März 2008

Game Master, Level 69

by wir on 31. März 2008 · 23 comments

gary gygax

Jaja, weiß schon, der frühe Tod von Gary Gygax (der Erfinder von D&D, falls das einer Erwähnung bedarf) ist schon ein paar Wochen her, aber ich hatte zur richtigen Zeit keine solche. Will auch gar keinen Nachruf schreiben, Mr. Gygax wurde schon an anderer Stelle ausführlich ge wür di gt.

Möchte nur anlässlich des Todes dieses Mannes, dessen Spiele uns viel Freunde geschenkt haben, mal kurz innehalten und in der Zeit zurückreisen, in die Mitte der 80er, als ich in die Geheimnisse von D&D eingeführt wurde. D&D war bekanntlich das Pong der Rollenspiele, wie mein Freund Niklas anmerkt. Also, wir machen das mal experimentell als eine Art Gespräch, Teilnehmer sind Thomas, Niklas, Marco und ich, vier Herren Mitte/Ende 30, alle in halbwegs gesetzten und Fantasy-fernen Berufen, drei von vieren verheiratet, zwei davon Väter. Und los:

Gunnar: Wie alt waren wir eigentlich, als wir mit D&D anfingen?

Niklas: O Gott, da war ich 10 (?). Auf alle Fälle war das eine rote Papp-Box. Später gab es eine blaue (noch später eine grüne). Das tollste war das Würfel mit Wachsmalstift bemalen. Das kann man nicht erläutern, das muss man gemacht haben.

Marco: Oh. Die Wachsmalstifte hatte ich vergessen. Also, so um die 13 war ich wohl. Da gab es im Pressezentrum Salzmann in Holzminden das D&D-Basisset. Und recht bald danach ging bei uns in der Runde der erste KataLoock aus Hamburg herum. Herr Loock hatte damals ein schwunghaftes Import-Spezial-Geschäft in Hamburg, das sich auf Rollenspiele spezialisiert hatte. Und in diesem KataLoock gab es wirklich die obskursten Dinge. Und die hatten irgendwie alle so einen Hauch von Amerika, erwachsen und cool. Ganz große, reale Abenteuer waren später die rollenspielzentrierten Ausflüge nach Hannover und später zu den Conventions von Herrn Loock nach Hamburg. Vom Dorf in die Großstadt! Das allerallerbeste waren aber auf den Conventions die Live-Rollenspiele. Ganz ohne Gummiwaffen. Und weitgehend ohne Kostüme (mit der einen Ausnahme, dass Gunnar und ich uns total cool damit vorkamen, dort in einem Ninja-Kostüm aufzuschlagen).

Gunnar: Oh. Wenn Du 13 warst, war ich schon 16. Und, argh, die Ninja-Kostüme. Haben wir, glaube ich, spontan in einem Laden vor Ort gekauft. Und nur einmal angehabt. Die großen Conventions in Hamburg hießen übrigens STARD (Spielertreffen Aller Rollenspieler Deutschlands) und waren eine ziemliche Sause.

Thomas: Also, ich hatte seinerzeit das ganz große Nightmare in Blackmarsh von Games Workshop (als die noch richtige Rollenspiel-Sachen machten und auch ein sehr gut sortierter Rollenspiel-Laden waren) in Nottingham auf einer Schulfreizeit gekauft. 14 oder so muss ich gewesen sein. In der Box gab es Werte für D&D. D&D — die Basis-Box hatte diesen wahnsinnigen roten Drachen von Larry Elmore auf dem Cover, weswegen ich es gekauft hatte. Zu der Zeit kam gerade so das Abenteuer-Ausbau-Spiel von DSA auf den Markt mit Talentsystem und so, das Basisset von DSA war gar nicht so komplex. Da war D&D irgendwie ganz toll, vor allem die vielen Monster und Drachen, mit der Unterwerfungs-Regel für Drachen vor allem, das war irgendwie… größer.

Gunnar: Guter Punkt. DSA. Das Schwarze Auge. War doch auch immens verbreitet. Warum haben wir nicht das gespielt?

Niklas: Das habe ich ein Jahr später in der Toscana beim Urlaub bei Freunden der Familie ausprobiert. War mir viel zu kompliziert. Und es gab auch meines Wissens lange nicht so tolle Würfel…

Gunnar: Ach, die Würfel. Gab’s mit 4, 6, 8, 10 und 20 (!) Seiten. Es hat meine jeweilige Freundin bei Brettspielabenden (sowas hat man früher noch gemacht) regelmäßig schwer erschüttert, dass ich den normalen sechsseitigen Würfel immer W6 nannte.

