Ich bin ja kein Medienjournalist und verstehe auch sonst mangels Anteilnahme nicht viel vom Fernsehen, aber wie soll denn in Deutschland jemals halbwegs brauchbares TV laufen, wenn die zählbaren Zuschauer der magischen werberelevanten Zielgruppen RTLs mutigen Versuch vom Sonntag, etwas arg vorhersehbar Das jüngste Gericht geheißen, einfach verhungern lassen? Und das, obwohl nicht mal ein Tatort als Konkurrenz kam?
Jaja, klar war der Zweiteiler letztendlich nur ein Abklatsch des US-Thrillers Se7en, aber an vielen Stellen gut besetzt, spannend erzählt und ordentlich geschrieben und — keine Sekunde langweilig. Und wer auf gut geschrieben nicht so steht, bekam immerhin Sex, Polizeigewalt, Macho-Allüren und religiösen Fanatismus. Das sollte doch eigentlich reichen. Hat es aber nicht, der Streifen lag unter dem Senderschnitt. Schade drum.
Verstehe die Zuschauer nicht: Mir ist ein europäischer Krimi einigermaßen bekannten Schauplätzen, mit unsynchronisierten (und schon dadurch glaubhafteren) Schauspielern allemal lieber als fast jede glattgebürstete Folge von Navy CIS, CSI: Ostküste, The Closer oder wie sie alle heißen. Aber offenbar bin ich unter den deutschen Fernsehguckern nicht in der Mehrheit. Das habe ich nun von meinem jahrelang propagierten Fernsehhass. Ach.

Moment mal? Erst wird man hier vom Herrn Kaliban durch überschwengliche Positiv-Kritik zum Serien-DVD-Schauen genötigt (im Nachhinein völlig zurecht) und jetzt beschwerst du dich plötzlich, dass keiner mehr fernsieht? Ja was denn nun?
Ich glaube, dir ist dein Einfluß auf die deutsche Medienlandschaft einfach noch nicht ganz klar.
Gegen US-Serien ist ja nun im Prinzip nichts zu sagen. Aber es fehlt eben der Bezug, das Lokalkolorit, das Echte. Das macht nix bei Deadwood, Futurama, Firefly, fällt aber bei den Krimiserien schon auf. CSI etwa spricht nicht mit mir, dann lieber ein Tatort. Oder eben sowas wie Das jüngste Gericht.
Mußt nicht traurig sein, die Quote ist so aussagekräftig wie Kaffeesatz.Interessante Sendung zu dem Thema: “Quo vadis, deutsches Fernsehen?” bei Deutschlandradio Kultur -> http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2008/01/26/drk_20080126_0907_a1ba7f82.mp3
Komisch, ich finde das gerade synchronisierte Schauspieler glaubwürdiger klingen als die meisten deutschen Darsteller.
Im allgemeinen sind mir amerikanische “glattgebürstete” Krimiserien tausendmal lieber als die deutschen Pendants, liegt vielleicht daran das ich noch recht jung bin.
Übrigens gabs zu dem Thema letzte Woche nen Artikel im Spiegel.
Wenn der Zweiteiler nur auf RTL gezeigt worden wäre, dann hätte ich ihn mir sicher nicht angesehen. Zum einen liegt das an den Werbeunterbrechungen, auf die ich im laufe der Jahre eine schwere Allergie entwickelt habe, und zum anderen daran, dass ich mit RTL Eigenproduktionen bisher keine guten Erfahrungen gemacht habe.
Jedoch lief “Das jüngste Gericht” zeitgleich im ORF und da es dort keine Werbeunterbrechungen gibt, habe ich mir den Film angeschaut.
Mein Resümee: Für eine deutschsprachige Fernsehproduktion gar nicht mal so schlecht, bzw. ich habe schon wesentlich schlimmeres gesehen.
ich bin immer so froh über die werbeunterbrechungen. will ja auch mal aufs klo und mir ein bier aus der küche holen oder so.
Nun ja, wie weiter oben schon erwähnt: Die privaten ernten nun das, was sie lange mit ihren eher bescheidnen Eigenproduktionen gesät haben. Ich habe es mir genau darum nicht angeschaut.
