine abstrakte Skulptur herstellen lässt, die hauptsächlich durch Größe oder provakante Form beeindruckt, diese Kunst also gibt mir wenig. Dennoch war ich heute mal im Haus der […]

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