Marco: Schön war übrigens, dass der Spielleitererweiterung für Das Schwarze Auge, Die Werkzeuge des Meisters, so eine bekloppte Superhelden-Maske beilag. Die sollte der Spielleiter dann bei den Sitzungen aufhaben und damit mächtig mystisch über den Spielleiterschirm schielen. Aber Das Schwarze Auge fanden wir ja doof. War schließlich deutsch. Wir spielten D&D. Aus Amerika! Die DSA-Spieler (man beachte den Rückfall in die abgekürzten Fachtermini) waren ergo eine deutliche Stufe unter uns.
Purer Zufall übrigens. Hätte das Pressezentrum Salzmann an dem entscheidenden Tag statt D&D DSA verkauft… Und DSA hatte immerhin Zeichnungen von halbnackten Frauen. Kam ja nicht aus Amerika.

Gunnar: Ich erinnere mich noch ganz gut an meinen ersten richtigen Charakter erinnern: Karras, Zwergenkrieger. Stärke 18, Geschicklichkeit 16, Weisheit 8. Ziemliche Idealwerte, weil Marco mich mehrfach hat würfeln
lassen. Übrigens ein absurdes System, das mit dem Auswürfeln der
Charakterwerte– wenn das schief ging, hatte man am ganzen Spiel keine
rechte Freude mehr, weil man mit einem doofen oder ungeschickten Helden
herumlaufen musste.

Niklas: Naja, aber deswegen hat man gleich am Anfang Hausregeln schaffen können und müssen! Und was Marco und du, also die Bevern-Fraktion, da abgezogen habt, war natürlich totales Cheaten! Unser Holzmindener System war viel besser. Leider ist es mir entfallen. Aber ich hatte einen Menschen-Kleriker mit Stärke 18, das war auf alle Fälle ein Fest.

Marco: Hehe. Die schummrigen Erinnerungen an die erste D&D-Kampage (schon wieder so ein Fachterminus) sind im Rückblick wirklich unendlich bizarr. Wir wollen übrigens nicht vergessen, dass Gunnars Zwerg Karras immerhin einen Reitwolf hatte. Und dass die Spielgruppe recht flott eine eigene Burg bekam, die immerhin von zwölf Thri Kreen bewacht wurde. Das waren Morgenstern schwingende Gottesanbeterinnen. Warum? Weil ich die eben als Spielleiter irgendwie cool fand. Ebenso nur mit der Lebensphase zu erklären: Die ständigen Witze über die ach so lange Nase des residenten Elfen in der Gruppe. Wurden später zu allgemeineren Elfenwitzen. Aber der hat’s immer ganz dicke gekriegt. Scheißpubertät.

Thomas: Zu der Frage, warum wer welchen Charakter wählt, gibt’s ja mittlerweile viele tolle Theorien. Man schaue sich auch The Forge an, es hat sich auch inhaltlich doch ne Menge getan. Beim GURPS-System, das dann universell sein sollte, fand die Vorteil-Nachteil-Minimaxerei ihren Anfang, die ist mittlerweile auch emanzipierter geworden.

Gunnar: Diese Minimaxerei, wie Thomas das so hübsch nennt, hat dann später in PC-Rollenspielen dazu geführt, dass man in der ersten Spielstunden gleich ein Monster erschaffen oder sich das ganze Spiel versauen konnte. Aber was anderes: Wisst ihr noch Szenen, Aufträge, Geschehnisse aus den frühen Sitzungen? Meine Erinnerung an die Prähistorie ist dunkel.

Thomas: Also Silvanas Befreiung aus dem DSA-Basisset ist mir noch genauso ins Hirn gebrannt wie das Anfangsabenteuer von D&D mit seiner hölzernen Übersetzung und der coolen Passage, wo eine Stimme aus dem Zimmer sagt Ist Bargle bei euch?. An Sternengarde mit dem Pudding-Mann Dralasit kann ich mich auch noch gut erinnern. Und an meine langjährige Rolemaster-Kampagne mit dem langsamen Stufenaufstieg und vielen gezeichneten Plänen, Fake-Briefen (lange bevor das
Handout durch das Warhammer FRPG eingeführt wurde), die tolle Vampire-Session (spielte im Hamburg des nahen Jetzt) im Keller meiner Eltern in Holzminden mit Marco, Gunnar und
Niklas. Am Ende sind es doch mehr die Atmosphären, die einem beibleiben – und ein Horror-Star-Trek-Szenario, bei dem ein Geist eine Raumstation übernommen
hatte und ich mich als Spielleiter selbst ein bisschen zu fürchten begonnen habe.

