108 Stimmen für München

by Gunnar on 2. März 2008 · 10 comments

stadtratswahl münchen

Heute ist Wahl in München. Wir wählen den Oberbürgermeister, das geht ganz einfach und schnell, zumal ja nur der Sonnenkönig Ude und ein paar Zählkandidaten antreten. Der härteste “Gegner” ist Josef Schmid, CSU, der politisch außer der Mitgliedschaft im Heimat- und Volkstrachtenverein Alpenrösl e.V. nicht viel vorzuweisen hat. Und erst kürzlich peinlich auffiel, weil er forderte, Rot-Grün abzuwählen, um so den “bayrischen Löwen zu entlausen”. Keine Schwierigkeit also.

Dann gibt’s aber noch den Bezirksausschuss, für den man, argh, nicht weniger als 27 Stimmen hat und den Stadtrat, für den man satte 80 Stimmen vergeben kann. Da steht man ‘ne gute halbe Stunde in der Wahlkabine. Gottseidank ist es auch erlaubt, einfach nur die Partei der Wahl anzukreuzen, womit dann die 80 Kreuzchen automatisch auf die Liste verteilt werden. Ich verzichte aber natürlich auf derlei Hilfen und gebe meine kostbaren Stimmen einzeln, indem ich Kandidaten der hinteren Plätze bevorzuge, wenn sie mir sympathische Berufe haben — mehr weiß man ja nicht über die Leute, nur Namen und Beruf. Also: Rentner? Kein Kreuz. Anwalt? Natürlich nicht. Interkulturelle Trainerin? Ach bitte. Mediaberater? Huh. Die Sorte kenne ich. Umweltjournalistin? Ach, sowas gibt es? Aber okay, da will ich mal nicht so sein. Das wären dann drei Stimmen für die Journalistin, bleiben noch 24. Am Ende des sorgfältigen Auswahlprozesses sitze ich dann auf zwölf Stimmen, weil es bei meiner Partei zu wenig Leute mit netten Namen und okayen Professionen gibt. Da ich aber keine Stimmen an den Feind verschwenden will, gebe ich am Ende dann doch all meine Stimmen wahllos weg und wähle die Liste von oben nach unten. Ach. Es ist ein Kreuz mit der Demokratie.

Ich würde übrigens lieber Kandiaten der anderen Parteien auswählen, wobei dann aber derjenige mit den meisten Kreuzchen ausgepeitscht oder ausgewiesen oder pauschal der Steuerfahndung überantwortet würde. Und alle nicht abgewählten Kandidaten dürften dann, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, die Regierung bilden. Das wär’s. Wir bekämen viel bessere Regierungen, voller bescheidener, netter Leute. Und vollständig frei von Anwälten.

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