Januar 2008

Der Fluch der toten Katzen

by Gunnar on 29. Januar 2008 · 9 comments

Neulich traf ich ein paar hippe Webdesigner, die hauptsächlich für Fußballclubs, Fußballer und Fußballsponsoren arbeiten. Glamouröses Klientel, da muss man als Dienstleister schon ein bisschen auf die Pauke hauen. Die Designer hatten ihre Firma folgerichtig nach der Geschichte mit den sieben toten Katzen benannt, weil da jeder fragt, was der doofe Name bedeuten soll und es daher immer die Gelegenheit gibt, die Sache zu erklären.

Sieben tote Katzen? Also, das war so: Avenellaneda, eine Vorstadt von Buenos Aires, ist die Heimat zweier großer Fußballvereine, des Racing Club und Independiente. Die sind natürlich aufs Blut verfeindet, das kennt man ja: Der einzige, den man noch dringender in den Siebten Kreisverkehr der Hölle wünscht als alle Fremden und Feinde, das ist der bucklige Nachbar. Egal, der Racing Club jedenfalls ist ein ruhmreicher Verein mit einer ganzen Reihe von Meisterschaften, der größte Triumph aber war der Gewinn des Weltpokals 1967. Dort gewann Racing in drei Spielen gegen Celtic Glasgow, was die Fans besonders freute, war doch Rivale Independiente 1964 und 1965 an eben dieser Aufgabe gescheitert.

Aber dieser Sieg markierte zugleich das Ende von Racings Glorie. Während die Anhänger auf den Straßen tanzten, brachen missgünstige Fans von Indenpendiente ins Stadion des Nachbarn ein und vergruben dort sieben Leichen von schwarzen Katzen. Was natürlich Unglück bringen sollte und wohl auch brachte: Racing gewann fortan 35 Jahre lang keine Meisterschaft mehr und ging 1999 beinahe pleite. Denn: Sechs der Katzen hatte man gefunden und ausgegraben, die siebte blieb verschwunden. Nachdem man 1999 sogar einen Exzorzismus gegen den Katzenzauber veranstaltet hatte, griff der neue Vereinspräsident Merlo 2001 zum letzten Mittel: Bagger gruben das halbe Stadion um, rissen alle Betonflächen auf und schließlich, endlich, fand man unter einem ehemaligen Wassergraben das fehlende Katzenskelett. Noch im selben Jahr erreichte der Racing Club seine 14. argentinische Meisterschaft.

Keine Ahnung, ob das so stimmt, aber es ist schon eine hübsche Geschichte.

Geisterjäger!

by Gunnar on 28. Januar 2008 · 9 comments

Kollege C: Das hier (schwingt ein Kabel) ist die Dämonenpeitsche!
Herr Kaliban: Dämonenpeitsche? Die aus John Sinclair?
Kollege C: Korrekt. Mann, Du bist echt alt, oder?
Herr Kaliban: Grmpf.
Kollege C: Für mich ist es nur Retro-Junk, für dich die Jugend.

John Sinclair ist eine Heftromanserie, dies nur als Info für eventuell mitlesende Jünglinge. Die Beschreibung der eben erwähnten Dämonenpeitsche liest sich übrigens, als wäre sie der Anleitung eines Videospiels entsprungen: Im Besitz von Suko befinden sich die Dämonenpeitsche und der Stab des Buddha. Die Dämonenpeitsche ist aus der Haut des Dämons Nyrana hergestellt und hat 3 Lederriemen, welche sich um den Gegner schlingen und ihn töten. Der Stab des Buddha erlaubt es dem Träger, durch Sprechen des Wortes “Topar” die Zeit für 5 Sekunden anzuhalten. Während dieser Zeit darf – egal ob Mensch, Tier oder Dämon – nicht getötet werden, da sonst der Stab seine Wirkung verliert. Aber überhaupt hat die Handlung von Heftromanen etwas Videospiel-haftes: Abziehbildhelden, Abziehbildgegner, viel Klopperei, kurze Dialoge, absurde Wendungen, spektakuläre Waffen. Habe früher viel Sinclair, Jerry Cotton und Der Hexer gelesen, weiß aber gar nicht, wie es da heute ausschaut. Ist der Geisterjäger noch am Markt?

Geh heim, Roland

by Gunnar on 27. Januar 2008 · 15 comments

der traurige roland

Mir ist eigentlich egal, wer schlussendlich das Land Hessen regiert. Ich habe keine starken Bindungen an irgendwelche Partien mehr. Aber die Tatsache, dass Roland Koch mit amtlichen 12 Prozentpunkten Verlust für seine widerwärtige und verlogene Wahlstrategie abgestraft wurde, gibt mir ein ganz klein wenig Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Wähler zurück.