Marco: Jaja, alles spannend. Aber die Höchstleistung der Zeit war natürlich die Clubzeitung. Unser Club hieß übrigens Eisdrache (eigentlich Niedermittelbeverns Eisdrache, aber das kann man ja nicht zugeben) und war im offiziellen D&D-Clubverzeichnis eingetragen. Jahaa! Da konnten die doofen DSA-Spieler nur gucken… Die Zeitung war vermutlich Gunnars erste große journalistische Leistung. Da haben wir echt Herzblut reingesteckt. Wie hieß das Layoutprogramm doch gleich? Und die Zeitung?

Gunnar: Das Programm war für den C-64 (oder Atari ST?) und hieß Newsroom. Die Zeitung? Das weiß nicht mehr. Eisdrache?

Marco: Jedenfalls wurde die wurde per Computer gemacht (in den 80ern! Mit Clip-Arts!). Später gab es auch Sonderausgaben für die anderen Rollenspielsysteme.

Niklas: Zur Anfangsfrage: Nee, ich erinnere mich an kein konkretes Abenteuer der D&D-Zeit. Das war auch echt mieses präpubertäres Monstergebashe. Ein guter Tag war ein Tag, an dem man den meisten Schaden gemacht und die meisten Erfahrungspunkte eingesteckt hat. Spaß, den man auch noch heute erzählen könnte, hatten wir erst mit MERP/MERS (das Mittelerde-Rollenspiel), Paranoia, den White Wolf-Sachen (Vampire) oder natürlich Warhammer!

Marco: Paranoia! Nicht zu vergessen das Spiel zu den Teenage Mutant Ninja Turtles, in dem man ein in Richtung Mensch mutiertes Tier spielen konnte. Mit Karate und Superkräften. Niklas’ hyperaktives Nagetier hat allen die Nerven geraubt, war aber echt eine coole Idee.

Gunnar: Habe ich schon erwähnt, dass ich neulich Ken Rolston kennengelernt habe, einen der Schöpfer von Paranoia? Großartiger älterer Herr, mit einem scharfen Humor. Aber das gehört nicht hierher, ich wollte nur angeben. Wie immer.

Thomas: Leider waren später viele Spiele zwar interessant vom Hintergrund her, aber tatsächlich fast unspielbar, vor allem die Hardcore-Militärspiele wie 2300 AD haben mich viel Fleiß für wenig Spielvergnügen gekostet. Mittlerweile ist das Hobby eigentlich noch unzugänglicher geworden, Horden von Autoren mähen einem das Gras vor den Füßen weg und haben sich zu jedem Fitzelchen Spielwelt was überlegt, sodass man schnell unstimmig wird, mit dem was man sich selber ausgedacht hat. Und ich denke mir immer gerne selber was aus.

Gunnar: Niemand hat sich jemals so ausführlich vorbereitet wie Du als Spielleiter, Thomas. Ich nehme an, dass Du diese Sachen überhaupt nur gespielt hast, weil Dich die einsamen Stunden vor dem Rechner gereizt haben, Karten-zeichnend, Personen-entwerfend, Zaubersprüche-entwickelnd. Das eigentliche Spielen war für Dich doch nur Nebensache, oder? Vor allem später, als wir zu den schönen Systemen gewechselt sind: Midgard, Traveller, MERS, schließlich auch Ars Magica und so intellektuelles Zeug.

Niklas: Ja, da war dann endlich dieser kitschige Fantasy-D&D-Stil total durch. Da brauchten wir es moderner, schmutziger, schwerer vermittelbar.

Marco: Jaja, parallel zur eigenen Entwicklung und dem Erwachsenwerden wurden es auch die Rollenspiele. Meine persönlichen Highlights waren Vampire und noch später Ars Magica. Als bestes Beispiel für das neue Niveau fällt mir immer Thomas Nosferatu-Vampir ein, dessen dominantes Charaktermerkmal eine zwanghafte Gastgeberrolle war. Ein in der Kanalisation lebender Vampir, der Freunde daran hat, Gäste zu bewirten. Absurd, aber fantastisch gespielt. Im Nachhinein wirklich interessant, wie sich alles mittels der White Wolf-Revolution in Richtung Wir erzählen gemeinsam eine Geschichte entwickelte.

