Er fährt die Grillparzer entlang, da schließt von hinten ein roter Mini auf, reiht sich links neben ihm ein. Junge blonde Frau am Steuer. Doofe Kuh, denkt er, was hat die neben mir herzufahren, die Straße ist zwar breit, aber einspurig, zweispurig wird sie erst in zehn Metern. Die Ampel kommt, beide halten, sie links neben ihm. Dann überlegt sie es sich anders, setzt zurück, stellt sich hinter ihn. Ein Opel muss deswegen ausweichen. Puh, denkt er, die Tussi weiß nichtmal, wo sie hin will. Dann springt die Ampel um, und in exakt der ersten Sekunde Grün drückt sie auf die Hupe. Lang. Der Wagen links von ihm ist auch noch nicht losgefahren, nur übermenschliche Reflexe hätten… aber egal, sie hat gehupt, bei ihm hakt etwas aus, tief drinnen, im Rückenmark, wo die dunklen Gefühle brodeln. Er fährt los, aber mit etwa zehn Km/h, aufreizend langsam, zur Strafe, soll sie doch ein bisschen was von dem Ärger zurückbekommen, den sie austeilt. Sie hupt nochmal, und zieht mit quietschenden Reifen neben ihn, zeigt ihm den Finger und gibt Gas. Er beschleunigt tückisch, und ein paar Sekunden fahren sie nebeneinander her. Dann geht er vom Pedal, sie schert lebensgefährlich vor ihm quer über die Spuren und hält am Straßenrand. Er drückt den roten Knopf neben dem Schalthebel, die Zielaufschaltung setzt ein, es folgt das Zischen der Rakete, und sie verglüht in einem Feuerball. Geschieht ihr recht.
Sie fährt die Grillparzer entlang, will rechts abbiegen. Vor ihr ein aufreizend trödelnder Einser, sie überholt, und, argh, steht auf der Geradeausspur, statt auf der zum Abbiegen — da wo sie hin muss, steht der Trödelhansel. Mist, denkt, sie, setzt zurück, sortiert sich ein. Die Ampel schaltet auf Grün und das Universum in Zeitlupe: Gezeiten kommen und gehen, Jahreszeiten wechseln, Galaxien entstehen und verglühen, und noch immer ist der Typ im Einser nicht los gefahren. Sie hupt zart. Der Einser erwacht und hoppelt los, mit etwa vier Km/h, sie hat schon dreibeinige Schildkröten schneller laufen sehen. Arschloch, denkt sie, der ist nicht nur hirnverlangsamt, sondern auch noch boshaft. Sie gibt Gas, zieht neben ihn, jetzt beschleunigt er richtig. Sie kann deswegen nicht auf die rechte Spur, wird vor der nächsten Ampel wieder falsch stehen, Mist, wegen so einem Idioten, jetzt bleibt er ein bisschen zurück, sie zieht rüber, drückt auf den roten Knopf neben der Automatik. Plock! macht es, als die Mine aus dem Depot unter dem Tank auf die Straße fällt. Der Einser verglüht in einem Feuerball. Geschieht ihm recht.
Manchmal wünscht man sich, die heutigen Autos wären besser bewaffnet. Könnte man kleinere Konflikte rasch während der Fahrt austragen. Aber naja, vermutlich haben wir auch so schon genug tote Arschlöcher im Straßenverkehr.

Mini, Einser? Chefsekretärinnen-Rennen?
In den heutigen Zeiten gelten diese Fahrzeuge als vollwertige Autos. Jedenfalls in München.
Ich will vor allem so tolle Goldfinger-Reifenaufschlitzer haben!
Da war doch sicher wieder jemand im abgesprengten GameStar Archiv (Folge weiß ich nicht auswendig) unterwegs und irgendwo bei “H”* ist man dann hängengeblieben oder? :-D Gut könnte natürlich auch aus dem Psycho-Test von Jagged Alliance 2 (da muss ich jetzt gleich mal Werbung für http://ja2.dragonriders.de/ machen) stammen.
Grüße,
Drizzt
P.S.: Sehr schöne Vorstellung, zumindest machmal.
* ich dachte an “Have a nice Day”…
Derweil wärs so einfach an den Ampeln: Kupplung drücken, Gas geben, Kupplung kommen lassen, losfahren. Oder bei Automatik nur drauftreten wenns grün wird. 50% von dem was auf Münchens Starßen morgens und abends unterwegs ist, würde mit ziemlicher Sicherheit kein zweites Mal die Führerscheinprüfung bestehen.
Deine Geschichte wäre natürlich ein interessante Alternative.
Mein Kollege meinte neulich, ich solle mich nicht über Raser ärgern, denn es könnte ja sein, dass ein Angehöriger von ihm (also dem Raser) im Sterben liegt. Naja.
Prima Geschichte, ich fühle mich da an David Lnychs “Lost Highway” erinnert, an die berühmte Szene mit dem wichtigen Satz: “Du kaufst dir ein verdammtes Fahrschulbuch!”
Aber mal ehrlich: Bleibt entspannt und lasst die dusslige Welt an euch vorbeirauschen. Klar, das ist nicht einfach nach einem nervigen Arbeitstag…
Was für ein Ende. Wirklich lustig. Vor allem ihre Beschreibung des Sekundenbruchteils, nachdem die Ampel Grün wird.
Selten so gelacht! Dabei ist das ganze ja eigentlich nicht zum Lachen, aber je ernster das Leben ist, umso besser müssen die Witze sein, damit man es überhaupt aushält.
Zur Austragung von Konflikten mittels Autos auf Straßen kann ich nur Richard Morgans “Profit” empfehlen.
Hat der Herr Kaliban nicht mal geschrieben, dass er einen Einser sein eigen nennt?
ja. und was sagt uns das?
Das es immer zwei Seiten den Medaille gibt.
Den bedauernswerten Verlust der Muttersprache bitte ich zu entschuldigen. Begleitumstände des Ethanolkonsums.
Alles ist halt Ansichtssache. Was lernen wir daraus ? Alles Arschlöcher !
“Have a nice Day” ! :D
Zwar nicht zum Thema passend, aber dennoch irgendwie, aeh, wissenswert (?).
Wo.her:
05:09 Google: tierpornos
ja. passiert hin und wieder. war bei google mit dem schlagwort tierpornos immerhin auf seite 2, als ich das letzte mal geschaut habe.