Das Prinzip Problemfrau

by Gunnar on 26. Mai 2008 · 20 comments

Es gibt da diesen Freund, nennen wir ihn mal Kevin, das ist ausreichend anonym, weil ich niemanden kenne, der so heißt. Und überhaupt ist die Geschichte in Teilen ausgedacht. Also: Dieser Freund will vielleicht heiraten. Ohne Kinderwunsch und sonstige Not, einfach so. Weil er die Frau liebt, weil’s alle machen, weil die Wohnung zu groß ist oder alles zusammen. Ist im Prinzip ja begrüßenswert, möglicherweise entspringen der Verbindung Kinder, die hinterher meine schmale Rente mitfinanzieren oder im Altersheim meinen Hover-Chair in den Wellnessroom schieben, damit ich dort meinen Afternoon-Iced-Macchiato vor dem Shop-TV einnehmen kann, jedenfalls die Teile davon, ich mir nicht greisig aufs Hemd zittere.

Nun, ich schweife ab.

Zurück zum Thema: Kevin will also vielleicht heiraten, ich aber, sei es nun arrogante Besserwisserei oder Lebenserfahrung, bin der festen Überzeugung, dass es sich bei der Frau um eine Alarm! klassische Problemfrau handelt, die zudem noch rein optisch/coolnessfaktormaßig klar unter seinem Marktwert liegt. Habe kurz überlegt, ob ich ihn drauf hinweise, aber das geht natürlich nicht, es gibt Ratschläge, die kann man nicht annehmen. Selbst, wenn sie richtig wären, was sie aber in diesem Fall nicht sein müssen, denn ich kenne ja nicht die ganze Psychodynamik dieser Beziehung, vielleicht ist der Sex ja großartig oder sie erinnert ihn an seine Mutter oder sie kocht gut, ach egal. Ist nicht zu ändern.

Was mich nur wundert: Mehrere Kerle in meinem Umfeld sind bei der erwähnten Freundin von Kevin zur gleichen Diagnose gekommen: Problemfrau, ganz klar. Warum aber sieht er das nicht? Die Ziege zeigt alle Symptome. Ist es etwa so, dass jeder die Erfahrung mit der Problemfrau selber machen muss, idealerweise früh im Leben, um dann die Antikörper zu bilden? Eine kurze unauffällige Recherche in Kevins Leben zeigt: wenig Frauen, keine Problemfrau dabei.

Mist. Er ist unrettbar verloren.

Was aber ist denn jetzt eine Problemfrau, fragen sich die jüngeren Leser. Und woran erkennt man die? Nun, natürlich gibt es da individuelle Unterschiede. Aber im großen und ganzen dürfte die folgende Definition zutreffen. Widerspruch gerne in die Kommentare.

Problemfrau, die; -en/ Problemfrauen haben Probleme, das sagt der Name schon ganz richtig. Hauptsächlich mit sich selber. Und sie erwarten, dass der Mann diese Probleme zu Stärken erhebt — ist die Problemfrau beispielsweise zu dick, erwartet sie laufend feindselige Äußerungen ihres Partners gegen schlanke Frauen (“Schlimm, dieser Schönheitswahn, laufen alle rum wie Hungerhaken.”). Hat die Problemfrau keine eigenen Freunde (was häufig passiert), erwartet sie vom Mann, dass er seine Freunde aufgibt, sich mit ihr in der gemeinsamen Wohnung einigelt und generell über Kneipengänger, Stadionbesucher und andere unsolide Elemente wettert. Kurz: Die Problemfrau definiert die Beziehung als bedingungslose Schicksalsgemeinschaft, klammert und hält, hintertreibt die vorher bestehenden Freundschaften, projiziert ihre eigenen Probleme auf den Partner. Die Beziehung an sich muss ständig diskutiert werden, um das Gehege um den Partner herum genau abzustecken und um mit Psychotricks (etwa die klassischen Schuldgefühlerzeuger: “Du liebst mich nicht richtig!” “Du findest mich nicht schön!”) Druck aufzubauen. Im Falle einer Trennung droht sie mit Selbstverstümmelung und/oder blutiger Rache.
Gibt es, natürlich, auch in der Variante Problemmann.

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