Niklas: Ich frage mich bis übrigens bis heute, warum Ihr alle sauer wart, nur weil ich alle meine Perks in Reichtum gesteckt habe, dementsprechend im Spiel Multimilliardär war und ständig per Handy Hilfe, Schergen und Düsenjäger anfordern konte. Von den UV-Strahlern, die der Spielleiter in seiner Verzweiflung in jede Straßenlaterne eingebaut hat, will ich hier gar nicht anfangen…

Thomas: Vorteil-Nachteil-Minimaxerei.

Gunnar: Egal, Vampire war schon ein Highlight – ein Spielleiter (Marco), drei super-ehrgeizige Spieler (Niklas, Thomas, Gunnar), die alles gegeben haben, um sich gegenseitig zu übertreffen. Nicht mit Regelprotzerei oder Waffen +30, sondern erzählerisch. Schon schön. Wo wir gerade bei Waffen sind, das ist doch ein hübsch nerdiger Schlusspunkt: Was war eure Lieblingswaffe? Ich wähle die doppelten Rapiere meines Helden Ryan (Midgard).

Thomas: Der Morgenstern. Immer noch.

Niklas: Ich durfte ja anfangs als Kleriker nix richtig Cooles. Nur einen Streitkolben +2. Der war schon toll. Viel besser als mein Streitkolben +1 vorher. Und erinnert ihr euch noch an die abgefahrenen Streitkolben +1/+2 (+1 Treffer, /+2 Schaden)? Damit war man sehr individuell.

Marco: Lieblingswaffe? Irgendwie ganz erleichternd, dass ich das nicht mehr weiß. Gutes Zeichen, oder? Ich entsinne mich aber leider nur zu gut, dass mein Krieger Dragor durch den ganzen magischen Plunder einen unfassbar hohen Rüstungswert hatte und quasi unverwundbar war. Seufz. So viel zum Fetischismus.

Gunnar: Ach, Dragors Rüstung. RK minus 9 oder so. Schlimm. Aber so war das, damals. Und so waren wir, damals. Schöne Zeiten. Vielen Dank für das Gespräch, Jungs. Es lebe Ernest Gary Gygax.

Rabäääh

by Gunnar on 30. März 2008 · 8 comments

Ich will ja nicht behaupten, dass meine Tochter, das Goldkindtm, viel schreit.

Aber vielleicht hat mein Kollege Dave doch recht, als er sagte, dass man Kindern den Namen erst geben soll, wenn man sie kennen gelernt hat. Und vielleicht müssen wir doch ein paar Vokale in ihrem Namen verschieben.

siren

Ostern -- (c) revov 2005

Hey, Frohe Ostern und schöne Tage drumherum. Wollte ich nur mal rasch allen hier Mitlesenden wünschen. Obwohl das eigentlich was ist, was man eher zu Tanten sagt, finde ich. Egal, jetzt ist es unwideruflich gewünscht. Und gute Wünsche kann ja wohl jeder gebrauchen, zu jeder Gelegenheit. Also wünsche ich auch noch der Regierung besseres Regieren, Hannover 96 eine Siegeserie bis zum Saisonende und mir selber, dass endlich der
nächste Band von Fables erscheint.

Und, wenn ich gerade so ins Wünschen komme, dann wünsche ich gewissen (Spiele-)Entwicklern endlich die göttliche Einsicht, dass es — wenn man schon die Kunden nicht selber abspeichern lässt — blöd ist, nur ein einziges Savegame vorzusehen, was bedeutet, dass der zahlende Kunde, wollte er beispielsweise auf einem anderen Schwierigkeitsgrad neustarten, alles bisher geleistete überschreibt. Mann. Echt.

Und den Jungs von BMW, die die Elektronik der 1er-Serie entwickelt haben, wünsche ich die Kraft, aus ihren Fehlern zu lernen, auf das bei den nächsten Baureihen nicht immer Navi und PDC ausfallen.

