Mai 2008

Herr Kaliban, Ende Mai

by Gunnar on 30. Mai 2008 · 12 comments

Hören –> Thomas Mann: Der Zauberberg (Hörbuch)
Sehen –> Prison Break, Staffel 2
Lesen –> Richard Morgan: Altered Carbon
Spielen –> Warhammer 40: Squad Command (DS)
Reisen –> gestern Ingolstadt (uh), Dienstag Berlin
Lässliche Sünde –> Stressdämpfung durch Schokolade-Abusus
Zu was ist es? –> zu warm, jedenfalls im Büro

Das Prinzip Problemfrau

by Gunnar on 26. Mai 2008 · 20 comments

Es gibt da diesen Freund, nennen wir ihn mal Kevin, das ist ausreichend anonym, weil ich niemanden kenne, der so heißt. Und überhaupt ist die Geschichte in Teilen ausgedacht. Also: Dieser Freund will vielleicht heiraten. Ohne Kinderwunsch und sonstige Not, einfach so. Weil er die Frau liebt, weil’s alle machen, weil die Wohnung zu groß ist oder alles zusammen. Ist im Prinzip ja begrüßenswert, möglicherweise entspringen der Verbindung Kinder, die hinterher meine schmale Rente mitfinanzieren oder im Altersheim meinen Hover-Chair in den Wellnessroom schieben, damit ich dort meinen Afternoon-Iced-Macchiato vor dem Shop-TV einnehmen kann, jedenfalls die Teile davon, ich mir nicht greisig aufs Hemd zittere.

Nun, ich schweife ab.

Zurück zum Thema: Kevin will also vielleicht heiraten, ich aber, sei es nun arrogante Besserwisserei oder Lebenserfahrung, bin der festen Überzeugung, dass es sich bei der Frau um eine Alarm! klassische Problemfrau handelt, die zudem noch rein optisch/coolnessfaktormaßig klar unter seinem Marktwert liegt. Habe kurz überlegt, ob ich ihn drauf hinweise, aber das geht natürlich nicht, es gibt Ratschläge, die kann man nicht annehmen. Selbst, wenn sie richtig wären, was sie aber in diesem Fall nicht sein müssen, denn ich kenne ja nicht die ganze Psychodynamik dieser Beziehung, vielleicht ist der Sex ja großartig oder sie erinnert ihn an seine Mutter oder sie kocht gut, ach egal. Ist nicht zu ändern.

Was mich nur wundert: Mehrere Kerle in meinem Umfeld sind bei der erwähnten Freundin von Kevin zur gleichen Diagnose gekommen: Problemfrau, ganz klar. Warum aber sieht er das nicht? Die Ziege zeigt alle Symptome. Ist es etwa so, dass jeder die Erfahrung mit der Problemfrau selber machen muss, idealerweise früh im Leben, um dann die Antikörper zu bilden? Eine kurze unauffällige Recherche in Kevins Leben zeigt: wenig Frauen, keine Problemfrau dabei.

Mist. Er ist unrettbar verloren.

Was aber ist denn jetzt eine Problemfrau, fragen sich die jüngeren Leser. Und woran erkennt man die? Nun, natürlich gibt es da individuelle Unterschiede. Aber im großen und ganzen dürfte die folgende Definition zutreffen. Widerspruch gerne in die Kommentare.

Problemfrau, die; -en/ Problemfrauen haben Probleme, das sagt der Name schon ganz richtig. Hauptsächlich mit sich selber. Und sie erwarten, dass der Mann diese Probleme zu Stärken erhebt — ist die Problemfrau beispielsweise zu dick, erwartet sie laufend feindselige Äußerungen ihres Partners gegen schlanke Frauen (“Schlimm, dieser Schönheitswahn, laufen alle rum wie Hungerhaken.”). Hat die Problemfrau keine eigenen Freunde (was häufig passiert), erwartet sie vom Mann, dass er seine Freunde aufgibt, sich mit ihr in der gemeinsamen Wohnung einigelt und generell über Kneipengänger, Stadionbesucher und andere unsolide Elemente wettert. Kurz: Die Problemfrau definiert die Beziehung als bedingungslose Schicksalsgemeinschaft, klammert und hält, hintertreibt die vorher bestehenden Freundschaften, projiziert ihre eigenen Probleme auf den Partner. Die Beziehung an sich muss ständig diskutiert werden, um das Gehege um den Partner herum genau abzustecken und um mit Psychotricks (etwa die klassischen Schuldgefühlerzeuger: “Du liebst mich nicht richtig!” “Du findest mich nicht schön!”) Druck aufzubauen. Im Falle einer Trennung droht sie mit Selbstverstümmelung und/oder blutiger Rache.
Gibt es, natürlich, auch in der Variante Problemmann.

Die Präsidentin

by Gunnar on 21. Mai 2008 · 11 comments

Oh. Die SPD will jetzt doch Prof. Dr. Gesine Schwan gegen Dr. Horst Köhler ins Rennen um die Bundespräsidentschaft schicken. Geht natürlich nur mit den Stimmen der Linken, eine eigene Mehrheit hat rotgrün ja nicht. Bin ich da nur überkritisch oder ist das vielleicht nicht das richtige Signal an die Wähler der Mitte, wenn Becks Truppe, nach all den Querelen in Hessen und Hamburch, mit linken Stimmen den feinsinnigen, aber doch markigen und insgesamt recht beliebten Köhler durch die leicht vogelscheuchige Frau Schwan ersetzt? Mutig.
Bitte hier übrigens nicht falsch verstanden zu werden — mir persönlich wäre Frau Schwan sehr recht als Präsidentin, auch (aber nicht nur) weil ich es cool fände, wenn beide großen Staatsämter von Frauen bekleidet würden.

