Formate und Kriege

by Gunnar on 9. Januar 2008 · 10 comments

Wenn man die aktuellen Medien
so liest und wie ich mit einer lebhaften Vorstellungskraft geschlagen ist, drängt sich das Bild auf, es stünde Blu-Ray (und klingt das nicht wirklich wie ein Gangster-Kampfname?) gerade mit einem blutigen Küchenmesser in der Hand vor HD-DVD. Wobei Blu-Ray ein finsterer, kahlköpfiger Geselle mit schiefem Blick, hoch aufgelösten Gesichtsporen und Sony-Tattoo auf dem Hinterkopf wäre. Und HD-DVD ein eher harmloser, aber gut aussehender Jüngling. Im Hintergrund stehen New Line und Warner B., ehrenwerte Herren in Maßanzügen, von denen man nur die Silhouetten sieht. Aber man hört sie rufen: Bring ihn um, er ist nicht lebensfähig. Schlachte ihn ab. Oder so.

Dann ruft aber im dritten Stock, ein paar Meter über der eben beschriebenen Szene, ein freundlicher Herr mit strubbeligen Haaren aus dem Fenster, dass die Jungs unten mal mit dem Kabbeln aufhören sollen, weil das ja eh alles egal sei — Filme würden in der nahen gloriosen Zukunft ohnehin von den Konsumenten nur noch als Downloads akzeptiert, bequem und ohne Stress nach Hause geDSLt.

Ah. So. Ehrlich, die Frage könnte mir nicht egaler sein — ich habe keinen HD-Player und kaufe aus Prinzip keine 25-Euro-Filme. Kaufe wegen grundsätzlicher Erwägungen aber auch keine 7-Euro-Downloads, die sich nach zwei Wochen von selber löschen. Obwohl die Download-Sache, ein vernünftiges On-Demand-Portal mit schnellen Servern und realistischen Preise vorausgesetzt, für jemanden wie mich, der nicht jedes Produkt zwanghaft besitzen muss, durchaus Charme hat. Im Grunde glaube ich, dass nur eine Sache der Entwicklung hin zum virtuellen Gut noch im Weg steht: ebay. Und damit ein teilweise absurd hoher und voll transparenter Marktpreis für Gebrauchtware. Downloads kann man, wie wir alle nach dem Durchspielen von, sagen wir, Half-Life 2, schmerzlich feststellen mussten, nun einmal nicht gebraucht verkaufen. Ein zusätzliches Problem ist natürlich die widerliche Gier der Firmen, die es sich nicht abgewöhnen können, ihre Kunden als blödes Zahlvieh zu sehen, das mit unkomfortabler Handhabung und feindseligem Rechtemanagement misshandelt werden darf. Ach.

Am Rande und ohne wirklichen Bezug zum Rest dieses Postings: Hübsch, dass auch andere ihre Probleme mit der heutigen Un-Kultur der Firmen haben, die ihre Kundenanrufe sinnlos in Callcenter leiten, wo arme Häslein sitzen, die nichts regeln, nichts entscheiden und auch sonst nichts können, was ihnen oder dem Kunden helfen könnte.

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