Wobei das mit dem BMW-Navi eine Geschichte ist, die ich kurz mal erzählen muss: Also, ich fahre im nördlichen Leipzig herum, eine Gegend, die ich ü-ber-haupt nicht gut kenne. Bin also auf’s Navi angewiesen. Das jedoch fällt plötzlich aus, gleichzeitig mit der Park Distance Control (PDC) Und geht wieder an. Ohne PDC. Und fällt wieder aus. Dann plötzlich erscheint im Display die Warnung Fahrzeug-Elektronik ausgefallen. Weiterfahrt unmöglich. Oder so ähnlich. Jedenfalls der Blue Screen of Death, nur in freundlichem BMW-Displaygrau. Ich habe natürlich getan, was alle Leute täten, die Erfahrung mit bockigen Computern haben: Anhalten. Motor aus. Motor an. Geht wieder. Fahre also vorsichtig weiter, mich an, huh, wie letztes Jahrtausend, an Schildern orientierend, denn das Navi fällt aber immer mal wieder aus. Und dann kommt die Stelle, wo es mich per Pfeil nach rechts zur nächsten Autobahnausfahrt dirigiert. Ich bin aber der felsenfesten Überzeugung, wegen der Schilder vorher, dass rechts abbiegen falsch sein muss. Das Navi insistiert, ich gucke und überlege und gucke und denke und fahre schließlich dran vorbei. Und schaue mich um — die Ausfahrt hätte direkt aufs Werksgelände des BMW-Werkes geführt! Es gibt nur eine Erklärung: Das arme Navi fühlte sich krank und wollte offenbar nach Hause. Zu seinen Freunden. Wie nachvollziehbar. Als ich am BMW-Werk aber vorbei bin, korrigiert es seinen Kurs komplett und bringt mich ohne weitere Zicken nach München zurück. Und funktioniert seither tadellos. Offenbar wollte es nur mal sein Glück versuchen, als es so nah an Zuhause war und hat danach jeden Gedanken an Rebellion aufgegeben. Absurd. Ich habe übrigens Zeugen für diesen Vorfall, allerdings keine Erklärung. Strange.

Egal, jedenfalls danke für’s Zuhören, ich wünsche euch allen noch eine gute Zeit mit dem Fernsehprogramm, dem Internet, dem DVD-Player, der Familie, dem CoD4-Server, dem Lieblingsbuch, der Droge der Wahl oder was immer euch über den Abend bringt.

Schlechtes Wetter

by Gunnar on 21. März 2008 · 4 comments

Falls man einen langsamem Karfreitag vertrödeln muss und nicht recht Lust auf sinnvolle Tätigkeiten hat, könnte man…

Questionaut spielen. Ist von den Helden, die
Samorost gemacht haben.

…oder Cory Doctorows hübsche Geschichte When Sysadmins ruled the Earth lesen.

Oder natürlich was richtig Sinnvolles tun. Soll ja Leute geben, die an langsamen Karfreitagen mit schlechtem Wetter Werke der Bildenden Kunst erschaffen, Wände streichen, Autos reparieren oder Konfitüre einkochen. Lobenswert. Ein Hoch den Konfitüre-Einkochern!

Ich habe ja leider für derlei Dinge kein nachweisbares Talent, also versuche ich’s mit dem Schreiben. Natürlich habe ich — wie alle Journalisten — seit langem den brennenden Wunsch, ein Buch zu verfassen. Bin aber — wie alle Journalisten — Kurzstreckenläufer. Und ein richtiges Buch, will sagen, ein Roman, das ist wenigstens ein Halbmarathon. Das wird eh nix, dachte ich mir. Da probiere ich es mal mit einer wenig genutzen Form, dem autobiografisch geprägten Sachbuch, dachte ich mir. Eines über die Erziehung von Jungs, dachte ich mir. Da mixe ich dann hübsch allgemeine Erkenntnisse mit persönlicher Erziehungerfahrung und autobiografischen Erlebnissen. Sicherer Bestseller, dachte ich mir. Doch was tut Gott? Schenkt mir eine Tochter. Der ganze schöne Plan ist hin. Ach.

Also bleibt’s für heute mal wieder bei einem Blogeintrag.

Childhood’s End

by Gunnar on 19. März 2008 · 5 comments

In Memoriam Sir Arthur Charles Clarke

Sir Arthur C. Clarke ist gestorben. Ich bitte um eine Schweigeminute.

Da die heutige ungewaschene Jugend diesen Giganten der Science-Fiction vielleicht nicht mehr kennt, erinnere ich hier mal an seine hübschen Drei Gesetze:

1. Wenn ein angesehener aber älterer Wissenschaftler behauptet, dass etwas möglich ist, hat er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit recht. Wenn er behauptet, dass etwas unmöglich ist, hat er höchstwahrscheinlich unrecht.
2. Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustoßen.
3. Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.

Außerdem hat er beispielsweise mit Kubrick das Drehbuch zu 2001: Odyssee im Weltraum geschrieben und ist somit der Erfinder von
HAL.