Aber grundsätzlich gebe ich Dir schon recht – Mord mit Aussicht, lief bei der ARD, ist auch schlecht weggekommen. Und war bei weitem das Beste, was ich seit langem als Serienkrimi gesehen habe. Wobei Krimi vielleicht ganz passend ist…
Ahh – NICHT ganz passend ist meinte ich.
Vielleicht haben ihn die Mehrheit wirklich einfach auf ORF geschaut?
So wie ich…
Wie viele können den denn im ORF gesehen haben?
Ich dachte immer, dass ORF1 in Deutschland nicht zu bekommen ist. Selbst in Österreich bekommt man ihn entweder per DVB-T (was ja aufgrund der beschränkten Reichweite in Deutschland sicher nicht möglich ist) oder per DVB-S (und dort nur mit Conax/Cryptoworx-Karte).
1. Tobias Moretti geht seit “Kommissar Rex” gar nicht. Wennn ich den sehe ist’s direkt vorbei, verbrannte Erde.
2. RTL hat was Eigenproduktionen angeht einen unterirdischen Ruf. Ich kann mich nur noch vage an eine gut produzierte Serie mit verarmten Millionären erinnern, sonst kommt da ja nur unterirdischer Schrott wie Alarm für Cobra 11, die Gefängnislesben und Haialarm auf Mallorca.
Deswegen hatte ich bei der Combi Moretti + RTL gar keine Lust einzuschalten.
Gut besetzt ok, spannend inszeniert vielleicht auch noch (als Austrianer fand ich im Übrigen die Stadt Wien sehr schön fotografiert), aber, uh, gut geschrieben?
Da waren mir aber deutlich zuviele Plattitüden drin, zuviele Vorhersehbarkeiten, zuviele Logikfehler. Dass dann der Bösewicht nicht gleich tot ist und am Ende aufgespießt ins Jenseits weichen muss, setzte der Klischeeaufzählung auch noch die Krone auf…
Im Grunde meide ich ja derlei Industriefernsehen, aber ich las da mal was vorher von der “Graphic-Novel-Szene” und Zeichentrickeinlagen. Letztere waren zwar vom Ansatz her gut, aber viel zu selten eingesetzt, im zweiten Teil hat man ohnehin auf selbige fast völlig vergessen. Graphic Novel oder Comic kamen zudem nicht einmal als gesprochenes Wort vor. Und natürlich sind unsere Pseudogrufties gleich auch wieder böse Satanisten… andere Darstellungsweisen für leidenschaftliche Schwarzträger sind in der deutschen Fernsehlandschaft offenbar unmöglich.
Ansatz gut, Rest verpatzt… und der Krimi-Zweiteiler über mordende Killerspieler kommt bestimmt auch irgendwann…
Den mordenden Killerspielspieler gab es schonmal in einem Tatort von Radio Bremen mit Kommissarin Inga Lürsen. Das sind sowieso immer die Abstand schlechtesten Tatorte.
@bb: “ordentlich geschrieben” sagte ich. meinte auch mehr die dialoge. der plot hat natürlich löcher, durch die ich meine mütze werfen könnte — immer noch ne pseudo-wendung mehr, bis wir am ende jeden mal verdächtigt haben, der grob passt.
Aber es kam doch Bully als Konkurrenz…^^
Mag sein das der Film nicht schlecht war.
Aber nach einem Trailer war mir klar das es nur ein Re-Make von “Sieben” ist.
Und wie Cäsar schon sagte: Wiederholungen langweilen”
Ich kenne niemanden der Filme guckt, die als “Krimi” definiert werden.
naja deutsche Krimis sind im allgemeinen einfach ne spur zu langweilig oder grauenhaft besetzt oder beides. wenns um echte krimis geht sind die skandinavier ungeschlagen.
z.B. die verfilmungen von mankell sind großartig, haben tiefgang, spannung, gute dialoge, usw ….. da kommt nix aus DE oder US heran.
Also “The Closer” mit CSI in einen Sack zu werfen, ist schon arg hart. Zumindest Kyra Sedgwick muss man natürlich im Original sehen, während das bei CSI auch nichts mehr hilft, weil da das Konzept so schlecht ist.
@hilkman: habe closer nur auf deutsch gesehen, finde aber, ehrlich gesagt, personen und setting schwer erträglich.