Linien, Gewichte, Formen, Portale

by Gunnar on 27. Januar 2008 · 3 comments

Für langsame Sonntagnachmittage: Flashspiele mit Physik.

Weiß ist das mittelneue Silber

by Gunnar on 25. Januar 2008 · 9 comments

Die Tatsache, dass (nach der glaubhaften Zählung meines Kollegen M.) in München mehr weiße als silberne oder schwarze Porsches herumfahren, obwohl doch weiß erst seit zwei Jahren in Mode ist, lässt erstaunliche Rückschlüsse darauf zu, in welchem Tempo Münchener Luxusautofahrer ihre Wagen wechseln.

Abends, im Internet

by Gunnar on 22. Januar 2008 · 5 comments

Wie sich unser aller Freund Roland Koch in Hessen neue Kriminalität herbeispart, steht bei Andrea aus Frankfurt:

Geld für den Niederräder Pferderennclub und die Vertriebenenverbände. Kein Geld hingegen für Frauenhäuser, Integrationsmaßnahmen, Erziehungsberatung, Schuldnerberatung, Qualifizierungsmaßnahmen für Erwerbslose und die Resozialisierung Strafgefangener.

Der englische Guardian unternimmt einen ganz ordentlichen Versuch, die Unterschiede zwischen englischem und deutschen Humor zu erklären:

In English we surround a noun with adjectives to try to clarify it. In German, they merely bolt more words on to an existing word. Thus a federal constitutional court, which in English exists as three weak fragments, becomes Bundesverfassungsgericht, a vast impregnable structure that is difficult to penetrate linguistically, like that Nazi castle in Where Eagles Dare. The German language provides fully functional clarity. English humour thrives on confusion.

Hm. Jetzt bräuchte ich einen dritten Lesetipp, der Symmetrie wegen. Meine Notizen kennen aber bloß die beiden, die jetzt hier schon stehen. Entweder in der deutschen Blogosphäre und drumherum ist nicht viel passiert — oder ich hatte zuwenig Zeit zum Surfen. Naja. Es gibt immerhin einen tollen Artikel (Akim macht böse) auf einestages.de, aber auf Töchter von SpOn linken, das ist ja ein bisschen lame. Und ein mir unbekannter Mensch namens Christian hat ein ganz nettes Schaubild online gestellt, sehr Blogger-nabelschauig allerdings. Muss wohl so sein, wenn man Links von Blogs einsammeln will. Was ja auch gerade wieder geklappt hat — ich bin zu berechenbar. Egal, wer mit Blog-Schaubildern wenig anfangen kann und auch sonst keinen Bock zum Lesen hat, der möge sich das großartige Monkey Island-Hörspiel anhören, das Majus schon vor einiger Zeit verfertigt hat. Kann man Hörspiele eigentlich “verfertigen”? Und ist das überhaupt ein Wort?

Harmony in my Head

by Gunnar on 21. Januar 2008 · 8 comments

henry rollins, live in münchen, muffathalle

Mein Verhältnis zu Henry Rollins war lange, nun, zwiespältig. Eigentlich. Ich habe ihn mit der Rollins Band 1992 das erste Mal gesehen, auf dem, ahem, Dynamo Festival in Hellendoorn. Fand die Show zu macho-haft, all dieses halbnackte Rumgehüpfe, und die Musik ein bisschen zu simpel. Hatte den Kerl dann jahrelang in der Schublade Tätowierter Muskel-Schreihals. Dass er auch Gedichte schrieb, Lesungen gab und ganz allgemein ein Wortkünstler ist, blieb mir aus irgendwelchen Gründen bis 1998 verborgen. Dann kam ich irgendwie an ein paar Aufnahmen von Hörbüchern (namentlich diesem:
Think Tank) und wurde, zögerlich, sowas wie ein Fan. Manches war mir zu viel, zu pathetisch, zu dick aufgetragen, anderes war brillant, authentisch, mächtig. Dennoch: Live gesehen habe ich ihn seit 1992 nie mehr, bis zum Juli 2007, aber das zählte nicht recht, das war nur eine Art öffentliches Gespräch.
Nun aber besuchte er München, allein, spoken word, und ich war da. Und was soll ich sagen, der erste Höhepunkt dieses Jahres. Und zudem einer, der nicht leicht zu übertreffen sein wird. Rollins sprach, stampfte, lachte, flüsterte, brüllte drei Stunden lang, direkt durch mich durch. Unglaublich. Erleuchtend. Die ganze Zeit wollte ich mir besonders gelungene Gedanken oder Sätze aufschreiben.