Aber bin ich die Wikipedia? Schaut selber
nach. Wer mal ein Buch von ihm ausprobieren möchte, dem sei Rendezvous with Rama empfohlen. Das war mein Erstkontakt. Und nur weil es dazu, nun, auch ein PC-Spiel gab. Meine halbe Medienbiographie ist irgendwie spielebezogen. Jedenfalls, mir gefiel die Story, ich wollte mehr über die Welt wissen und zack! war ich Fan von Clarke. Jedenfalls für diese eine Phase, in der ich die eher technokratische Richtung der SF sehr geliebt habe.

Das Kind als Schablone

by Gunnar on 18. März 2008 · 13 comments

Ach, wenn man Kinder kriegt, dann nimmt man sich ja immer viel vor: Nicht so werden wie die eigenen Eltern, den eigenen Menschenhass verstecken und die eigenen Süchte und die eigenen Ängste. Ihm die Liebe zu gutem Essen vermitteln, zu guten Büchern, zum richtigen Fußballclub. Toleranz lehren, zur Selbstständigkeit erziehen, loslassen können, aber trotzdem behüten. Et cetera. Wenn man Mitte/Ende 30 ist, liegt das eigene Leben nämlich auf einigermaßen stabilen Schienen: Die Partnerfrage ist weitestgehend gelöst, der Beruf gefunden, der Plan, als Rocksänger berühmt zu werden, der ist dann doch im Morast des eigenen Wesens versunken. Da hat man Zeit zum Nachdenken und fühlt sich irgendwann irgendwie bereit für ein Kind. Und wenn sich eines ankündigt, schnappt man stante pede über: Bücher, Kurse, Webseiten — jeder Tropfen Wissen wird aufgesogen. Man steckt Monatsgehälter in den Ausbau des rosafarbenen oder hellblauen Kinderzimmers und meldet das Kleine schon mal prophylaktisch für Geigenunterricht, Karatekurs und das Medizinstudium an. Und gute 20 Jahre voller Überbehütung, guten Ratschlägen und Besserwisserei später wundert man sich, warum das doch so talentierte Kind neurotische Züge zeigt, das Abi abgebrochen hat und überdies dem Marihuana-Abusus fröhnt.

Vermutlich ist es irgendwie gesünder, wenn man ein Kind mit Anfang 20 bekommt. Da hat man noch so vieles nicht erlebt, noch so vieles im eigenen Leben zu erledigen, dass das Kind einfach nur dabei ist, Teilnehmer am Elternleben anstatt Hauptdarsteller in der Mitte der Bühne. Seinerzeit in meinem Studium, 1895 muss das gewesen sein, spielten während jedes Seminars Kleinkinder im Raum, ganz selbstverständlich mitgebracht von ihren studierenden Müttern. Alles einigermaßen unaufgeregt und unideologisch, meilenweit entfernt von der Hysterie 39jähriger Bogenhausener Mütter mit altphilologischem Abschluss, die Kita-Mitarbeiter mit exakten Anweisungen in den Alkoholismus treiben und im Freundinnenkreis die Rangordnung nach den Leistungen des eigenen Kindes festlegen: Unser Kleiner konnte ja schon mit elf Monaten “Mama, ich möchte ein Biowurstbrot” sagen. Und die Große will jetzt unbedingt bei den Tennis-Vereinsmeisterschaften antreten. Ach, süß, wie ehrgeizig sie ist. Uh.

Also, wir haben uns vorgenommen, möglichst so zu sein, wie wir gewesen wären, hätten wir Marleen vor zehn Jahren bekommen. Nur ein bisschen gereifter.

Fragt mich in zehn Jahren nochmal, wie’s geklappt hat.

Wenn Al Kaida tanzt

by Gunnar on 15. März 2008 · 8 comments

Es hat vielleicht nicht jeder mitbekommen: Ein republikanischer Abgeordneter namens Steve King hat neulich
gesagt, bei einem Wahlsieg von Barak Obama würde Al Kaida in den Straßen tanzen.

Was an sich schon ziemlich boshaft ist, seine besondere Perfidie aber dadurch gewinnt, dass Al Kaida (oder Al Quaeda oder Al-Qaida) sich viel mehr über einen Araber-fressenden Hardliner freuen würde. Immerhin hat Bush den Bin-Laden-Jungs mit seiner Politik ordentlich neue Rekruten zugetrieben.

Aber egal, so ist der US-Wahlkampf eben.