Die Zeitschrift und der Freak

by Gunnar on 16. Mai 2008 · 48 comments

Das Fernsehen, in seiner Tücke und vorurteilsbeladenen Ablehnung der Computerspieler an sich, hat uns erst neulich, in Form eines schwachsinnigen ZDF-Beitrags (siehe auch hier) mal wieder ordentlich Nerven gekostet. Naja, das ZDF eben. Die verbohrten Öffis. Sitzen da droben, Alphorn spielend auf ihren Bergen von Gebührengeldern und blicken mit Grausen auf das gottlose Treiben in der Welt der unter 60jährigen. Immerhin springen die gnadenlos kommerzhörigen Privatsender, stets den Blick fest auf die nächsten Werbespot-Einbuchungen der Killerspiele produzierenden Industrie gerichtet, einigermaßen selten auf den Huh, die bösen Spiele-Zug auf.

Im Gegenteil: Der Privatsender ProSieben verwendet die meinungsführende Computerspieler-Postille GameStar sogar als Requisite, was den Ruhm der Marke GameStar ins Unermessliche steigern würde, wenn… …ja, wenn die betreffende Sendung nicht gerade Das Model und der Freak wäre. Und die Einblendung der Zeitschrift nicht perfiderweise dem Zweck dienen würde, die Freakhaftigkeit eines freundlichen Physikstudenten auf besonders drastische Weise herauszustellen. Und wenn nicht, argh, zum Bild des GameStar-lesenden Jungphysikers der Off-Sprecher die giftigen Worte Ja, so lockt man keine Frau aufs Liegesofa schnarren würde.

Ach, die Bosheit der Mainstream-Medien. Naja, besser schlechte Presse als keine Presse, nehme ich an.

der freak

Wer sich das Elend mal anschauen mag: Hier, bei Pro7 den Player starten, die Werbung ertragen und zu Minute 3:10 vorspringen. Uh.

Das Anzug-Syndrom

by Gunnar on 15. Mai 2008 · 9 comments

Wenn ich, wie heute, im Anzug ins Büro gehe und alle mich überrascht anschauen und sich nach dem Anlass erkundigen und Bemerkungen wie Das ist ja ein Kontrast nach dem Wohnungsrenovierungslook gestern fallen lassen, dann, ja dann, sollte ich mich vielleicht fragen, ob meine Frühlingsgarderobe in angemessenem Zustand ist.

Dr. Kimble an der Tanke

by Gunnar on 14. Mai 2008 · 20 comments

Auf der Flucht

On the Run” ist ein globales Tankstellenmodell von
ExxonMobil. [Das Logo ist ein] blauer Schriftzug: “On the Run” auf gelbem Grund.
Unterstreichung in Form eines geschwungenen roten Bandes
verleiht dem Logo die Dynamik, für die der Name steht: Auf die
Schnelle, im Vorbeigehen.

So steht es in einer (schon was älteren) Pressemitteilung von Esso. Gemeint ist die Marke ihres Bei uns bekommen Sie nicht nur Benzin, sondern auch überteuertes Fabrikbrot, überteuerte Spielzeugautos und überteuerte Holzkohlesäcke-Bereichs. Besonders wichtig ist der Firma Esso dabei, dass “On the Run” ein globales Konzept ist, wie sie auch leicht überheblich auf ihrer Webseite erklärt:

Wenn man eine Marke international in den Markt bringen möchte, muss man sich auf einen weltweit gültigen Auftritt einigen. […] Nehmen Sie die bei den Kindern so beliebte Gastronomiekette Burger King: Hieße sie in Deutschland “Frikadellen König” und in Frankreich “Roi de Boulette”, wäre kein international einheitlicher Markenauftritt möglich.

Jaja, schon klar. Wir sind ja nicht blöd. Okay, liebe Esso-Leute, ich gebe ja zu, dass “On the Run” in Deutschland vage international klingt und irgendwie nach Mobilität. Aber im Englischen bedeutet das primär “Auf der Flucht”, und das ist ja wohl ein reichlich alberner Name für ein, huh, globales Tankstellenmodell. Absurd. Habt ihr keinen dieser jungen Hotshots im Vorstand, die die Wirtschaftspresse immer aufs Cover nimmt, 25 Jahre alt, gut sitzender Anzug, Marathonläufer, Workaholic und fluent in contemporary english, weil Bachelor aus Harvard? Hat doch heute jeder. Oder sitzt bei euch irgendwo ein abgebrochener Anglistikstudent mit einer zynischen Ader, der dem geltungssüchtigen deutschen Marketing diesen Namen mit voller Absicht untergejubelt hat, um sich heimlich drüber lustig zu machen? Oder hat sich die ganze Chose einfach nur die Praktikantenrunde ausgedacht (das würde immerhin das Logo erklären) und hinterher musste der Director Marketing Programs das abnicken, weil die Agentur auch keine bessere Idee hatte?

Ach, die Geheimnisse des großen Business.

Baby-Terror

by Gunnar on 11. Mai 2008 · 4 comments

Unsere Tochter hat einen neuen Trick raus — im Prozess des Aufwachens beginnt sie mit dem obligatorischen Schreien schon im Halbschlaf, mit geschlossenen Augen. Das ist natürlich enorm praktisch — so schafft sie’s, dass die Eltern schon in angemessener Alarmbereitschaft sind, wenn sie richtig aufwacht.

Ist ein bisschen so wie bei den Leuten, die per Zeitschaltuhr die Kaffeemaschine fünf Minuten vor dem Wecker starten. Schlau, das Kind. Wieder ein neuer Level im Spiel Eltern dressieren.