Wir stehen für, uh, alle guten Sachen

by Gunnar on 3. März 2008 · 7 comments

stadtratswahl münchen

Egal, welche Gruppierung gestern die Stadtratswahl gewonnen hat, verdient hat sie’s nicht. Jedenfalls nicht, wenn man sich die Gestaltung der Plakate anguckt. In heutigen Zeiten, wo es eine Myriade Bücher über Image, Markenbildung, Marketing und andere modernen Formen der Bauernfängerei gibt, ist es doch wirklich nicht mehr angemessen, einfach das freigestellte Grinsegesicht des Kandidaten vor die Farbe der Partei zu montieren. Dazu eine aussagelose Parole (Für mehr netto! Für Bayern! Für morgen! etc.), fertig. Soll sich doch das doofe Wahlvolk selber Gedanken machen, wer für was steht. Kein Wunder, dass die Parteien von den Rändern, dort, wo die Demokratie ausfranst, immer mal wieder überraschende Erfolge einfahren — die haben einfach halbwegs verständliche Slogans. Sowas wie “Ausländer raus” versteht eben jeder. Sogar die nahezu leseunkundigen Bildungsverweigerer, auf die es gezielt ist.

Also, wenn ICH antreten würde, dann würde ich schon mal auf’s Plaket drucken, was ich ablehne — stinkreiche Steuerhinterzieher meinetwegen, den Bau des Transrapid vielleicht, den FDP-Kandiaten natürlich. Und dazuschreiben, dass ich Katzen mag, das Internet an sich, Tom Waits, Erich Kästner und meine Frau, meine Freunde und die Heimat. Nicht gelogen und doch allgemein genug, dass sich jeder damit identifizieren kann. Ich wette, damit würde ich eine FDP-Verwaltungswirtin wie Frau Neff, die (wie oben auf dem Bild zu sehen) sich öderweise nichts mehr wünscht als eine ausgeglichene Kassenlage in der Zukunft, doch wohl lässig aus dem Feld schlagen.

Nachtrag: Den Dieter-Hallervorden-Gedenkpreis für den blödesten Slogan gewinnen in dieser Wahl übrigens die Grünen, die ihren Bürgermeisterkandidaten Hep Monatzeder mit der absurden Zuschreibung Münchens beste Grün-Anlage bewerben. Huh, Kalauer-Alarm.

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