Allerdings kommt mir dabei ein gemeiner Gedanke. Also, wenn ich der untergehenden Bush-Administration angehören würde, dann würde ich versuchen, nach Obamas Sieg den Tag der fälligen Inauguration auf einen muslimischen Feiertag zu legen. Auf das islamische Neujahr (ra’s al’äm) beispielsweise, das auch immer in den Winter fällt. Dann würde ich meinen Kumpels bei CNN einen Tipp geben, damit die immer hübsch Obama gegen die feiernden Muslime schneiden. So etwa:

obama is president

Und die ganzen Menschen vor den Flimmerkisten in den Trailerhomes würden glauben, Steve Kings Worte wären wahr geworden. Falls die überhaupt CNN gucken. Also vielleicht doch besser auch Fox News einbinden.

Boah, bin ich fies. Ist wohl besser, dass ich kein Politiker geworden bin.

wut

Auf Amerikanisch würde man vielleicht sagen, ich hätte zuweilen anger issues. Aber ich habe mir fest vorgenommen, mir eine Zen-artige Gelassenheit anzuwöhnen, in Vorbereitung auf die bevorstehende Kindesaufzucht. Und heute war eine treffliche Gelegenheit, die guten Vorsätze mal auszuprobieren.

Aber von vorne: Ich musste zu einem Geschäft in der Innenstadt, was generell ein Schmerz im Arsch ist, weil die Verkehrsführung dort einem Strudel gleicht: Wehrlos zieht einen die blecherne Strömung im Kreis. Verpasst man die Ausfahrt, muss man eine umständliche Runde drehen, um wieder dorthin zu kommen, wo man eben schon war. Gottseidank kenne ich diese Abkürzung, die nur den kleinen Nachteil hat, dass ich dafür über eine durchgezogene Linie fahren muss, aber egal, Lücke abgepasst und drüber. Und ARRGH! genau vor mir erhebt sich, grausam lächelnd, eine Polizistin wie ein Nazgûl aus dem Asphalt. Dreck. Erwischt. Wieder tobt diese ziellose, ungerichtete Wut durch meine Adern. Ich will jemanden töten, aber es ist, außer mir, niemand in der Nähe, dem ich die Schuld geben könnte — nur, vielleicht, dem System. Oder Gott. Oder der StVO. Meine Hände krampfen sich um das Lenkrad, mein Hirn sucht nach bösartigen Bemerkungen knapp innerhalb der Legalitätsgrenze, um der Raubritterin wenigstens den Tag zu vermiesen, aber… …die Frau Oberwachtmeister ist so entwaffnend nett, dass ich nicht sofort losgiften kann. Und dann setzt die Kontrolle ein: Gunnar, ganz ruhig, finde deine Mitte, finde das geheime Feuer, gaaaanz ruhig. Und ich überstehe die Angelegenheit irgendwie ohne Wutanfall. Obwohl mir die Dame 30 Euro abknöpft.

Soweit, so gut. Dann zu dem Geschäft: Ich will Dings abholen. Ach Dings, Sekunde. Klar. Huh, wir finden es nicht. Ist aber schon ewig bestellt. Wie ewig? Sehr ewig. Ach so, Sie haben nicht angerufen und Bescheid gesagt, dass Sie Dings abholen wollen, oder? Die dicke Verkäuferin lächelt mich an wie man ein lernbehindertes Kind anlächelt. Wie anrufen? Na, anrufen, damit wir’s aus dem Lager holen lassen können. Das hat mir keiner gesagt. Doch, das sagen wir immer dazu. Mir nicht. Doch. Nein. Doch. Die dicke Verkäuferin lächelt mich an wie man ein lernbehindertes Kind anlächelt. Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie ich die Person und ihre Kolleginnen mit einer Registrierkasse erschlage, das Gebäude niederbrenne und die Erde mit Salz bestreue. Aber dann ich mache nur einen anderen Abholtermin aus und verabschiede mich nett. Unglaublich. Zu welcher Beherrschung ich fähig bin.

Nächste Woche eröffne ich ein Zen-Kloster. Oder wickele meine schreiende Tochter.