Rollins tritt heute in Berlin auf, in der Passionskirche. Und morgen im Gloria in Köln.

Wer nicht hingeht, ist selber schuld.

Videospieler wissen mehr

by Gunnar on 20. Januar 2008 · 7 comments

Flight of the Amazon Queen

Die meisten Shows im Fernsehen fallen in die Kategorie Wir zeigen Ihnen, wie blöd die anderen Leute sind. Eine Ausnahme ist Wer wird Millionär?, das ist eine Wir zeigen Ihnen wie blöd Sie sind-Show.

Oder so. Ist ja auch egal. Jedenfalls schaute ich neulich Herrn Jauchs
nette Sendung, wo die Frage gestellt wurde, in welchem Zipfel der Erde eigentlich Gorillas leben, Sie wissen schon: die haarigen Affen, die ein bisschen aussehen wie Türsteher im Kunstpark Ost, nur ohne Lederjacke. Die richtige
Antwort ist natürlich Ostafrika, was man wissen kann oder auch nicht. Wenn ja, schön. Wenn nicht, nun ja, es kann nicht jeder morgens Seiten aus dem Brockhaus zum Frühstück essen.

Ich jedenfalls wusste es zufällig und wäre so gern an des Kandidaten Stelle
gewesen, weil ich dann Herrn Jauch auf seine Nachfrage, ob ich auch
sicher wäre, völlig wahrheitsgetreu hätte berichten können, wie man im
PC-Spiel Flight of the Amazon Queen* in Südamerika auf diesen
Gorilla trifft, der einem den Weg versperrt. Und das Rätsel löst, indem
man ihn im, nun ja, Gespräch daran erinnert, das er am Amazonas ja bitte nichts zu
suchen hat, weil seine Spezies nun mal in Afrika lebt. Worauf sich das Tier selbstkritisch in Luft auflöst, was sehr hübsch ist — ich wünschte, ich könnte auch diesen Deppen der immer auf meinem Tiefgaragenplatz parkt so verschwinden lassen, aber ich schweife ab.

Jedenfalls: Vieles von meinem gefährlichen Halbwissen habe ich von Computerspielen gelernt. Sag’ noch einer, dass Spielen nicht bilden würde…

Spam Spam Spam

by Gunnar on 18. Januar 2008 · 6 comments

Als ich soeben ein bisschen herumsurfte, um herauszufinden, was es mit der mild merkwürdigen Spam-Mail von www.stop-verkehrskontrolle.com* auf sich hatte, entdeckte ich in einem Admin-Forum folgende hübsche Signatur:

In a perfect world, spammers would get caught, go to jail, and share a
cell with many men who have enlarged their penisses, taken Viagra and
are looking for a new relationship.

Sehr wahr. Es fehlt eindeutig an Gottes Gerechtigkeit, möchte man meinen. Aber vielleicht hat Gott in seiner Weisheit den siebten Kreis der Hölle für Spammer, Bandbreitenverschwender und Forentrolle vorgesehen. Der denkt ja immer an alles.

* Kommt übrigens von derselben Quelle, einer Firma namens HMS DOMAIN AND MANAGEMENT SERVICE Ltd., wie der bekannte und beliebte Fahrschul-Spam.

Kurzdialog

by Gunnar on 18. Januar 2008 · 1 comment

Ich nenne es Wunder der modernen Kommunikation oder Dinge, die früher nicht gegangen wären: Referrer-Gespräche (von unten nach oben zu lesen).

jaja

Sex! (Dieser Eintrag ist dem Google-Bot gewidmet)

Januar 17, 2008

Gerade gehe ich an ein paar Kollegen vorbei und höre ein Wort, ein mehrsilbiges, unbekanntes, mit E am Anfang. Verstehe es nicht auf Anhieb, die Entschlüsselungsroutinen in meinem Hirn werfen es sich aber noch ein paar Sekunden zu, um dann ohne Gegenstimme Expresswichsen zu vermelden. Huh. Ich schaue mich um, will sehen, wer’s gesagt hat. […]

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Diese stumpfsinnige Ironie

Januar 16, 2008

Diese absurde Dschungel-Show kommt wieder im Fernsehen, und alle halten’s für doof, peinlich und ganz allgemein für ein typisches Beispiel von Unterschichten-TV. Klar. Ist es ja auch: Spielt primitiv mit der Schadenfreude und hat als Subjekte eine Reihe abgehalfteter Vollpfosten mit gestörter Selbstwahrnehmung, die sich nur insofern von gewöhnlichen Dorfdeppen unterscheiden, als dass ihr Blödsein […]

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