Operieren mit vier Armen

by Gunnar on 15. Januar 2008 · 7 comments

[Achtung Gastautor: Thomas, ein alter Freund des Herrn Kaliban, nutzt von Zeit zu Zeit dieses Forum, um seine Ansichten zu äußern. Thomas ist Urologe und lebt in Holland. Das mag manches erklären.]

Manchmal erlebt man was, womit man (frei nach Niklas) “beim Italiener”
Eindruck schinden kann. Also: Seit einer Woche bin ich zu Gast am Klinikum Leverkusen.
Detachiert, wie man in Holland sagt, vom Universitätsklinikum
Groningen, wo ich als frischgebackener
Urologe jetzt arbeite. Anyway.

Am Klinikum in Leverkusen hat man, gleich neben dem Holodeck, einen Operationsroboter der Marke
da Vinci (der Name!). Das Monstrum sieht aus wie ein Roboter aus der Autofertigung, vielarmig und sperrig. Der Operateur setzt sich dazu an eine Konsole von den ungefähren Ausmaßen eines Afterburner-Arcade-Automaten (falls noch jemand weiß, was das ist) und legt los, ohne daß er den Patienten überhaupt anfassen
müsste. Der Roboter steht derweil zwischen den Beinen des Patienten und entfernt die
Prostata.

Ich, der detachierte Urologe aus Holland, lauere daneben und assistiere eigentlich dem Operateur, de facto aber dem Roboter: sorge am Patienten für gute Sicht, ziehe mit Faßzangen am Gewebe und passe vor allem auf, daß mir die Robot-Arme nicht ins Gemächt schlagen — das ist nämlich ungefähr ihre Arbeitshöhe. Die Arme sind mit
Servo-Motorik verstärkt, können also ganz schön zulangen. Im Patienten stecken
Trocare, Arbeitszugänge, an denen der Mensch quasi aufgehangen ist. Das
ganze erinnert einen frappierend an die Med-Stationen in Science-Fiction-Filmen — von der klassischen Operationstechnik, wie
noch mein Vater sie gelernt hat, ist kaum mehr etwas zu sehen.

Unglaublich. Die Zukunft ist angekommen.

fotohintergrund (c) Intuitive Surgical, Inc. -- Star Trek Doctor (c) CBS Studios, Inc.

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