Headshot! (oder: Die Jagd nach dem Highscore des Lebens)

by Gunnar on 28. Februar 2008 · 21 comments

bild (c) bethesda, inc.

Jahrelang habe ich gespürt, dass was fehlt. Mir und so vielen anderen. Man fühlt seine Abwesenheit wie ein Loch in der Welt, man sieht es manchmal aus den Augenwinkeln, aber es entfleucht dem direkten Blick. Wie ein Geist oder ein unerfülltes Versprechen.

Es ist… die Perfektion.

Wer kein Handwerk betreibt oder manisch veranlagt ist oder wenigstens im Geld schwimmt, der erreicht nie Perfektion im Leben. Vor allem nicht, wer in den Medien oder so genannten Kommunikationsberufen arbeitet, also Journalismus, PR, Marketing, Werbung, Design et cetera. Oder Software entwickelt. Unsere von vornherein schon nicht vollständig präzisen Gedanken werden unscharf im Aussprechen oder Aufschreiben, dann unschärfer durch Kompromisse. In Meetings, in Briefings, in Gesprächen — immer einigt man sich irgendwo, immer fehlt ein Baustein, immer stimmt irgendwas nicht ganz. Man winkt ab, gibt nach, belässt es dabei, bis am Ende alles verwischt. Nur selten, selten gelingt es, wenigstens ein Detail festzuzurren — ein eklatant schönes Logo, eine brillante Formulierung, ein unerwartet stimmiger Sound.

Kein Wunder also, dass man sich so über Headshots freut, über 1000 Punkte Gamerscore, über die fehlerfrei gefahrene Runde.

Wie machen das bloß Leute, die keine Videospiele spielen?

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