Das ist eines der Hauptprobleme mit diesem dilettierenden Feierabendschreiben: Es fallen einem dauernd so unzusammenhängende Sachen ein, die schreibt man zwanghaft auf, was sich in Einzelfällen vage gut liest, aber nicht recht zu irgendwas führt. Man kommt sich ein bisschen wie ein Schriftsteller vor, denkt, huh, nicht übel, daraus könnte ich was machen, macht aber nie was draus, weil Fragmente eben nur Fragmente sind und keine Bausteine. Ach. Vielleicht sollte ich die besseren mal zu Blogeinträgen aufarbeiten, Blogs sind ja erlaubtermaßen Fragmentfriedhöfe. Oder einfacher: Ich copypaste hier mal einfach ein paar rein. Zack. Dann sind sie irgendwie veröffentlicht und nerven nicht länger in meinen Notizen. Sowas hier z.B.:

Meine Stiefel ziehen mich nach ihrem eigenen Willen, ungelenkt, durch die Schneefelder. Ich bin absent, nicht in der Gegenwart. Träume kalte Träume in hellblau, grau und weiß. Meine Stiefel folgen den Spuren anderer Stiefel, wie Pferde anderen Pferden folgen. Ein Schritt daneben und ich wäre im Nichts, würde eigene Spuren in den Schnee treten, das Land neu kartographieren.

Aha. Oder was Englisches?

German is a language so complex that it’s virtually unlearnable for foreigners. Not even the Rosetta Stone people have yet found a way to tackle the irrational way Germans use “das” and “der” and “die”. So don’t even try to learn it – Germans are well used to people using hand signs and facial expressions to ask for the way to the cathedral or the porn store.

Keine Ahnung mehr, wo ich damit hinwollte. Eine Art Mini-Ratgeber vielleicht. Oder lieber ein paar Brocken Fantasy, heute günstig im Angebot.

Der Wald der Augen war ein dunkler Ort, an den viele Länder grenzten. Dennoch hatte niemals jemand Anspruch darauf erhoben. Kein König oder Prinz war je närrisch genug gewesen, ihn seinem Königreich einverleiben zu wollen. Bis jetzt.
Ich war jung damals beim Tod meines Vaters, ein jugendlicher Regent, der sich unsterblich glaubte und die Worte seiner Ratgeber in den Wind schlug. Erfahrung, dachte ich, was ist schon Erfahrung. Intelligenz und Mut und Wille, darauf kommt es an. Nicht auf das, was die abergläubischen alten Männer erzählen, denen die Last der Jahre alle Tatkraft genommen hat. Ich schickte also Soldaten und Holzfäller, um meine Fahne aufzuziehen und des Waldes Herr zu werden. Hätte ich gewusst, was ich heute weiß, hätte ich Gift genommen.

Ich hätte auch noch ein paar längliche Romananfänge, aber die erspare ich der Öffentlichkeit. Vorerst.

Danke-schön, ihr Lieben

by Gunnar on 12. März 2008 · 9 comments

Hey! Danke für all die guten Wünsche und freundlichen Worte, auch an die Jungs aus dem GameStar-Forum (GSPB), die sehr nett hierher verlinkt haben, um mir zu meinem, ich zitiere, Level-1-Twink* zu gratulieren. Was übrigens für einen Besucherrekord auf dieser Seite gesorgt hat, auch wenn ich mir dafür unverblümt sagen lassen musste, dass Marleen Siri Lott nahezu ein Name der Kategorie Jimi Blue Ochsenknecht sei. Aber nun, das GSPB wäre ohne seine Leidenschaft zur Kritik nicht das GSPB, und GameStar wäre nicht GameStar ohne das GSPB. So ist die Welt eben eingerichtet.

Jedenfalls war es sehr schön, meine exorbitante Freude über das gestrige Wunder der Welt mitteilen zu können und von so vielen Menschen, die mich gar nicht persönlich kennen, beglückwünscht zu werden.

Das macht meine strahlende Welt noch einen Funken heller.

Alles wird anders!

März 11, 2008

Als die Liebe meines Lebenstm seinerzeit schwanger wurde, hagelte es Glückwünsche von Freunden, Kollegen, Bekannten: Hey! Hu! Willkommen im Club! Schön! Beste Entscheidung Eures Lebens! Jay! — und so weiter. Man denke sich die entsprechenden Gesten dazu. Wir waren natürlich einigermaßen euphorisiert. Bestätigung dämpft Ängste, betäubt Zweifel. Dann, so im achten Monat, änderte sich die […]

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Meine Fresse, die SPD

März 7, 2008

Huch, da geissele ich gerade noch die derzeit unfassbar rückgratlose SPD und dann findet sich doch noch eine Abgeordnete mit Zivilcourage und Anstand. Erstaunlich. Aber es spricht natürlich Bände, dass die Funktionäre die Ypsilanti loben, für ihren, uh, verantwortungsvollen Rückzug. Und nicht die Abgeordnete Dagmar Metzger. Dabei wäre eine Anerkennung der Position der Frau Metzger […]

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